Daimler-Benz Flugmotorenwerk Genshagen, Motoren für die ME 109

22 Feb
Me 109 beim Start

Me 109 beim Start © Kogo CC BY-SA 2.0

 

Berlin 1934, Adolf Hitler ist seit einem Jahr Reichskanzler. Sein Parteifreund Hermann Göring ist Reichsminister der Luftfahrt. Aus seinem Ministerium kommt die Anfrage an Daimler Benz eine neue Fabrik für die Massenproduktion von Flugmotoren zu bauen. 1935 wird der Bau beschlossen, 1936 begonnen und nach einer Rekordzeit von 6 Monaten nimmt die modernste Fabrik Europas die Produktion auf. Das Daimler Werk in Untertürkheim plant und konstruiert die Motoren, in Berlin Marienfelde läuft die Vorserienproduktion während in Genshagen die Massenproduktion beginnt. In den folgenden Jahren läuft die Kriegproduktion für die Motoren der DB 600er-Serie an. Es werden hauptsächlich die Motoren DB605 für die spätere Version der Messerschmitt Bf 109, aber auch 110 und 111 hergestellt und ausschließlich auf den speziell errichteten Prüfständen getestet.

Messerschmidt BF 109G Triebwerk

Messerschmidt BF 109G Triebwerk © gemeinfrei

Während des zweiten Weltkriegs wird ca. jeder 7. deutsche Flugmotor in Genshagen produziert, geprüft und ausgeliefert. Daimler Genshagen beschäftigt 18.000 Menschen, davon etwa 4000 Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten Osteuropas. Das Werk erreicht imposante Produktionzahlen von 10500 Motoren pro Jahr, insgesamt werden 34000 Triebwerke hergestellt, zuletzt verlässt alle 10 Minuten ein Flugmotor das Werk.

Am 6. August 1944, einem Sonntag und im Krieg regulären Arbeitstag, wird das Werk aus der Luft angegriffen, Die Schäden sind verheerend. Das Werk Genshagen wird so stark zerstört, dass keine Produktion mehr stattfinden kann. 104 Arbeiter sterben und werden in Ludwigsfelde beigesetzt.

Bombenangriff auf das Daimlerwerk Genshagen

Bombenangriff auf das Daimlerwerk Genshagen

Trümmer der Prüfstände der Flugmotoren

Trümmer der Prüfstände der Flugmotoren

Quellen: Wikipedia / Daimler / Zeitzeugen

Irissee Terrassen Wilhelmshorst. Werk des Architekten Albert Gessner

21 Feb
Irissee Terrassen Wilhelmshorst, Brandenburg

Irissee Terrassen Wilhelmshorst, Brandenburg

Der Irissee in Wilhelmshorst, südlich von Potsdam, ist Teil einer Schmelzwasserrinne von Michendorf bis Bergholz, früher weiter bis Berlin. Anfangspunkt ist der Lienewitzsee nahe Ferch am Schwielowsee.
Professor Albert Gessner ( 1868 – 1953 ), Berliner Architekt, plante 1911 die Landhauskolonie im Irisgrund, Wilhelmshorst. Verkehrsgünstig an der Bahnlinie Berlin-Leipzig gelegen, war eine der Hauptambitionen der Anlage eine naturverbundene, offene Lebensform mit großen Gärten umzusetzen. Mittelpunkt der Anlage waren die Irissee Terrassen, ein Treffpunkt der Bürger mit Blick auf den Irissee. Das Bild oben zeigt den Ort der Terrassen , von denen heute nichts mehr zu erahnen ist. Lediglich die Eingangslaternen sind erhalten.
Fast – Fertigstellung war etwa 1914.

Infotafel Irissee im Irisgrund Wilhelmshorst

Infotafel Irissee im Irisgrund Wilhelmshorst

Seit Beginn des 2. Weltkriegs verlandete der See und das Wohngebiet verfiel zusehends.
Zu Zeiten der DDR wohnten hier nur noch wenige Menschen.
Anwohner : „Da ist es total verloddert. Es hat sich niemand drum gekümmert. War total verwildert“.
Im Oktober 1991 plante man eine Sanierung und es gab sogar Mittel in Höhe von 1,65 Millionen Mark. Am 13.6.1992 wurde der erste sanierte Bauabschnitt feierlich mit Anwesenheit vom damaligen Umweltminister und späterem Ministerpräsidenten, Mathias Platzek, übergeben, trotz Fund einer Fliegergranate und deren Räumung lief es bis dahin gut.
Im Oktober 1995 war dann ein Oktoberfest mit feierlicher Übergabe. 1997 sank der Wasserspiegel, weil das Grundwasser sich in Wilhelmshorst um 2 Meter absenkte und nicht genug Oberflächenwasser nachfloss. Auch heute ist der Wasserstand des Sees deutlich zu gering.

Irissee Wilhelmshorst, Wasserstand zu gering

Irissee Wilhelmshorst, Wasserstand zu gering

Schloss Steinhöfel, Brandenburg

18 Feb
Schloss Steinhöfel

Schloss Steinhöfel Foto v Peter Dargatz

Schloss Steinhöfel, spätklassizistisches Schloss, etwa 30 Minuten östlich von Berlin.
Zunächst wird 1730 ein Herrenhaus errichtet. 1790, Oberhofmarschall Valentin von Massow kauft das Schloss, baut es im großen Stil um und erweitert es.
Bei einem Besuch des Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Luise sind diese derart begeistert von der Anlage, dass man das Schloss Paretz an der Havel in gleichem Stil in Auftrag gibt.
1759, während des siebenjährigen Kriegs, ist  Friedrich der Große zu Gast. Man diniert unter der 370 Jahre alten Königseiche im nordwestlichen Teil der Anlage, etwa 300m vom Hauptbaus entfernt. Wenig später erfährt er am 12.August 1759, in der Schlacht von Kunersdorf, (bis 1945 Cunersdorf geschrieben und heute ein Vorort von Slubice) eine herbe Niederlage. Rund 35.000 Mann sterben.

Schlacht von Cunersdorf

Schlacht von Cunersdorf 1759 © gemeinfrei

1930 wird der Landwirt Rudolf Peine neuer Besitzer. Am 19.April 1945 wird die Gemeinde vor den nahenden Truppen der Roten Armee geräumt. Frankfurt/Oder ist bereits besetzt und die Front an den Seelower Höhen überrannt.
Im Zuge der Bodenreform von 1945 wird das Schloss von der Kumune Steinhöfel enteignet. Die  russische Kommandantur hat das Sagen. Es dient fortan der Konsumgenossenschaft, dem Betreiber der Verkaufseinrichtungen mit dem Namen „Konsum“, als Lagerhaus. Im Laufe der kommenden Jahre verwahrlosen Grundstück und Schloss zusehends.

Im Park des Schlosses Steinhöfel.

Im Park des Schlosses Steinhöfel.©gemeinfrei

Von 2000 bis 2002 erfolgen aufwändige Sanierungsarbeiten an deren Abschluss die Eröffnung als „Schloßhotel Steinhöfel“ steht. Das 40ha große Areal ist zu etwa 90 Prozent noch im Originalzustand.

Adresse: 15518 / Steinhöfel, Schloßweg 04
E14°9.7509′ / N52°23.77133′
Quellen: Wikipedia, eigene

 

 

Hochbunker Königs Wusterhausen

15 Feb

 

Hochbunker Königs Wusterhausen

Hochbunker Königs Wusterhausen

In Zeesen, dem südlichen Stadtteil von Königs Wusterhausen befindet sich der ehemalige Hoch- und Schutzbunker für den Reichspostminister des dritten Reichs und ein benachbartes Trainingslager der Reichspost.  ( Führungsstelle am Berliner Fernkabelring ) Aufgrund kritischer Bodenverhältnisse konnte auf dem Gelände nicht im Erdreich verbaut werden. Das dreistöckige Gebäude mit seinen mehr als ein Meter dicken Wänden war mit den Postfernkabeln direkt verbunden, besaß eine Notstromeinrichtung sowie nötige Nachrichtentechnik. Offenbar ist die direkte Lage an der Kabeltrasse und die Nähe zu Berlin ein Grund dafür, dass dieser Bunker des  Führungsstabs der Post nicht näher an Wünsdorf lag, wo weitere große Nachrichtenbunker stehen. ( Später sowjetisches Sperrgebiet für Fernmeldewesen )

Siehe aus : Hakeburg Klein Machnow, High Tech Schmiede

Hochbunker Königswusterhausen

Hochbunker Königswusterhausen

Zu DDR Zeiten diente das Gebäude dem Zivilschutz. Die heute noch zu sehende Tarnbemalung im sowjetischen Stil wurde in den siebziger Jahren aufgetragen. Eine Netzersatzanlage (38 KVA) und eine Schleuse wurde ebenfalls hinzugefügt.
Heute ist der Bunker in einem erbärmlichen Zustand und Ziel von Hobby Historikern und Geocachern.

Hochbunker Königswusterhausen

Hochbunker Königswusterhausen

 

Quelle: Eigene, Rundgang mit Anwohnern

Weltrundfunk Sender Königswusterhausen

9 Feb

Von hier aus gehen die Wellen um die Erde!
Die riesige Mast- und Antennenanlage des Weltrundfunk-Senders Königswusterhausen, welcher auf der ganzen Erde gehört werden kann. ( Originalunterschrift des Fotos aus dem Bundesarchiv ) © CC BY-SA 3.0 de

Der „Funkerberg“ in Königswusterhausen, sicherlich eines der imposantesten Bauwerke des frühen 20. Jahrhunderts, hat eine äußerst wechselhafte Geschichte hinter sich. Wie bei den meisten technischen Innovationen steht auch hier die militärische Nutzung zunächst im Vordergrund.
1908 beginnen erste Versuche die neue Funktechnik zu nutzen. Mitten im Krieg geht der Sender Königswusterhausen auf Sendung, um Berlin mit den entfernten Fronten zu verbinden.
1919, der erste Weltkrieg ist verloren, geht die Anlage in den Besitz der Reichspost über. Königswusterhausen wird Hauptfunkstelle des Telegrammfunkverkehrs innerhalb Europas.

Fundament, Sendemast Funkerberg Königswusterhausen

Fundament, Sendemast Funkerberg Königswusterhausen

1925 wird der 243m hohe Mittelturm errichtet, der die Flächenantennen von sechs 210m hohen Sendemasten aufnimmt. Damit ist er weltweit das einzige Bauwerk dieser Art.
Fortan nennen die Einwohner der Stadt den Masten liebevoll den „Dicken“. Ab 1935 ziert der Turm sogar das Wappen der Stadt. Innerhalb der frühen zwanziger Jahre kommen weitere Sendedienste der Wirtschaft, des Luftverkehrs und der Küstenfunkstellen hinzu. Versuche der so genannten Drahtlostelephonie, also das Übertragen von Sprache, führten zur Übertragung des Weihnachtskonzertes am 22.12.1920.

1926 entsteht bereits das Sendehaus 3, indem mit neuster Röhrentechnik gearbeitet wird. Am 7. Januar 1926 beginnt hier die Deutsche Welle zu senden.

Sendehaus Funkerberg Königswusterhausen

Sendehaus Funkerberg Königswusterhausen

Sendehaus Funkerberg Königswusterhausen

Sendehaus Funkerberg Königswusterhausen

Nach dem verloreneren 2. Weltkrieg werden einige Anlagen demontiert. Ab 1949 strahlt von hieraus der sowjetische Militärsender „Wolga“ bis 1985 aus.
Am 13. November 1972 erreicht das Orkantief „Quimburga“ Deutschland. Der Kerndruck beträgt nur 975 Millibar. In Norddeutschland werden 167km/h, auf dem Brocken bereits 245km/h gemeldet. Ganze Waldgebiete knicken in der Folge um wie Streichhölzer. Auch der „Dicke“ in Königswusterhausen kann diesem Winddruck nicht standhalten und stürzt ein.
Nach 1990 und der deutschen Wiedervereinigung wird der Sendebetrieb mehr und mehr ausgelagert. Ab Ende der neuziger Jahre wird nur noch ein 1994 errichteter 67m hoher Sendeturm für Mobilfunk genutzt.
Heute befindet sich dort das Sendermuseum Königs Wusterhausen.

Sender Königswusterhausen

Sender Königswusterhausen, Relikte des Sendebetriebes

 

( Quellen: Wikipedia, Infotafel, Sendepersonal )

 

 

Bahnhof Lienewitz zwischen Ferch und Neuseddin

31 Jan

Bahnhof Ferch Lienewitz ©eigene

Der kleine Landbahnhof Lienewitz liegt an der eingleisigen Strecke Potsdam – Beelitz und  ist Teil des Schienennetzes der Deutschen Bahn (1994). Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) befährt die Strecke seit 2011.
1894 eröffnete die Preußische Staatseisenbahn die Trasse, es folgte die Reichsbahn 1920 in unterschiedlichen Gesellschaftsformen.
Der malerische Streckenabschnitt ab Potsdam kreuzt bei Caputh das Caputher Gemünde, zieht sich durch die Wälder östlich des Schwielowsees, über Lienewitz zum Eisenbahnkreuz Neuseddin.
Er führt durch das Landschaftsschutzgebiet Potsdamer Wald- und Havelseengebiet.

Strecke Lienewitz Beelitz

Strecke Lienewitz Beelitz ©gemeinfrei von pixabay

1945 tobten in dieser Gegend verheerende Waldkämpfe zwischen den Truppen der UdSSR und der verteidigenden Deutschen Wehrmacht.
Siehe 12. Armee Wenck.
Vom Bahnhof Lienewitz führt ein hügeliger, etwa 4 Kilometer langer Rad- und Wanderweg über den 125m hohen Wietkiekenberg zum Hafen Ferch, einem kleinen Bootsanleger mit Gastronomie.
In der Vergangenheit haben hier Feuerspäher auf den Feuertürmen im Wald nach Waldbränden Ausschau gehalten.  Heute überwachen Kameras des Systems  „FireWatch“ die Gegend. Ein 22m hoher Aussichtsturm wurde hier am 10. April 2015 eröffnet.

Einige Kilometer östlich des Bahnhofs Lienewitz gelangt der Besucher ins gleichnamige Dorf. 2 malerische Seen laden hier zum Spazierengehen ein, entlang eines heute verlassenen DDR Bades führt der Pfad bis zur „Flottstelle“ am Schwielowsee.

Fahrplanauskunft

Quellen: Eigene, Fahrpläne der Deutschen Bahn, Anwohner.

 

 

Interhotel Warnow Rostock zu DDR Zeiten. Wo ist es hin?

29 Jan
Rostock, Haus der Schiffahrt, Hotel "Warnow", Kröpeliner Tor

Zentralbild Link 6.6.1966 Ostseestadt Rostock  © CC BY-SA 3.0 de

Interhotel Warnow, Rostock, Ostseenähe. Eines der renommiertesten Hotels der Stadt zu DDR Zeiten mit immerhin 340 Zimmern.. Nicht zu verwechseln mit dem, heute an anderer Stelle neu gebautem, Hotel Warnow.
Geplant war der in Plattenbautechnik gefertigte Bau als Arbeiterwohnheim. 1967 wurde er als Hotel umstrukturiert und als Interhotel eröffnet. 1988 saniert, war das Gebäude nach der Wiedervereinigung innerhalb der Radisson SAS Hotelkette wenig konkurrenzfähig und wurde 2001 abgerissen. Es entstand der heutige, schicke Neubau des Radisson SAS Rostock.

Das Haus der Schifffahrt:
In der Beschreibung zum obigen Bild des Bundesarchivs ( © siehe Bild ) ist folgendes zu lesen:
Die im Mittelalter eine führende Rolle spielende Hansestadt Rostock wurde im II. Weltkrieg durch Luftangriffe zu 40% zerstört. Nach 1945 vollzog sich eine starke wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Bezirk Rostock. Die Ostseestadt erhielt einen Überseehafen, auf dem 1965 sechs Millionen Tonnen umgeschlagen wurden. Die Schauerleute haben erstmalig sechsmal mehr Güter transportiert als 1935 in den vier kleinen Ostseehäfen des heutigen DDR-Territoriums zusammen. Der größte Umschlaghafen der DDR wird gleichzeitig Transithafen von der CSSR, Ungarn, Bulgarien und Österreich benutzt. Rostock ist zugleich Standort der Schiffbauindustrie, der Hochsee- und Fischereiflotte und der Fischverarbeitung. Alljährlich wird die Ostseestadt Rostock von tausenden in- und ausländischen Gästen besucht, die sich an Ort und Stelle vom schnellen Aufbau der Hafenstadt überzeugen können. UBz: das Haus der Schiffahrt im Zentrum mit dem modernen Hotelkomplex „Warnow“ rechts. Im Hintergrund rechts das Kröpeliner Tor.

 

Heeressportschule Wünsdorf und Stationierung der Roten Armee in Wjunsdorf (Вюнсдорф)

29 Jan
Heeressportschule Wünsdorf

Heeressportschule Wünsdorf ©eigene

Mitten im ersten Weltkrieg werden in Wünsdorf die ersten Gebäude der späteren Heeressportschule errichtet. 1924 ist es dann soweit. An der Hauptallee wird der Betrieb aufgenommen. Bis 1928 trainieren hier offenbar auch Spitzensportler der Olympiamannschaft 1928. ( Wikipedia ) Für die Olympischen Sommerspiele 1936 werden in Wünsdorf die Anstrengungen zur Sportausbildung noch einmal deutlich verstärkt.
Siehe auch : Alfred Schwarzmann, Turn-Olympiasieger

Die heute unter Denkmalschutz stehende, schlossparkartige Architektur der Anlage ist beispielhaft für die Architektur des späten Kaiserreichs in Brandenburg.

Insgesamt gibt es 5 große Gebäude. Das dreigeschossige Hauptgebäude mit angeschlossenem Diorama, dem ehemalige Kino, einem Schwimmbad, dem Konzerthaus und den nötigen Nebengebäude zur Versorgung. ( insgesamt mehr als 10.000 qm )

Die Rote Armee nutzt von 1945 bis 1994 einige Teile der Anlage, sowie die weiträumige Umgebung. Siehe Bunkerstadt Wünsdorf.

Bunkerstadt Wünsdorf

Bunkerstadt Wünsdorf © eigene

Wünsdorf 1945. Am 15. März 1945 erfolgt der letzte verheerende Luftangriff auf die militärisch wichtige Bunkerstadt, bei dem es zu über 100 Toten kommt. 5 Tage später rückt die Rote Armee ein.  Marschall Schukow ( Seelower Höhen, verheerende Verluste der Sowjetarmee ) wählt die Anlagen in Wünsdorf zu seinem Hauptquartier.

( Oberkommandos der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD)

Rotarmisten_vor_einem_Gehege

Rotarmisten_vor_einem_Gehege   © CC BY-SA 3.0 de

Im März 1953  werden die Wohnlagen von der Bevölkerung weitgehend geräumt, der Bahnhof militärisch genutzt und die wichtige Bundesstrasse B96 gesperrt.

30.000 sowjetische Soldaten ziehen statt dessen ein. ( Später bis 75.000 )
In den kommenden Jahren um 1970 wird Wünsdorf (Вюнсдорф) unter anderem Zentrum  für die Luftsicherheit der sowjetischen Besatzungszone, was durch die 16. Sowjetischen Luftarmee (16. LA) gewährleistet werden sollte. Für zivile Bürger der DDR ist das Gebiet Sperrgebiet. Sowjetische Einrichtungen, wie Schulen, Geschäfte, Sportstätten oder Krankenhäuser, sind für DDR-Bürger tabu. Auch heute fallen die unendlich vielen unschönen Betonabsperrungen aus dieser Zeit sofort ins Auge. Nach 1994, dem Abmarsch der Roten Armee aus Wünsdorf, wird aufgeräumt. Zurück bleiben bis heute :

260 Hektar munitionsversäuchte Flächen,
etwa 150.000 Schuss Munition jeglicher Art,
30 Tonnen Schrott aus  Bomben und Ähnlichem,
und fast 50.000 Kubikmeter Abfälle, zum Teil Astbest, Sondermüll und Gift.

Nudersdorf, Sachsen Anhalt, Quarzsand, Badekurort und Kämpfe 1945

22 Jan
Schloss in Nudersdorf

Schloss in Nudersdorf

Nudersdorf ist ein einige Kilometer nordwestlich liegender heutiger Ortsteil der Lutherstadt Wittenberg, einst Badeort mit Kurbetrieb ist er heute ein aufgeräumter Ort in Sachsen Anhalt.
Aus der nicht besiedelten Sumpfgegend Brückes Busch entstand so um 1530 ein Rittergut mit Forstbetrieb und Mühle, etwa 30 Jahre später kommt das erste Schlossgebäude hinzu. (Etwa an der heutigen Lindenstrasse, wo auch erste Reihenhäuser erbaut werden.) Ein typisch lehenpflichtiges Arbeitsverhältnis zwischen Rittergut und Gesinde entsteht.
1703 entsteht das neue Schloss, größer und moderner. 1852 hat Nudersdorf bereits 31 Häuser und 275 Einwohner. ( Quelle: Flächennutzungsplan )

Und Nudersdorf hatte noch einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil. Es liegt direkt an der damaligen Handelstrasse der Börsenstadt Leipzig in Richtung Hamburg. Kost und Logis Betriebe, Schmieden und andere wichtige Dienstleister, die den reibungslosen Verkehr auf der Hauptstraße begleiten, siedeln sich an. Handel entsteht. Tuch aus Wittenberg, landwirtschaftliche Güter der Region, oder Quertransporte nach Straach.

Im 19. Jahrhundert baut man die heimische Industrie auf. Reichhaltige Rohstoffvorkommen, wie Ton oder Lehm werden in Ziegel- oder Kachelbrennereien zur Exportware. Die nötige Energie kommt schon bald aus der in der Umgebung gefundenen Kohle.

Um 1850 wird Nudersdorf Bade- und Kurort. Die schwefelhaltigen Quellen speisen ein Bad im Schlossgarten. Ein Badearzt berät die Touristen von nah und fern. Quellwasser wird sogar in Flaschen abgefüllt und bis nach Berlin exportiert.

Nudersdorf, stillgelegte Bahnlinie

Nudersdorf, stillgelegte Bahnlinie

Doch schon wenigen Jahre später ist hier Feierabend. Die Luftbelastung durch die Ausbeutung der Kohle wird zu groß.
1911 wird die Eisenbahnlinie Wittenberg Straach in Betrieb genommen, die ab 1915 das Stickstoffwerk Reinsdorf versorgt. Hier wird in der Folge Salpeter für die Munitionsproduktion hergestellt.
1924 kommt die Förderung des begehrten Quarzsands hinzu, der auch heute noch Nudersdorf prägt. (Glas) Die Quarzsandwerke sind bis heute der größte Arbeitgeber in Nudersdorf.

Durch die benötigten Arbeitskräfte erfolgt ein Bauboom im Gebiet Ring 1 und 2. Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden. 1938 wohnen hier bereits 1300 Menschen.

Am 24.April 1945, der 2. Weltkrieg geht zu Ende, nähern sich die Kämpfe dem Raum Nudersdorf, Straach. Die rote Armee kämpft sich den Weg entlang der Reichsstraße B2 frei. In Straach verteidigt die Sturmgeschützbrigade 1170 sowie Einheiten der 1. Division Scharnhorst. Ein Tag später müssen Nudersdorf, Schmilkendorf und Braunsdorf aufgeben werden. Die Bevölkerung flüchtet aufs Land.

Zu DDR Zeiten wird die Landwirtschaft belebt, die zuvor in der Region eher unwichtig war. Das Erscheinungsbild des Ortes hat sich in jener Zeit wenig verändert. Nach 1990 und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hat sich Nudersdorf zu einer ansehnlichen Gemeinde herausgeputzt, deren Einwohner heute vornehmlich in Wittenberg arbeiten, aber auch bis in den Berliner Raum pendeln.

Geocacher finden hier im Bereich der alten Industrieanlagen ihre Verstecke.

Quelle: Flächennutzungsplan, Anwohner.

Berlin Schmöckwitz Idylle am Zeuthener See

17 Jan
Berlin Schmökwitz

Dorfkirche Berlin Schmöckwitz © eigene

Nördlich des Zeuthener Sees und fast gänzlich umflossen von der Dahme liegt der heutige Berliner Stadtteil Schmöckwitz. Ursprünglich ein Fischerdorf  auf einer Insel mit slawischen Wurzeln, wird Schmöckwitz im dreißigjährigen Krieg durch einen Brand zerstört.
Um 1800 wird eine Landverbindung hergestellt sowie die heutige Dorfkirche errichtet. Mitte des 19.Jahrhunderts beginnt eine leichte Industrialisierung in Form einer  Wattefabrik. Um 1900 gründet ein berliner Bankier eine Villenkolonie, im Jahr 1912 wird die Uferbahn eingeweiht. Hier betreibt die BVG heute sicherlich eine der landschaftlich interessantesten Linien im Raum Berlin. Sie führt vom Bahnhof Köpenick über Grünau bis nach Schmöckwitz.( „Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn“, heute Straßenbahn 68 )

Straßenbahn 68 Schmökwitz

Straßenbahn 68 Schmöckwitz © gemeinfrei

1920 wird Schmöckwitz in den Berliner Bezirk Köpenick eingemeindet.
1942 beginnt am Adlergestell der Bau des Berliner Reifenwerks. Zunächst wird hier nur runderneuert, nach der Zerstörung und Wiederaufbau nach 1945 kommt die Produktion von Neureifen hinzu.1953 wird die Fabrik enteignet und ein volkseigener Betrieb der DDR. (  Teil des VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung) Bis zur Wiedervereinigung war der VEB Berliner Reifenwerk für die gesamte Runderneuerung von PKW-Reifen in der DDR zuständig. Nach 1990, bis zur Insolvens, arbeitet man unter dem Namen Berliner Reifenwerk GmbH weiter.
Direkt an der Schmöckwitzer Brücke gab es bereits vor 600 Jahren angeblich eine Schenke. Um 1870 entstand an gleicher Stelle der „Gasthof zur Palme“. Heute erinnert nur noch eine verwaiste Treppe an das Lokal.

Am Morgen des 24.4.1945, die Rote Sowjetarmee steht kurz vor Berlin, sprengt ein Kommando der Waffen SS, buchstäblich in letzter Minute, die „Neue Brücke“ über die Dahme. Nachmittags setzen die Sowjets per Pontonbrücke über, während die Wehrmacht in Richtung Niederlehme evakuiert. Einige Anwohner erschießen sich, Volkssturmmänner kommen zu Tode. Eiligst wird im Schmöckwitzer Forst, „Im Jagen 40“, kurz vor dem Adlergestell, der längsten Straße Berlins, der Notfriedhof Karolinenhof angelegt, auf dem in der Folge 107 zivile Kriegsopfer beerdigt werden. ( Gegenüber der heutigen Tankstelle )

Ein Abtransport der Toten zum Friedhof Grünau ist durch zerstörte Oberleitungen der Strassenbahn 68 nicht mehr möglich.
Zu DDR Zeiten wird der Friedhof stillgelegt und heute erinnert fast nichts mehr an ihn. Eine 1947 errichtete Notbrücke wird erst 1960/63 durch die heutige Stahlkonstruktion ersetzt.
Heute ist Schmöckwitz mit seinen Häfen und Badestellen ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner und Freizeitskipper.
„Rauchfangswerder“, die Südspitze Berlins, Wasserport Idyll der Berliner, Waldgebiet und Geocacher Paradies, liegt etwa 3 Kilometer östlich von Schmöckwitz.

1743 beginnt die spärliche Besiedlung Rauchfangswerders durch Landkauf. Die Büdner Barnack, Mielitz und Guthke gründen Ländereien auf der Halbinsel und im Laufe der kommenden Jahrzehnten expandiert die Land- Forst- und Fischwirtschaft deutlich.
( Bündnerei = ländliches Anwesen )
Um 1870 kommt es zu Parzellierung und Verkauf von Grundstücken an Siedler.
Ab etwa 1935 zieht es massiv Künstler in die einzigartige Landschaft zwischen Wasser und Wäldern. Schauspieler wie Walter Plathe oder Heinz Behrens engagieren sich für das  Gemeinwesen Rauchfangswerders.
Die Gegend bietet sich für ausgedehnte Wanderungen oder Fahrradtouren um die Halbinsel, mit seinen unzähligen Badestellen, geradezu an.
Anreise über „Schmöckwitzer Damm“ Buslinie 168.
Südlichste Gaststätte Berlins : Gaststätte Kajüte

Nördlich von Schmöckwitz schlängelt sich die Dahme in Richtung Langer See und Seddinsee. Von Schmöckwitz überquert eine von der BVG betriebene Fähre in der Sommersaison, außer Montags, die Dahme in Richtung Krampenburg. Gleichzeitig ist der Wasserweg die einzige Möglichkeit per PKW den Campingplatz „Große Krampe“ zu erreichen. Entsprechende Waldwege sind im Sommer gesperrt. Die Fahrzeit beträgt eine viertel Stunde und ist ebenfalls ein heißer Tipp für eine günstige Seenfahrt. Die Fahrscheine der öffentlichen Nahverkehrs gelten auch auf der Fähre.

Winterlandschaft Schmökwitz

Winterlandschaft Schmöckwitz ©gemeinfrei

Quellen :  Anwohner und Bezirksamt Treptow-Köpenick