Kurhaus Ferch, FDGB Heim und Lazarett 1945

10 Mrz
FDGB Heim Ferch

Kurhaus /FDGB Heim Ferch ©Verlag Karl Scheffel, Caputh a.H gelaufen 1915

Ferch
Das kleine Dorf Ferch, am malerischen Südufer des Schwielowsee und Teil der Gemeinde Schwielowsee, wird 1317 erstmals erwähnt. Die ganze Gegend gehörte damals dem Kloster Lehnin und wurde 1375 an die Adelsfamilie von Rochow verkauftDie  Einwohner des Ferchs waren bis in das 19. Jahrhundert lehnpflichtig.
Im 20. Jahrhundert, nach Anschluss an das Straßennetz, sowie dem Bahnnetz, am Bahnhof Lienewitz, wurde das expandierende Dorf schnell zu einem beliebten Ziel für Touristen und Wochenendausflügler aus Berlin und Potsdam.
Bereits im 17.Jahrhundert existierte an der südlichsten Ausdehnung des Schwielowsee eine Art Kneipenbetrieb für Reisende und Besucher, dem Dorfkrug.
Nach deutlicher Expansion wechselte der Name in „Gasthof zur Erholung“ und in seiner Glanzzeit im 19.Jahrhundert in „Kurhaus“.
1936 richtete Berlin die 10.Olympischen Spiele neuer Zeitrechnung aus und die japanische Delegation wählte das Kurhaus als Unterkunft.
Ferch boomte und prominente Gäste, wie Emil Jannings, Marika Röck oder Hans Albers, waren oft gesehene Gäste.
Ende 1945, Berlin war eingeschlossen, drang die 12. Armee Wenck von der Elbe kommend bis nach Ferch vor. Der eigentliche Befehl, noch bis ins Stadtzentrum Berlin vorzurücken, wurde von General Keitel und General Wenck verworfen und statt dessen wurde in Ferch eine der größten Rettungsaktionen der 9. Armee in Halbe sowie hunderttausender Zivilisten gestartet.

Siehe: Ferch, Rettung der 9. Armee.

Siehe: Ausbruch der 9. Armee aus Halbe. Ziel Beelitz

Siehe : Radwanderweg R1 bei Ferch

Nach dem 15.April 1945, die Verwundeten Aufnahme der „Charité“ Berlin war abgeschnitten, wurde im Kurhaus Ferch das „SS-Teillazarett Ferch“ eingerichtet. Nachdem die 12. Armee Beelitz Heilstätten evakuierte und versuchte 3000 Verwundete in Richtung amerikanischer Linien zu schaffen, wurde auch in Ferch abtransportiert. Ziel: Tangermünde.

Nach dem Krieg, Ende 1945, übernahm der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund das Gebäude und nutzte es als Schulungsort.
Ab 1959 wurde das FDGB-Heim „Pierre Semard“ zur Erholung von „Werkstätigen“ umgebaut, das bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 dazu diente.
( Ein Gästeprospekt ist hier als PDF einzusehen.)

1992 ließen Investoren das intakte Haus abreißen. Ein Neubau ist heute unmöglich, da die Grundstücke an Einzelpersonen veräußert wurden.

Quellen : Eigene, Bürger, Band II der „Wahren Geschichten“ des Arbeitskreises Heimatgeschichte vom Kulturforum Schwielowsee, Wolfgang Vopersal, SS-Lazarett Berlin, BA-MA N 756

 

 

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