Starke Kritik an Ermittlungsbehörden im Fall Niels H.

18 Nov

Der Prozess gegen Niels H. bringt zunehmend Erkenntnisse über mögliche, haarsträubende Ermittlungsfehler in den Verfahren rund um die Mordfälle am Klinikum Delmenhorst mit sich. Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. wurde 2006 Er kommt...und 2008 wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung zu insgesamt 7 1/2 Jahren Haft verurteilt und mit einem lebenslangem Berufsverbot belegt. Aktuell steht der verurteilte Täter wieder vor Gericht. Die Anklage lautet in 3 Fällen Mord und in 2 weiteren Fällen versuchter Mord. Mittlerweile gelten die zur Anklage gekommenen Fälle nur als die Spitze eines Eisbergs der, den ehemaligen Pfleger als einen der grausamsten Massenmörder der Nachkriegszeit entlarven könnte.

Die aktuelle Kritik an den Ermittlungsbehörden geht auch auf die voran gegangenen 2 Prozesse zurück. Die Taten sollen bereits zwischen 2003 und 2005 erfolgt sein und trotz zahlreicher Zeugenaussagen, vielfach belastender Ermittlungsergebnisse und ausreichen begründeten Verdachtsmomenten vor , während und nach den 2 Prozessen , wurde erst aktuell in dieser Woche eine 15 köpfige Sonderkommission mit der akribischen Aufarbeitung der Fälle beauftragt. Daraus ergeben sich zahlreiche Fragen, die erlaubt sein dürfen und beantwortet werden müssen.
Warum wurde der erste Prozess gegen den Täter auf einen Todesfall beschränkt, obwohl der Staatsanwaltschaft die auffällige Höhe der Todesfälle am Klinikum Delmenhorst, im Detail bekannt war ?
Warum wird der aktuelle Prozess auf höchstens 8 Todesfälle beschränkt, obwohl den Ermittlungsbehörden schon 2006 die Statistik mit auffälligen, über 200 toten Patienten im Einsatzbereich des Angeklagten, vorlag ?
Warum wurde Zeugenaussagen von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen von Niels H. aus Oldenburg und Delmenhorst nicht genug Beachtung geschenkt ?
Das sind nur einige der berechtigten Fragen die die Ermittlungsbehörden beantworten werden müssen. Der mutmaßliche Massenmörder, getarnt als engagierter Pfleger auf Intensivstationen beider Kliniken, war laut Zeugenaussagen, häufig verhaltensauffällig. Während sein Narzissmus und ein übertriebener Hang zur Selbstdarstellung noch als charakterliche Besonderheiten angesehen wurden, mehrten sich zeitgleich die verdächtigen Situationen im Arbeitsumfeld des N.H. Nicht jeder schaute dabei weg, sondern einige Kollegen meldeten verdächtige Vorfälle im Bereich nicht angeordneter Medikamentengabe, fehlender Medikamente auf den Stationen und häufig unerwartet auftretende Notsituationen, die bei vormals stabilen Patienten Maßnahmen der Reanimation erforderlich machten. Der Angeklagte war bei besagten Notfällen gerne direkt vor Ort um den Kampf um das Leben des Patienten, aktiv und vorbildlich engagiert aufzunehmen- meistens leider ohne Erfolg.
Teilweise sollen auch Vorgesetzte und führende Mitarbeiter der Klinik-Leitungen informiert worden sein, ohne allzu gravierende Folgen für den Pfleger. Im Klinikum Oldenburg wurde er auf Grund “ zu vieler Krisensituationen „, bei kompletter Lohnfortzahlung, vom Dienst freigestellt und konnte bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Klinikum Delmenhorst, sogar ein erstklassiges Arbeitszeugnis vorlegen.

Fazit

Die Frage ob sich die bisherigen Ermittlungsfehler womöglich zum Justizskandal ausweiten werden, muss erlaubt sein. Zu viele Unklarheiten und mögliche Unterlassungen der ermittelnden Behörden geben, nicht nur für die aktuellen Nebenkläger, den Anschein einer möglichen, jahrelangen Ermittlungsblockade.
Der Nachweis der Morde wird auch die die angeordnete Exhumierung von über 100 verstorbenen Patienten nicht vollständig gelingen. Die mutmaßlich als Mordwaffe eingesetzte Substanz Ajmalin ( Herzmedikament ), wird nicht in allen Fällen nachgewiesen werden können. Sollte ein Opfer nicht unmittelbar nachdem ihm das Medikament gespritzt wurde sterben, baut der Körper die Substanz wieder ab und ein späterer Nachweis ist nahezu unmöglich.

Mehr dazu in unserem großen Special: http://blaulicht-portal.com/category/special-massenmoerder-in-delmenhorst

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