Müssen jetzt 191 Leichen exhummiert werden?

25 Okt

Es ist eine Geschichte wie aus einem Horror-Roman. Sie beginnt mit dem Tod einer älteren Dame, Frau A. Sie liegt im Klinikum Delmenhorst auf der Intensivstation. Es geht ihr besser, bald soll sie auf die normale Station zurück verlegt Er kommt...werden. Plötzlich erhalten die Angehörigen einen überraschenden Anruf des Arztes und kurz darauf ist Frau A. tot. Jahre später, 2008, liest die Tochter der Toten in einer Zeitung den Bericht über den Krankenpfleger Niels H. Er steht vor Gericht, weil er einen Patienten auf einer Intensivstation totgespritzt haben soll. War damals bei ihrer Mutter alles mit rechten Dingen zugegangen? Die Tochter von Frau A. entschließt sich zur Polizei zu gehen. Die nimmt die Ermittlungen auf und stellt fest, dass Niels H.im Klinikum Delmenhorst tätig war und auf der Intensivstation Dienst hatte als Frau A. starb. Das alles war 2008 und heute, nach sechs Jahren, ist klar, dass der Pfleger an Hunderten von Todesfällen beteiligt gewesen sein könnte. Er war vor Ort und hatte die Gelegenheit, außerdem war die Sterberate während seiner Arbeitszeiten auffällig höher als üblich. H. war unter seinen Kolleginnen und Kollegen als „Pechbringer“ bekannt, weil gerade ihm viele Patienten „wegstarben“. War er vielleicht sogar ein Massenmörder?. Aber wie lässt sich ein Mord an bereits vor Jahren verstorbenen und ohnehin schwer krank gewesenen Menschen nachweisen? In Absprache von Kripo und Staatsanwaltschaft wurden Frau A. und acht weitere Patienten exhumiert. Sowohl bei ihr als auch bei 5 der anderen Patienten wurde ein Herzmedikament nachgewiesen, dass H. auch dem ersten ihm zur Last gelegten Opfer spritzte. Das Mittel Gilurytmal lässt sich bei der Leichenschau oder Exhumierung aber nur nachweisen, wenn der Patient unmittelbar nach der Verabreichung stirbt. Bringt es also überhaupt etwas, wenn man alle mit H. im Zusammenhang stehenden verdächtigen Todesfälle untersucht? Wahrscheinlich nicht. Andererseits gibt es bei Verdacht auf Mord eine Ermittlungspflicht. Die Staatsanwaltschaft wird entscheiden müssen, wie das Verfahren weitergeführt wird.

Fest steht, dass es während der Dienstzeiten von Niels H. 321 Todesfälle gab. 140 von ihnen wurden eingeäschert und können nicht exhumiert werden. 191 Tote wurden begraben. Im Verlauf der Berichterstattung kam es inzwischen zu 4 weiteren Anzeigen. Eine wird noch bearbeitet, in drei Fällen erfolgte ebenfalls eine Exhummierung, die aber keinen Nachweis auf Tötung ergab. Zur Zeit überprüft eine Sonder-Kommision der Kripo außerdem das nebenberufliche Engagement von H. als Rettungssanitäter. Denn auch innerhalb des Rettungswagens könnte er Opfer gefunden haben. Es soll auch hier gehäuft zu „Krisensituationen“ gekommen sein. Es ist durchaus möglich, dass hier ein „Todesengel“, ein gefährlicher Massenmörder unterwegs war.

Mehr dazu in unserem großen Special: http://blaulicht-portal.com/category/special-massenmoerder-in-delmenhorst

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