Sputnik Made in Germany ? Teil 2 – mit Mirak III nach Kummersdorf

5 Mrz

Fortsetzung von Teil 1

Triebwerksprüfstand in Kummersdorf.

Triebwerksprüfstand in Kummersdorf.

Auf dem Gelände des ehemaligen preussischen Kriegsministerium wurden die MIRAK 1 und die MIRAK 2 entwickelt. Der Erststart erfolgte dort am 10. Mai 1931.
Bevor der „Verein für Raumschifffahrt“ Ende 1932 wegen Platzproblemen seinen Sitz vom Tegeler Weg / Bahnhof Jungfernheide nach Kummersdorf verlegte, begannen bereits 1930 geheime Versuche mit Raketenbrennöfen.

Unter Leitung von Walter Dornberger wurden für diese Zwecke dort Versuchsstände, Konstruktions- und Messbaracken errichtet. Ende 1930, Anfang 1931 entstand zwischen den Schießbahnen Ost und West die Versuchsstelle West.

Zuerst stand die Erprobung von der Industrie gelieferten Schwarzpulvertreibsätzen auf dem Programm.

Im August 1932 kam dann die in Reinickendorf entwickelte 3,6m lange und 20kg schwere  mit Flüssigkeitstreibstoff betriebene Rakete zur Erprobung nach Kummersdorf. Das Heereswaffenamt hatte diese schon bestellt.

Das Triebwerk in der Rakete entwickelte so viel Schub, dass sie bis 70m Höhe aufstieg, bevor sie gezielt abstürzte. Eine gefährliche Versuchsreihe in besiedeltem Gebiet.

Der Strahlteiler Kummersdorf. Hier wird der Raketenstrahl gelenkt. Die erste Startrampe der Welt

Der Strahlteiler Kummersdorf. Hier wird der Raketenstrahl gelenkt. Die erste Startrampe der Welt

Am 22.06.1932 machten sich dann Rudolf Nebel, Wernher von Braun, Beermüller und Ehmayer von Reinickendorf mit zwei Drei-Liter-Flüssigkeitsraketen vom Typ Mirak III zum Testen auf nach Kummersdorf. Wernher von Braun war von den technischen Voraussetzungen in Kummersdorf so beeindruckt, dass er am 01.10.1932 mit all seinem Wissen und seinen bisherigen Erfahrungen nach Kummersdorf wechselte. Zur selben Zeit begann auch der Bau eines 6x4m großen Prüfstandes für Pulverraketen. Zum Prüfstand gehörten auch zwei Baracken mit Werkstatt, Dunkelkammer, Arbeitszimmer und Konstruktionsraum.

Der erste Brennversuch in dem neuen Prüfstand am 21.12.1932 misslang leider. Dabei wurde fast der gesamte Prüfstand vernichtet. Er wurde wieder aufgebaut und genutzt. Wegen der hohen Auslastung dieses Prüfstandes wurde dann 1934 ein zweiter Prüfstand erbaut.

Agregat 2 Testkammer in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf

Agregat 2 Testkammer in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf ( Hinten Einschüsse russischer Angriffe Ende 1945 )

Zeitgleich 1934 wurde an den ersten kompletten mit Flüssigtreibstoff angetriebenen Raketen begonnen. Die Rakete mit einem Gewicht von 150kg sollte von einer Rinne mit dem Agregat1 (A1) gestartet werden. Dazu kam es aber nicht. Es begannen statt dessen die Arbeiten am Projekt „A2″und einem neuen Triebwerk mit 1000kg Schubkraft.

Wernher von Braun legte im Juni 1935 dem Heer und der Luftwaffe ein Konzept für eine zentrale Raketenversuchsanstalt vor. Die gesamte Entwicklung der Raketen in Deutschland sollte zentralisiert werden. „Alles unter einem Dach“ sollte die Entwicklung beschleunigen.
Außerdem war die Stadt Luckenwalde, die Ortschaften Sperenberg und auch Zossen zu dicht an den Versuchsstartrampen. Außerdem konnten bei höheren Reichweite die geheimen Labore der Vers. Gottow ( Versuchsanstalt Gottow ) getroffen werde, wo bereits  Versuche an Treibstoffen und dem so genannten N-Stoff liefen.
Dieses Konzept wurde im April 1936 angenommen und die Errichtung der „Heeresversuchsanstalt Peenemünde“ oder „HVA“ in Norden der Insel Usedom beschlossen.

Teststand V2 Triebwerk

Teststand V2 Triebwerk

Bild oben. Hinter Panzerglas beobachteten die deutschen Raketen Pioniere den Antriebsstrahl der späteren V2 Rakete. Es kam besonders auf den Startmoment an, bevor die Rakete selbst lenkend fliegen konnte.

Siehe auch :
Sarin und N-Stoff aus Falkenhagen

Quellen: © Fotos eigene.

1951 Massenabsturz 13 Ilyushin IL-10 bei Kemlitz

5 Mrz
Massenabsturz Ilyushin Il-10 bei Kemlitz 1951

Scene eines Absturzes.

Flugfeld Reinsdorf nahe Jüterbog,Brandenburg, 14.April.1951. 26 Männer der sowjetischen Luftwaffe rollen in ihren Flugzeugen auf die 1280m lange Grasstartbahn des ehemaligen „Arbeitsflugfeldes der Luftwaffenflugschule Gatow“.
Noch wenige Jahr zuvor waren hier deutsche Jäger zur „Reichsluftverteidigung“ stationiert  gewesen. Seit 1945 diente Reinsdorf als Dezentralisierungsflugplatz der sowjetischen Jagdflugzeuge aus Jüterbog.

An diesem Samstag im April 1951 ist es im Berliner Umland leicht bewölkt mit angesagten Schauern, als sich die 13 Maschinen zur Verbandsübung der sowjetischen 16. Luftarmee  in Bewegung setzen. Nach dem Start setzen sie wahrscheinlich Kurs auf das Zielgebiet in der Lieberoser Heide, dem 26 500 Hektar großen Bombenabwurf- und Schießübungsplatz, auf dem bis in die 1990ziger Jahren auf der sogenannten „Höhe 100“ tausende Tonnen an Munitionsresten abgeladen werden sollten. In seiner Ausdehnung ist die Gegend die größte wüstenartige Gegend Deutschlands.
Kurz vor der Autobahntrasse Berlin – Dresden liegt die Ortschaft Kemlitz. Beim Vorbeiflug kommt es zur bis heute ungeklärten Massenkatastrophe der Staffel. Trümmerteile verteilen sich über die gesamte Gegend und werden noch  Jahre später gefunden. Die sowjetische Armee birgt  26 tote Männer. Es gibt keine Überlebenden.

Doch warum kam es zu dem gleichzeitigen Absturz aller dreizehn  Ilyushin IL-10 Flugzeuge? Die Flugzeit von Reinsdorf nach Kemlitz beträgt nur wenige Minuten. Für die knapp 25 Kilometer lange Strecke entlang der B102 benötigt eine Ilyushin IL-10 nach dem Steigflug etwa 7 Minuten. Selbst wenn der Treibstoffverbrauch sehr hoch war, die technischen Unterlagen der IL-10 sind hier nicht eindeutig, so sind für diesen Flug etwa 10-30 Liter Treibstoff nötig. Das könnte etwa der Menge entsprechen, die sich ständig in den Treibstoff Leitungen befindet. Ist diese Menge verbraucht, kommt frischer Sprit aus den Tanks zum Motor.
Fazit : Es wäre möglich, daß sich ein falscher Treibstoff in den Tanks des mit „Superbenzin“ betriebenen Ilyushin IL-10 Motors befunden hat. Tankt man in diesem Fall z.B. JET Treibstoff, so kommt es zu dem gleichen Effekt, als würde man einen Ottomotor mit Diesel betanken.

Ilyushin Il-10

Ilyushin Il-10 in Nordkorea © gemeinfrei

Natürlich gibt es denkbar weitere Unfallursachen wie Sabotage, Staubwolken, zu enge Staffelung der Maschinen, Methangas oder ähnliche. Allerdings sind all diese Ursachen höchst unwahrscheinlich und würden den Gesamtverlust aller Flugzeuge nicht erklären.

Blick von der „Tribüne“ auf dem „Generalshügel“ in Richtung der ehemaligen Schießbahn des vormaligen sowjetischen (russischen) Truppenübungsplatzes Lieberose in der Lieberoser Heide bei Lieberose, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg, Deutschland. Von der „Tribüne“ aus verfolgten die militärischen Leitungskräfte den Ablauf der Schießübungen entlang der Schießbahn sowie die Manöver. Seit dem Abzug der Russen verfallen die Militärgebäude zunehmend bzw. wurden im Zuge der Konversion bereits abgerissen. Auch die Schießbahn ist in Folge der natürlichen Sukzession stellenweise bereits wieder recht dicht bewaldet. (Hinweis: Das Foto entstand während einer fachlich geleiteten Führung.)

Blick von der „Tribüne“ auf dem „Generalshügel“ in Richtung der ehemaligen Schießbahn des vormaligen sowjetischen (russischen) Truppenübungsplatzes Lieberose in der Lieberoser Heide bei Lieberose, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg, Deutschland. Von der „Tribüne“ aus verfolgten die militärischen Leitungskräfte den Ablauf der Schießübungen entlang der Schießbahn sowie die Manöver. Seit dem Abzug der Roten Armee verfallen die Militärgebäude zunehmend bzw. wurden im Zuge der Konversion bereits abgerissen. Auch die Schießbahn ist in Folge der natürlichen Sukzession stellenweise bereits wieder recht dicht bewaldet.

( Foto und Text: © J.-H. JanßenEigenes Werk
(Hinweis: Das Foto entstand während einer fachlich geleiteten Führung.)
( Lizenz : 
CC BY-SA 3.0 )

Quelle: eigene, Anwohner, robb Online – Lieberoser Heide.