Irissee Terrassen Wilhelmshorst. Werk des Architekten Albert Gessner

21 Feb
Irissee Terrassen Wilhelmshorst, Brandenburg

Irissee Terrassen Wilhelmshorst, Brandenburg

Der Irissee in Wilhelmshorst, südlich von Potsdam, ist Teil einer Schmelzwasserrinne von Michendorf bis Bergholz, früher weiter bis Berlin. Anfangspunkt ist der Lienewitzsee nahe Ferch am Schwielowsee.
Professor Albert Gessner ( 1868 – 1953 ), Berliner Architekt, plante 1911 die Landhauskolonie im Irisgrund, Wilhelmshorst. Verkehrsgünstig an der Bahnlinie Berlin-Leipzig gelegen, war eine der Hauptambitionen der Anlage eine naturverbundene, offene Lebensform mit großen Gärten umzusetzen. Mittelpunkt der Anlage waren die Irissee Terrassen, ein Treffpunkt der Bürger mit Blick auf den Irissee. Das Bild oben zeigt den Ort der Terrassen , von denen heute nichts mehr zu erahnen ist. Lediglich die Eingangslaternen sind erhalten.
Fast – Fertigstellung war etwa 1914.

Infotafel Irissee im Irisgrund Wilhelmshorst

Infotafel Irissee im Irisgrund Wilhelmshorst

Seit Beginn des 2. Weltkriegs verlandete der See und das Wohngebiet verfiel zusehends.
Zu Zeiten der DDR wohnten hier nur noch wenige Menschen.
Anwohner : „Da ist es total verloddert. Es hat sich niemand drum gekümmert. War total verwildert“.
Im Oktober 1991 plante man eine Sanierung und es gab sogar Mittel in Höhe von 1,65 Millionen Mark. Am 13.6.1992 wurde der erste sanierte Bauabschnitt feierlich mit Anwesenheit vom damaligen Umweltminister und späterem Ministerpräsidenten, Mathias Platzek, übergeben, trotz Fund einer Fliegergranate und deren Räumung lief es bis dahin gut.
Im Oktober 1995 war dann ein Oktoberfest mit feierlicher Übergabe. 1997 sank der Wasserspiegel, weil das Grundwasser sich in Wilhelmshorst um 2 Meter absenkte und nicht genug Oberflächenwasser nachfloss. Auch heute ist der Wasserstand des Sees deutlich zu gering.

Irissee Wilhelmshorst, Wasserstand zu gering

Irissee Wilhelmshorst, Wasserstand zu gering

Schloss Steinhöfel, Brandenburg

18 Feb
Schloss Steinhöfel

Schloss Steinhöfel Foto v Peter Dargatz

Schloss Steinhöfel, spätklassizistisches Schloss, etwa 30 Minuten östlich von Berlin.
Zunächst wird 1730 ein Herrenhaus errichtet. 1790, Oberhofmarschall Valentin von Massow kauft das Schloss, baut es im großen Stil um und erweitert es.
Bei einem Besuch des Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Luise sind diese derart begeistert von der Anlage, dass man das Schloss Paretz an der Havel in gleichem Stil in Auftrag gibt.
1759, während des siebenjährigen Kriegs, ist  Friedrich der Große zu Gast. Man diniert unter der 370 Jahre alten Königseiche im nordwestlichen Teil der Anlage, etwa 300m vom Hauptbaus entfernt. Wenig später erfährt er am 12.August 1759, in der Schlacht von Kunersdorf, (bis 1945 Cunersdorf geschrieben und heute ein Vorort von Slubice) eine herbe Niederlage. Rund 35.000 Mann sterben.

Schlacht von Cunersdorf

Schlacht von Cunersdorf 1759 © gemeinfrei

1930 wird der Landwirt Rudolf Peine neuer Besitzer. Am 19.April 1945 wird die Gemeinde vor den nahenden Truppen der Roten Armee geräumt. Frankfurt/Oder ist bereits besetzt und die Front an den Seelower Höhen überrannt.
Im Zuge der Bodenreform von 1945 wird das Schloss von der Kumune Steinhöfel enteignet. Die  russische Kommandantur hat das Sagen. Es dient fortan der Konsumgenossenschaft, dem Betreiber der Verkaufseinrichtungen mit dem Namen „Konsum“, als Lagerhaus. Im Laufe der kommenden Jahre verwahrlosen Grundstück und Schloss zusehends.

Im Park des Schlosses Steinhöfel.

Im Park des Schlosses Steinhöfel.©gemeinfrei

Von 2000 bis 2002 erfolgen aufwändige Sanierungsarbeiten an deren Abschluss die Eröffnung als „Schloßhotel Steinhöfel“ steht. Das 40ha große Areal ist zu etwa 90 Prozent noch im Originalzustand.

Adresse: 15518 / Steinhöfel, Schloßweg 04
E14°9.7509′ / N52°23.77133′
Quellen: Wikipedia, eigene

 

 

Bahnhof Lienewitz zwischen Ferch und Neuseddin

31 Jan

Bahnhof Ferch Lienewitz ©eigene

Der kleine Landbahnhof Lienewitz liegt an der eingleisigen Strecke Potsdam – Beelitz und  ist Teil des Schienennetzes der Deutschen Bahn (1994). Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) befährt die Strecke seit 2011.
1894 eröffnete die Preußische Staatseisenbahn die Trasse, es folgte die Reichsbahn 1920 in unterschiedlichen Gesellschaftsformen.
Der malerische Streckenabschnitt ab Potsdam kreuzt bei Caputh das Caputher Gemünde, zieht sich durch die Wälder östlich des Schwielowsees, über Lienewitz zum Eisenbahnkreuz Neuseddin.
Er führt durch das Landschaftsschutzgebiet Potsdamer Wald- und Havelseengebiet.

Strecke Lienewitz Beelitz

Strecke Lienewitz Beelitz ©gemeinfrei von pixabay

1945 tobten in dieser Gegend verheerende Waldkämpfe zwischen den Truppen der UdSSR und der verteidigenden Deutschen Wehrmacht.
Siehe 12. Armee Wenck.
Vom Bahnhof Lienewitz führt ein hügeliger, etwa 4 Kilometer langer Rad- und Wanderweg über den 125m hohen Wietkiekenberg zum Hafen Ferch, einem kleinen Bootsanleger mit Gastronomie.
In der Vergangenheit haben hier Feuerspäher auf den Feuertürmen im Wald nach Waldbränden Ausschau gehalten.  Heute überwachen Kameras des Systems  „FireWatch“ die Gegend. Ein 22m hoher Aussichtsturm wurde hier am 10. April 2015 eröffnet.

Einige Kilometer östlich des Bahnhofs Lienewitz gelangt der Besucher ins gleichnamige Dorf. 2 malerische Seen laden hier zum Spazierengehen ein, entlang eines heute verlassenen DDR Bades führt der Pfad bis zur „Flottstelle“ am Schwielowsee.

Fahrplanauskunft

Quellen: Eigene, Fahrpläne der Deutschen Bahn, Anwohner.

 

 

Interhotel Warnow Rostock zu DDR Zeiten. Wo ist es hin?

29 Jan
Rostock, Haus der Schiffahrt, Hotel "Warnow", Kröpeliner Tor

Zentralbild Link 6.6.1966 Ostseestadt Rostock  © CC BY-SA 3.0 de

Interhotel Warnow, Rostock, Ostseenähe. Eines der renommiertesten Hotels der Stadt zu DDR Zeiten mit immerhin 340 Zimmern.. Nicht zu verwechseln mit dem, heute an anderer Stelle neu gebautem, Hotel Warnow.
Geplant war der in Plattenbautechnik gefertigte Bau als Arbeiterwohnheim. 1967 wurde er als Hotel umstrukturiert und als Interhotel eröffnet. 1988 saniert, war das Gebäude nach der Wiedervereinigung innerhalb der Radisson SAS Hotelkette wenig konkurrenzfähig und wurde 2001 abgerissen. Es entstand der heutige, schicke Neubau des Radisson SAS Rostock.

Das Haus der Schifffahrt:
In der Beschreibung zum obigen Bild des Bundesarchivs ( © siehe Bild ) ist folgendes zu lesen:
Die im Mittelalter eine führende Rolle spielende Hansestadt Rostock wurde im II. Weltkrieg durch Luftangriffe zu 40% zerstört. Nach 1945 vollzog sich eine starke wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Bezirk Rostock. Die Ostseestadt erhielt einen Überseehafen, auf dem 1965 sechs Millionen Tonnen umgeschlagen wurden. Die Schauerleute haben erstmalig sechsmal mehr Güter transportiert als 1935 in den vier kleinen Ostseehäfen des heutigen DDR-Territoriums zusammen. Der größte Umschlaghafen der DDR wird gleichzeitig Transithafen von der CSSR, Ungarn, Bulgarien und Österreich benutzt. Rostock ist zugleich Standort der Schiffbauindustrie, der Hochsee- und Fischereiflotte und der Fischverarbeitung. Alljährlich wird die Ostseestadt Rostock von tausenden in- und ausländischen Gästen besucht, die sich an Ort und Stelle vom schnellen Aufbau der Hafenstadt überzeugen können. UBz: das Haus der Schiffahrt im Zentrum mit dem modernen Hotelkomplex „Warnow“ rechts. Im Hintergrund rechts das Kröpeliner Tor.

 

Berlin Schmöckwitz Idylle am Zeuthener See

17 Jan
Berlin Schmökwitz

Dorfkirche Berlin Schmöckwitz © eigene

Nördlich des Zeuthener Sees und fast gänzlich umflossen von der Dahme liegt der heutige Berliner Stadtteil Schmöckwitz. Ursprünglich ein Fischerdorf  auf einer Insel mit slawischen Wurzeln, wird Schmöckwitz im dreißigjährigen Krieg durch einen Brand zerstört.
Um 1800 wird eine Landverbindung hergestellt sowie die heutige Dorfkirche errichtet. Mitte des 19.Jahrhunderts beginnt eine leichte Industrialisierung in Form einer  Wattefabrik. Um 1900 gründet ein berliner Bankier eine Villenkolonie, im Jahr 1912 wird die Uferbahn eingeweiht. Hier betreibt die BVG heute sicherlich eine der landschaftlich interessantesten Linien im Raum Berlin. Sie führt vom Bahnhof Köpenick über Grünau bis nach Schmöckwitz.( „Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn“, heute Straßenbahn 68 )

Straßenbahn 68 Schmökwitz

Straßenbahn 68 Schmöckwitz © gemeinfrei

1920 wird Schmöckwitz in den Berliner Bezirk Köpenick eingemeindet.
1942 beginnt am Adlergestell der Bau des Berliner Reifenwerks. Zunächst wird hier nur runderneuert, nach der Zerstörung und Wiederaufbau nach 1945 kommt die Produktion von Neureifen hinzu.1953 wird die Fabrik enteignet und ein volkseigener Betrieb der DDR. (  Teil des VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung) Bis zur Wiedervereinigung war der VEB Berliner Reifenwerk für die gesamte Runderneuerung von PKW-Reifen in der DDR zuständig. Nach 1990, bis zur Insolvens, arbeitet man unter dem Namen Berliner Reifenwerk GmbH weiter.
Direkt an der Schmöckwitzer Brücke gab es bereits vor 600 Jahren angeblich eine Schenke. Um 1870 entstand an gleicher Stelle der „Gasthof zur Palme“. Heute erinnert nur noch eine verwaiste Treppe an das Lokal.

Am Morgen des 24.4.1945, die Rote Sowjetarmee steht kurz vor Berlin, sprengt ein Kommando der Waffen SS, buchstäblich in letzter Minute, die „Neue Brücke“ über die Dahme. Nachmittags setzen die Sowjets per Pontonbrücke über, während die Wehrmacht in Richtung Niederlehme evakuiert. Einige Anwohner erschießen sich, Volkssturmmänner kommen zu Tode. Eiligst wird im Schmöckwitzer Forst, „Im Jagen 40“, kurz vor dem Adlergestell, der längsten Straße Berlins, der Notfriedhof Karolinenhof angelegt, auf dem in der Folge 107 zivile Kriegsopfer beerdigt werden. ( Gegenüber der heutigen Tankstelle )

Ein Abtransport der Toten zum Friedhof Grünau ist durch zerstörte Oberleitungen der Strassenbahn 68 nicht mehr möglich.
Zu DDR Zeiten wird der Friedhof stillgelegt und heute erinnert fast nichts mehr an ihn. Eine 1947 errichtete Notbrücke wird erst 1960/63 durch die heutige Stahlkonstruktion ersetzt.
Heute ist Schmöckwitz mit seinen Häfen und Badestellen ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner und Freizeitskipper.
„Rauchfangswerder“, die Südspitze Berlins, Wasserport Idyll der Berliner, Waldgebiet und Geocacher Paradies, liegt etwa 3 Kilometer östlich von Schmöckwitz.

1743 beginnt die spärliche Besiedlung Rauchfangswerders durch Landkauf. Die Büdner Barnack, Mielitz und Guthke gründen Ländereien auf der Halbinsel und im Laufe der kommenden Jahrzehnten expandiert die Land- Forst- und Fischwirtschaft deutlich.
( Bündnerei = ländliches Anwesen )
Um 1870 kommt es zu Parzellierung und Verkauf von Grundstücken an Siedler.
Ab etwa 1935 zieht es massiv Künstler in die einzigartige Landschaft zwischen Wasser und Wäldern. Schauspieler wie Walter Plathe oder Heinz Behrens engagieren sich für das  Gemeinwesen Rauchfangswerders.
Die Gegend bietet sich für ausgedehnte Wanderungen oder Fahrradtouren um die Halbinsel, mit seinen unzähligen Badestellen, geradezu an.
Anreise über „Schmöckwitzer Damm“ Buslinie 168.
Südlichste Gaststätte Berlins : Gaststätte Kajüte

Nördlich von Schmöckwitz schlängelt sich die Dahme in Richtung Langer See und Seddinsee. Von Schmöckwitz überquert eine von der BVG betriebene Fähre in der Sommersaison, außer Montags, die Dahme in Richtung Krampenburg. Gleichzeitig ist der Wasserweg die einzige Möglichkeit per PKW den Campingplatz „Große Krampe“ zu erreichen. Entsprechende Waldwege sind im Sommer gesperrt. Die Fahrzeit beträgt eine viertel Stunde und ist ebenfalls ein heißer Tipp für eine günstige Seenfahrt. Die Fahrscheine der öffentlichen Nahverkehrs gelten auch auf der Fähre.

Winterlandschaft Schmökwitz

Winterlandschaft Schmöckwitz ©gemeinfrei

Quellen :  Anwohner und Bezirksamt Treptow-Köpenick

 

Militärgebiet Forst Zinna , erst Wehrmacht dann Rote Armee

24 Nov
Militärlager bei Forst Zinna

Militärlager bei Forst Zinna

Deutschland 1934. Die NSDAP hatte die Reichstagswahlen ein Jahr zuvor  klar gewonnen und innerhalb des ersten Regierungsjahres wurde die Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches beschlossen. Das ohnehin schon stark militärisch dominierte Gebiet um die Stadt Jüterbog herum wurde um ein weiteres Areal erweitert. Nach dem bereits bestehenden  „Alten Lager“, sowie dem „Neuen Lager“, wurde der neue Truppenübungsplatz zunächst „Lager III“ genannt.Nach Fertigstellung erhielt das Übungsgebiet den Namen „Adolf Hitler Lager“. Die Nutzung begann 1935 zunächst durch die Waffen SS. ( Zeitzeugen ), gefolgt von u.a. der Artillerieschule.

1937 kam ein Bahnhof hinzu.
Das großflächige Gebiet wird im Osten durch die Nuthe begrenzt, im Westen durch die Bahnlinie Berlin Leipzig Halle, auf der es 1988 zu einem der schwersten Zugunglücke der DDR kam, verursacht durch einen T72 Panzer der roten Armee.
Im Süden liegt die kleine Stadt Kloster Zinna etwa 4 Kilometer entfernt.

Nach dem 2. Weltkrieg zog die Rote Armee in die Anlage. Zunächst wurde hier eine Art Sammellager für Heimatlose eingerichtet. Versprengte Personen unterschiedlicher Nationen wurden hier konzentriert und später in Ihre Heimatländer zurückgesandt.

Ab 1947 beherbergte die Anlage wechselnde Organe der DDR, sowie der sowjetischen Besatzungsmacht bis 1970 das Baubataillon der roten Armee stationiert wurde.

Ehemaliges Militärareal Forst Zinna

Ehemaliges Militärareal Forst Zinna © Max-78

Nach der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung lag das Gelände zunächst brach. 2007 wurde der Abriss beschlossen, aber bislang nur bedingt durchgeführt. Seit 2015 ist das Gelände nicht mehr direkt erreichbar, da die neue Trasse der Bundesstrasse B101 die alten Zufahrtsstrassen abgeschnitten hat. (siehe Luftbild )

Freibad Militärlager Forst Zinna

Freibad Militärlager Forst Zinna © Max-78  Lizenz CC0 ( gemeinfrei )

Wandbild Militärlager Forst Zinna

Wandbild Militärlager Forst Zinna © Max-78 Lizenz CCo ( gemeinfrei )

Weitere Links :

Versuchsstelle Gottow
Treuenbrietzen
Flämingskate

Fotos : Eigene oder © genannt

Quellen: Eigene, Wikipedia, Zeitzeugen 

 

 

Kammerode bei Ferch, Brandenburg

19 Nov
Der idyllische Ort Ferch

Der idyllische Ort Ferch/Kammerode

Erstmals wurde der Frecher Ortsteil Kammerode 1267 erwähnt. Wie auch der Ort Ferch selbst wurde Kammerode 1452 vom Kloster Lehnin als lehnspflichtig erworben. Die durch die Eiszeit geprägte, hügelige Waldlandschaft am Südende des Schwielowsee zeichnet sich durch dünenartige, bewaldete Hügel aus, die um 1540 als Weidefläche für Schafe genutzt wurde, die so genannte Cammerodische Heide.

Erst gut hundertfünfzig Jahre später begann die zögerliche Besiedlung.

Kamerode Brandenburg

Bauernhaus bei Kammerode © gemeinfrei

Später wurde ein Teil dieses Gebietes als „Kemnitzer Heide“ vom Gut Kemnitz in der Nähe von Werder übernommen und um 1750 zur Forstfläche entwickelte.
Im 20. Jahrhundert, als Ferch an das Straßennetz angeschlossen wurde, sowie der Bahnhof Lienewitz den Betrieb aufnahm, kamen die ersten Touristen und Wochenendausflügler aus Berlin und Potsdam. Kammerode selbst blieb fast ausschließlich von Forstarbeitern und Bauern bewohnt.

Am 10. April 1945 wurde die 12. deutsche Armee unter Oberbefehlshaber Walther Wenck bei Beelitz neu formiert, mit Angriffsziel Berlin. Kriegsschauplatz sind die Wälder von Beelitz bis Ferch und südlich von Beelitz, die Bahnlinie bei Elsholz.

Siehe zuvor : Schlachtfeld bei Ferch im 2. Weltkrieges.

Nach der Evakuierung der 9. Armee aus dem Kessel von Halbe war die Uferstrasse in diesem Gebiet Hauptrückzugstrasse in Richtung Tangermünde.

Siehe zuvor :  Evakuierung der 9. Armee aus Halbe

Etwas östlich der Ortschaft wurden Stellungen ausgebaut um den Rückzug vor den nachdrückenden sowjetischen Truppen zu sicher. Am heutigen Radwanderweg R1, von Calais in Südfrankreich bis nach  St. Petersburg verlaufend, sind heute noch die Gräben und Verschanzungen der Infanterie zu erkennen.

Stellungen Kamerode 1945

Stellungen Kammerode 1945

Im Westen der kleinen Ortschaft erstrecken sich idyllische Obstplantagen, die Vorboten der riesigen Anbaugebiete um Werder. In wenigen Minuten ist der Schwielowsee erreicht und die Anleger von Ferch und dem „Haus am See“, wo sich einst der Berliner Flugzeugingenieur Alfred Mehlhemmer, ein Widerstandskämpfer im 3.Reich, eingemietet hatte. In einem spektakulären Mordfall wurde selbiger später in Petzow ermordet.

Siehe : Der Fall Mehlhammer

Auch japanisches gibt es in der Umgebung. Der Bonsai Garten von Ferch liegt nur wenige Autominuten vom Kammerode:  Bonsai Haus Ferch

Der Hafen Ferch bietet kleine Motorboote zu günstigen Preisen sowie einen praktischen Imbiss. Haltestelle „Ferch, Strandbad“

Auch Geocacher kommen hier auf ihre Kosten, beginnen doch in der Umgebung gleich zwei schwierige „trails“.

Beide Ortsteile sind mit dem BUS 607 aus Werder und Potsdam gut zu erreichen.

Ferch in Brandenburg

Ferch in Brandenburg © gemeinfrei

Quelle : Eigene / Bürger

Radwanderweg Lehnsdorf nach Setzsteig Fläming

22 Aug
Lehnsdorf nach Setzsteig

Lehnsdorf nach Setzsteig

Diese kleine Brandenburger Radtour führt von Lehnsdorf an der L831 durch idyllische Wälder ins geheimnisvolle Setzsteig in Sachsen Anhalt.
Die Strecke hat leichte Steigungen und ist sehr gut ausgebaut.
Lehnsdorff erreicht man schnell über die  BAB Abfahrt Klein Marzehns. Das gut 800 Jahre alte Dorf mit seinen knapp 100 Einwohnern, der alten Feldstein Kirche und seinen für Brandenburg typischen Höfen, verlässt man im Ortskern nach links in die Fahrradstrasse.

An Obstbäumen vorbei geht es in Richtung Südwesten. Zunächst geht es stetig bergab, ein Teilstück was später wieder vor einem liegen wird. Auf halbem Wege und an der Grenze zu Sachsen Anhalt ist die Bundesstrasse 107 zu überqueren. Nach guten 7 Kilometern erreicht der Radler das Dorf Setzsteig.
Zunächst stellte Setzsteig nur ein Waldgebiet dar. Erst als der Adelige Friedrich Brandt von Lindau ( aus Wiesenburg stammend ) Ende des 17. Jahrhunderts in diesem Waldgebiet baute, wurde die Besiedlung voran getrieben. Eine Kirche sowie ein Rittergut entstand. Nach dem siebenjährigen Krieg ( 1756 – 1763 ) verfiel die Anlage und geriet in Vergessenheit.
Erst 1930 bis 1940 nutzte die Verwaltung des 3. Reiches das Anwesen als Schullandheim.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gebäude abgerissen.
Heute gleicht das Dorf einer Waldsiedlung mit malerischer Idylle.

Backofen Setzsteig

Backofen Setzsteig

 

Siehe: Armee Wenck, Wiesenburg, Ferch, Beelitz. Endkampf auf Berlin

Tipp 1 : Auf Geocacher wartet am Anfang der Radstrecke ein kleiner trail.

Strecke : 14 KM
Schwierigkeit ( 1-10 )  :  2
Verkehr : nein, kreuzt einmal eine Bundesstrasse.

Quelle und Foto : ©eigene

 

R1 Radwanderweg bei Beelitz

21 Aug
R1 Radwanderweg bei Beelitz

R1 Radwanderweg bei Beelitz

Der Radwanderweg R1, von Calais in Südfrankreich bis nach  St. Petersburg verlaufend, führt auch ein großes Stück durch Brandenburg. Er folgt dem Elbtal Richtung Belzig, Beelitz, Potsdam, Berlin bis zur Märkischen Schweiz und durch den Oderbruch weiter nach Polen.

Die Strecke Beelitz – Kammerode  ist leicht hügelig aber durchaus gut zu fahren.  Vorbei an Heidelandschaften und abwechslungsreichen Wäldern führt die Trasse in die Nähe des Schwielowsee und quert geschichtsträchtige Schlachtfelder des 2. Weltkrieges.

Die Gegend ist nur dünn besiedelt und recht verkehrsarm.

Tipp 1 : Bootstouren auf dem Schwielowsee ab Hafen Ferch.
Tipp 2 : Beelitz Heilstätten
Tipp 3 : Auf Geocacher wartet am Hafen Ferch ein T5 trail per Boot.

Strecke : 16 KM
Schwierigkeit ( 1-10 )  :  2
Verkehr : nein, reine Fahrradstrasse

Quelle und Foto : ©eigene

Wilhelmshorst 27.April 1945 Flugzeugabsturz einer FW200 Condor

24 Jul

Es ist der 27.April 1945. Tage vorher war das Wetter sehr schlecht. Sturm, Schnee und starker Wind. Der Freitag ist besser. Es zeigt sich der Vollmond. Die 9.Armee ist in Halbe/Spreewald eingekesselt und der Krieg ist eigentlich verloren. Der Oberbefehlshaber  dieses sinnlosen Krieges sitzt in seinem Bunker in Berlin und versucht verzweifelt das Rad der Geschichte doch noch zu wenden. Er mobilisiert alle militärischen Reste, die ihm noch geblieben sind. Seine Offiziere flüchten aus dem eingekesselten Berlin und versuchen ihre Habe zu retten.

Focke-Wulf_Fw_200 © gemeinfrei Bundesarchiv

Focke-Wulf_Fw_200 © gemeinfrei Bundesarchiv

An diesem Tag startet eine  Focker-Wulf 200Condor der Marine mit 19 Mann Besatzung in Richtung Berlin . Sie sollen entweder die eingekesselte Wehrmacht unterstützen oder Offiziere aus der eingekesselten Stadt ausfliegen. Der Flug sollte nach Gatow gehen. Als die Maschine dort landen will, ist der Flugplatz bereits von der Roten Armee besetzt.

Der Treibstoff neigt sich dem Ende und die Maschine kreist über Berlin und Potsdam, um doch noch einen Platz zum Landen zu finden. Dabei gerät sie unter Beschuss der Flugabwehr der Roten Armee und wird über Potsdam getroffen. Der Pilot kann die Maschine nicht mehr halten. Aber kein Flugplatz in der Nähe. Der Pilot wählt den Wald südlich von Potsdam für eine Notlandung. Ob er Wilhelmshorst im Schein des Vollmondes sah und mit diesem großen Flieger nicht auf den Wohnort fallen wollte oder Wilhelmshorst nicht sah, wird nicht mehr zu klären sein.

Die Maschine gleitet an der nordwestlichen Grenze Wilhelmshorsts in den Wald und reist mit dem Flügel den Dachstuhl und den in Richtung Wald liegenden Teil der oberen Etage des am dichtesten am Wald stehenden Hauses weg und bleibt in diesem Waldstück liegen. Neun Insassen (2 Offiziere und 7 Soldaten) überleben diese Landung nicht. Der Rest der Besatzung wird zum Teil verletzt, von der Roten Armee, die gerade Wilhelmshorst besetzt hat, gefangen genommen oder kann fliehen. Leider ist auch ein Opfer in dem zerstörten Haus zu beklagen. Es ist ein 8-jähriges Mädchen aus Berlin, das im Haus zu Besuch war und im ausgebauten Dach schlief. Sie wurde verschüttet und getötet.

Am nächsten Tag, ein Samstag, werden die 9 Opfer aus der Focker-Wulf auf dem Friedhof in einem Grab, abgedeckt mit Reisig und Fallschirmseide bei strömendem Regen beigesetzt. Das Mädchen bekommt ihr eigenes Grab. Im Archiv der Kirchengemeinde sind die Namen der Getöteten verzeichnet. Auf dem Friedhof gibt es seit dem 8.Mai 1995 einen Gedenkstein. Ein damaliger junger Matrose, der diesen Absturz Überlebendte, Eginhard Schmiechen hielt zur Einweihung als Superintendent i.R. eine Andacht.

Friedhof in Wilhelmshorst

Friedhof in Wilhelmshorst

Das teilweise zerstörte Haus wird nach dem Krieg wieder aufgebaut, aber nicht im ursprünglichen Stil. Die obere Etage wird niedriger und statt dem Spitzdach bekommt das Haus nur ein flaches Dach.

Haus nach dem Wiederaufbau

Haus nach dem Wiederaufbau ca. 1962 (Ursula und Uwe Friedrich)

1959 wechselt das Haus seinen Besitzer. Neuer Besitzer ist die Familie Friedrich. Sie bewohnen erst die obere Etage. Dann, als die Mieter der unteren Etage ausziehen, wechselt die Familie nach unten und in der oberen Etage ziehen die Eltern (Georg und Marie Wendt) von Frau Friedrich ein.

1988 wechselt das Haus wieder seinen Besitzer. Bis heute ist die alte Ansicht des Hauses nicht wiederhergestellt.

So um 1971 findet der damalige Bewohner einen der Motoren der Focker-Wulf im hinteren Garten unter den Wurzeln eines Pflaumenbaums und bringt ihn zur Schrottannahmestelle. Auch später werden immer mal wieder einzelne kleine Teile der Maschine im Waldboden gefunden. Das Meiste der Maschine wurde wohl fortgeschafft. Die Ziegel des Daches liegen noch hinter dem Grundstück vom Waldboden bedeckt.

Absturzstelle heute

Absturzstelle heute

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