Treuenbrietzen, Sebaldushof, Gefangenenlager Nichel 1943 1945

7 Sep

Wegweiser im Lagergebiet, Nichel

Während der Zeit des 3. Reiches entstanden im märkischen Sand um Treuenbrietzen, wie auch im ganzen Land eine hohe Anzahl von Rüstungsfabriken, in denen Häftlinge unterschiedlichster Herkunft zwangsweise in der Produktion eingesetzt wurden. Darunter waren das Werk Dr. Kroeber & Sohn , heute Gerätewerk Leipziger Straße, das Werk Sebaldushof (das sogenannte „Werk A“) und die Munitionsfabrik Werk Selterhof („Werk S“)
Am 21. April 1945 gelang es einem Stosstrupp der Roten Armee das an der Reichsstraße 2 ( heute Bundesstrasse 2 ) gelegene Lager zu erreichen und neben anderen Nationen und Gruppen, eigene Landsleute zu befreien. Ziel des Stosstrupps waren die Munitionsfabriken und die Bahnlinie Treuenbrietzen Beelitz.
Etwa 3000 Menschen waren im den Baracken im Wald nahe der Produktionsstätte Sebaldushof interniert, darunter 150 italienische Gefangene. Am 9. September 1943 landeten westalliierte Truppen bei Salerno.

Nach dem Zusammenbruch Italiens, hatte der einstige Verbündete Deutschland den Krieg erklärt. Daraufhin wurden auch italienische Soldaten in Deutschland zu Kriegsgefangenen.
Zwei Tage nach dem Vorstoß der sowjetischen Soldaten verschob sich durch den Angriff der Wehrmacht die Frontlinie ruckartig in Richtung Osten.
Sebaldushof und das dazugehörige Lager waren erneut in deutscher Hand.

Weiterführend:
Erschießung italienischer Kriegsgefangener in Nickel, Treuenbrietzen.
Schlacht um Berlin.

Kellergewölbe der Fabrik „WerkA“ Sebaldushof

Gedenkstein im Lagergebiet


© Fotos eigene / Quellen: Wikipedia und eigene

 

 

 

 

Atombomben Befehl aus Babelsberg . Little white house

1 Mai


Um 1870 wird das Gebiet um die heutige Karl-Marx-Strasse in Potsdam Babelsberg weitestgehend erschlossen. Am Südufer des Griebnitzsees entsteht ein großzügiges Villengebiet.
Es gibt eine wesentliche Bauvorschrift:  „Zur Straßenseite nicht zu protzig, damit das Volk nicht unruhig wird“, bestimmt Kaiser Wilhelm persönlich.
Durch den Bahnhof „Neubabelsberg“ erfolgt 1874 der Anschluß an das Berliner S-Bahnnetz.
Nach den Wirren des ersten Weltkrieges und der Gründung der Universum Film AG (UFA)  beginnt in den nahen Studios zunächst die Stummfilm- später die Tonfilmproduktion.
Nach der Verstaatlichung der UFA 1933 und dem raschen Ausbau der Studios zur größten Filmproduktion Europas, ziehen immer mehr Filmgrößen nach „Neubabelsberg“.
Stars wie Heinz Rühmann, Marika Rökk oder Willy Fritsch logieren fortan in der Villenkolonie. Das deutsche  Beverly Hills zieht aber auch zunehmend die Politik und das Militär an. Auch Reichsminister Josef Göbbels zieht an den Griebnitzsee. Die zunächst 2/3 jüdischen Einwohner werden zunehmend vertrieben, die Villa Guggenheim wird schließlich geräumt.
1938 wird der S-Bahnhof in „Babelsberg-Ufastadt“ umbenannt, die Kaiserstraße in  „Straße der SA“.
Am 14.April 1945, der zweite Weltkrieg ist eigentlich längst entschieden, zerstören britische Bomber das bis dahin verschonte Potsdam und damit auch Teile Babelsbergs.

Mit dem verlorenen Krieg und der deutschen Kapitulation ziehen die Besatzungsmächte in die Kolonie.
Anlass ist die Potsdamer Konferenz, in der das Schicksal des unterlegenen Deutschen Reiches verhandelt und besiegelt werden sollte.
( Zuvor wurde auf Jalta am 11.2.1945  bereits der grobe Rahmen der Vorgehensweise absteckt.)
Am 15. Juli 1945 bezieht Harry S. Truman, der erst im April amerikanischer Präsident geworden war, die Villa mit der Hausnummer 2. Zuvor wurde das Haus zwangsgeräumt.

Truman`s little white house in Babelsberg

Truman`s little white house in Babelsberg @gemeinfrei

Nachdem am 16.Juli  die Nachricht, des ersten erfolgreichen Atomwaffentests in der Wüste von Neu Mexico (USA) kommt, treffen am 17. Juli Josef Stalin und der britische Premierminister Winston Churchill mit Truman das erste Mal zusammen. Weitere 2 Wochen bleibt die Villa, mit gepflegtem Garten, das “ kleine weiße Haus“, the „Little white house“.

Am 6. August um 09:16 Uhr explodierte 560 Meter über Hiroshima die erste Atombombe und forderte mehr als 80.000  Menschenleben. Die genaue Zahl ist bis heute, wegen der Spätfolgen der atomaren Verseuchung, nicht genau festzulegen. Siehe : Die Welt.
Die Entscheidung für den Abwurf wurde höchstwahrscheinlich am 24. Juli im „Little white house“ in Babelsberg getroffen.

 

Atomic_cloud_over_Hiroshima

Atomic_cloud_over_Hiroshima ©gemeinfrei

Nach Ende der Potsdamer Konferenz wohnt der Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte, Marschall Shukow bis 1946 in der Villa.

Weitere Nutzung danach:  Parteischule der SED, Polytechnische Oberschule, bis 1990 schließlich Möbellager

Quellen : Wikipedia, Robert S. Mackay: This Mr. President is the story of the Little White House, Anwohner, eigene Quellen

 

Nudersdorf, Sachsen Anhalt, Quarzsand, Badekurort und Kämpfe 1945

22 Jan
Schloss in Nudersdorf

Schloss in Nudersdorf

Nudersdorf ist ein einige Kilometer nordwestlich liegender heutiger Ortsteil der Lutherstadt Wittenberg, einst Badeort mit Kurbetrieb ist er heute ein aufgeräumter Ort in Sachsen Anhalt.
Aus der nicht besiedelten Sumpfgegend Brückes Busch entstand so um 1530 ein Rittergut mit Forstbetrieb und Mühle, etwa 30 Jahre später kommt das erste Schlossgebäude hinzu. (Etwa an der heutigen Lindenstrasse, wo auch erste Reihenhäuser erbaut werden.) Ein typisch lehenpflichtiges Arbeitsverhältnis zwischen Rittergut und Gesinde entsteht.
1703 entsteht das neue Schloss, größer und moderner. 1852 hat Nudersdorf bereits 31 Häuser und 275 Einwohner. ( Quelle: Flächennutzungsplan )

Und Nudersdorf hatte noch einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil. Es liegt direkt an der damaligen Handelstrasse der Börsenstadt Leipzig in Richtung Hamburg. Kost und Logis Betriebe, Schmieden und andere wichtige Dienstleister, die den reibungslosen Verkehr auf der Hauptstraße begleiten, siedeln sich an. Handel entsteht. Tuch aus Wittenberg, landwirtschaftliche Güter der Region, oder Quertransporte nach Straach.

Im 19. Jahrhundert baut man die heimische Industrie auf. Reichhaltige Rohstoffvorkommen, wie Ton oder Lehm werden in Ziegel- oder Kachelbrennereien zur Exportware. Die nötige Energie kommt schon bald aus der in der Umgebung gefundenen Kohle.

Um 1850 wird Nudersdorf Bade- und Kurort. Die schwefelhaltigen Quellen speisen ein Bad im Schlossgarten. Ein Badearzt berät die Touristen von nah und fern. Quellwasser wird sogar in Flaschen abgefüllt und bis nach Berlin exportiert.

Nudersdorf, stillgelegte Bahnlinie

Nudersdorf, stillgelegte Bahnlinie

Doch schon wenigen Jahre später ist hier Feierabend. Die Luftbelastung durch die Ausbeutung der Kohle wird zu groß.
1911 wird die Eisenbahnlinie Wittenberg Straach in Betrieb genommen, die ab 1915 das Stickstoffwerk Reinsdorf versorgt. Hier wird in der Folge Salpeter für die Munitionsproduktion hergestellt.
1924 kommt die Förderung des begehrten Quarzsands hinzu, der auch heute noch Nudersdorf prägt. (Glas) Die Quarzsandwerke sind bis heute der größte Arbeitgeber in Nudersdorf.

Durch die benötigten Arbeitskräfte erfolgt ein Bauboom im Gebiet Ring 1 und 2. Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden. 1938 wohnen hier bereits 1300 Menschen.

Am 24.April 1945, der 2. Weltkrieg geht zu Ende, nähern sich die Kämpfe dem Raum Nudersdorf, Straach. Die rote Armee kämpft sich den Weg entlang der Reichsstraße B2 frei. In Straach verteidigt die Sturmgeschützbrigade 1170 sowie Einheiten der 1. Division Scharnhorst. Ein Tag später müssen Nudersdorf, Schmilkendorf und Braunsdorf aufgeben werden. Die Bevölkerung flüchtet aufs Land.

Zu DDR Zeiten wird die Landwirtschaft belebt, die zuvor in der Region eher unwichtig war. Das Erscheinungsbild des Ortes hat sich in jener Zeit wenig verändert. Nach 1990 und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hat sich Nudersdorf zu einer ansehnlichen Gemeinde herausgeputzt, deren Einwohner heute vornehmlich in Wittenberg arbeiten, aber auch bis in den Berliner Raum pendeln.

Geocacher finden hier im Bereich der alten Industrieanlagen ihre Verstecke.

Quelle: Flächennutzungsplan, Anwohner.

Kammerode bei Ferch, Brandenburg

19 Nov
Der idyllische Ort Ferch

Der idyllische Ort Ferch/Kammerode

Erstmals wurde der Frecher Ortsteil Kammerode 1267 erwähnt. Wie auch der Ort Ferch selbst wurde Kammerode 1452 vom Kloster Lehnin als lehnspflichtig erworben. Die durch die Eiszeit geprägte, hügelige Waldlandschaft am Südende des Schwielowsee zeichnet sich durch dünenartige, bewaldete Hügel aus, die um 1540 als Weidefläche für Schafe genutzt wurde, die so genannte Cammerodische Heide.

Erst gut hundertfünfzig Jahre später begann die zögerliche Besiedlung.

Kamerode Brandenburg

Bauernhaus bei Kammerode © gemeinfrei

Später wurde ein Teil dieses Gebietes als „Kemnitzer Heide“ vom Gut Kemnitz in der Nähe von Werder übernommen und um 1750 zur Forstfläche entwickelte.
Im 20. Jahrhundert, als Ferch an das Straßennetz angeschlossen wurde, sowie der Bahnhof Lienewitz den Betrieb aufnahm, kamen die ersten Touristen und Wochenendausflügler aus Berlin und Potsdam. Kammerode selbst blieb fast ausschließlich von Forstarbeitern und Bauern bewohnt.

Am 10. April 1945 wurde die 12. deutsche Armee unter Oberbefehlshaber Walther Wenck bei Beelitz neu formiert, mit Angriffsziel Berlin. Kriegsschauplatz sind die Wälder von Beelitz bis Ferch und südlich von Beelitz, die Bahnlinie bei Elsholz.

Siehe zuvor : Schlachtfeld bei Ferch im 2. Weltkrieges.

Nach der Evakuierung der 9. Armee aus dem Kessel von Halbe war die Uferstrasse in diesem Gebiet Hauptrückzugstrasse in Richtung Tangermünde.

Siehe zuvor :  Evakuierung der 9. Armee aus Halbe

Etwas östlich der Ortschaft wurden Stellungen ausgebaut um den Rückzug vor den nachdrückenden sowjetischen Truppen zu sicher. Am heutigen Radwanderweg R1, von Calais in Südfrankreich bis nach  St. Petersburg verlaufend, sind heute noch die Gräben und Verschanzungen der Infanterie zu erkennen.

Stellungen Kamerode 1945

Stellungen Kammerode 1945

Im Westen der kleinen Ortschaft erstrecken sich idyllische Obstplantagen, die Vorboten der riesigen Anbaugebiete um Werder. In wenigen Minuten ist der Schwielowsee erreicht und die Anleger von Ferch und dem „Haus am See“, wo sich einst der Berliner Flugzeugingenieur Alfred Mehlhemmer, ein Widerstandskämpfer im 3.Reich, eingemietet hatte. In einem spektakulären Mordfall wurde selbiger später in Petzow ermordet.

Siehe : Der Fall Mehlhammer

Auch japanisches gibt es in der Umgebung. Der Bonsai Garten von Ferch liegt nur wenige Autominuten vom Kammerode:  Bonsai Haus Ferch

Der Hafen Ferch bietet kleine Motorboote zu günstigen Preisen sowie einen praktischen Imbiss. Haltestelle „Ferch, Strandbad“

Auch Geocacher kommen hier auf ihre Kosten, beginnen doch in der Umgebung gleich zwei schwierige „trails“.

Beide Ortsteile sind mit dem BUS 607 aus Werder und Potsdam gut zu erreichen.

Ferch in Brandenburg

Ferch in Brandenburg © gemeinfrei

Quelle : Eigene / Bürger

Teltow Knesebeckbrücke 1945, Schifffahrtskontrollstellen der DDR

6 Jun

Knesebeckbrücke
Die Knesebeckbrücke, die den Teltower Damm mit Zehlendorf-Schönow verbindet und so den Verkehr aus Teltow über den Teltowkanal führt, wurde 1906 als Fachwerkbrücke errichtet.
( Namensgebung:  Knesebeck, Zu Ehren der Familie wurde 2007 eine Bronzetafel an der Brücke montiert. )

Beim Anmarsch der Roten Armee 1945 wurde die Brücke von der Wehrmacht gesprengt.

24. April 1945: Die 3.Gardepanzerarmee der 1.Ukrainischen Front stürmt auf den Teltowkanal. ( siehe auch: Armee Wenck )
Dazu nehmen sie die Engstellen östlich des Machnower Sees ins Visier um an Engstellen überzusetzen. Es bieten sich hier die Badewitzbrücke und die Rammrathbrücke sowie die  Knesebeckbrücke etwas östlicher an.
An der Harkeburg lag ein deutsches Sturmgeschütz, an den Brücken lagen Verbände der Wehrmacht und des Volkssturms eingegraben in der UferbefestigungLaut Zeitzeugen: Deutsche Schützenlöcher an der Brücke

Zeitzeugen: Deutsche Schützenlöcher an der Brücke

Durch die enorme  Übermacht der Sowjets gelang es Brückenköpfe auf der Nordseite zu bilden und sich Richtung Stadtzentrum vorzukämpfen. Am Morgen des 24. April 1945 liegt die Front an den Kiebitzbergen und der Rammrathbrücke, wo man deutsche Stellungen erkannt hatte, später am Bahnhof Düppel.

Verluste :
etwa 570 Soldaten der Roten Armee, etwa 200 Deutsche Soldaten.
( Schätzung nach Anzahl der Gräber auf den Friedhöfen Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow. )

Nach dem Ende des Krieges lag die fast zerstörte Brücke brach. Der Kanal, der eigentlich zu Berlin West und damit zum amerikanischen Sektor gehörte, bleibt gesperrt.

Im Jahr 1978 verhandeln die deutschen Unterhändler Günter Gaus (Westdeutschland) und Kurt Nier (DDR) über die für Westberlin wichtige Wasserstraße. Im November 1981 ist es schließlich soweit. Nach über 30 Jahren Sperrung wird der Kanal wieder für die Schifffahrt geöffnet.

Auch in der Nähe der Knesebeckbrücke entsteht eine der Schifffahrtskontrollstellen der DDR. Frachtschiffe, die den Teltowkanal benutzten, wurden hier kontrolliert und in ca. 5 km Entfernung, bei Dreilinden (heute Campingplatz), noch einmal.
Unter der Wasseroberfläche konnten Gitter abgesenkt werden, die ein unkontrolliertes Durchdringen der Anlage verhinderten. ( Siehe auch: Bertini Enge Potsdam ) Zu beiden Seiten standen Wachtürme um die Überwachung zu gewährleisten.

GÜST Teltowkanal

Blick vom Überwachungsturm Foto:© Zeisig, Teltow

Nach dem Fall der Mauer entsteht eine Brücke für den Kontrollweg der GÜST, den Radfahrer und Passanten zunächst als Überweg über den Kanal nutzen konnten. Diese Brücke befand sich in etwa dort, wo heute ein Rohr den Teltowkanal überquert.

1990 wird die heutige  Knesebeckbrücke errichtet. Der Teltowkanal bildet hier die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg.

In der Nähe:
BadewitzbrückeSchleuse Kleinmachnow , Teltow Werft

Quellen :
Zeitzeugen,
Zeisig, Teltow.

Lichtenberg / Frankfurt. Kriegsschauplatz April 1945. Rückzug der 9.Armee

3 Mai
Kirche Lichtenberg bei Frankfurt

Kirche Lichtenberg bei Frankfurt

Das Brandenburgische Dorf Lichtenberg, heute etwa 450 Einwohner zählend, 1323 erstmalig erwähnt, liegt idyllisch nahe der Oderstadt Frankfurt. Im Norden liegt die Bundesautobahn, im Südwesten die 345 ha großen Biegener Hellen, ein Landschaftsschutzgebiet erster Güte.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648 ) wurde Lichtenberg 1638 vollkommen zerstört und lag bis zur Wiederbesiedelung 1648 brach. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde Lichtenberg erneut schwer getroffen und während der Befreiungskriege zogen russische Truppen durch das Dorf.( Wikipedia )

Im April 1945 kommt es dann erneut zur Katastrophe. Der erst im Januar 1945 zum Oberbefehlshaber der 9. Armee beförderte General Theodor Busse, steckt in seiner Geburtsstadt Frankfurt/Oder in der Falle. Die 1. Belorussischen Front der Rote Armee drängt über den Fluss in Richtung Berlin. Ab dem 22. April 1945 sind die deutschen Truppen vollkommen eingeschlossen. Am 23. April 1945 erreichten sowjetische Truppen das westliche Oderufer bei Frankfurt.

Siehe :
Seelower Höhen
9.Armee Kessel von Halbe

Die Absetzbewegung der 9. Armee mit Resten des V. SS-Armeekorps und des XI. SS-Panzerkorps führt in Richtung Südwest. Im Norden und Süden stoßen die 1. Belorussische und die 1. Ukrainische Front schnell auf Berlin zu. Der wandernde Kessel zieht durch Lichtenberg in Richtung Märkisch Buchholz:

Augenzeuge: “ von der Autobahn schossen die Sowjets Artillerie auf die deutsche Nachhut im Ort.“

Die Trümmer der schwer getroffenen Kirche werden nach den Angriffen als Baumaterial für zerstörte Wohnhäuser und Höfe verwandt, die Kirche selbst blieb Ruine. 10 Jahre später stürzte das Dach ein und erst 2001 begann eine Bürgerinitiative das zerstörte Gebäude zu sichern und aufzuräumen.

Lichtenberg Granateinschläge

Lichtenberg Granateinschläge

Lichtenberg (Frankfurt)

Lichtenberg (Frankfurt) Kirche vor 1909 © gemeinfrei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Bismarkturm, erbaut 1906 auf den Überresten einer abgebrannten Windmühle, wurde ebenfalls stark beschädigt und diente nach den Kampfhandlungen als Kadaverhaus.

Lichtenberg Bismarkturm

Lichtenberg Bismarkturm ( Mit 5 m Höhe der kleinste Aussichtsturm in Deutschland )

 

Quellen : Eigene, Zeitzeugen vor Ort, Wikipedia

Niemegk 1945 Einnahme durch Rote Armee

8 Nov
Kampf um Niemegk

Kampf um Niemegk ( nachgestellt )

Kaum etwas ist schwieriger, als eine schlecht dokumentierte Schlacht zu rekonstruieren. In allen Berichten, die wir bislang auf postconnections.com geschrieben haben, waren die besten Quellen die noch lebenden Zeitzeugen.
Die Kämpfe um Niemegk in Brandenburg sind ebenso aufwändig zu recherchieren.
Elementar für das Verständnis der Zusammenhänge sind folgende Artikel :

Die Schlacht um die Seelöwen Höhen
12.Armee stoppt die Rote Armee 
Ausbruch der 9. Armee aus Halbe

10. April 1945: Die 12. Armee unter General Wenck wird bei Beelitz neu formiert um in das Geschehen um Berlin einzugreifen. Ziel ist es bis zur Reichskanzlei vorzustoßen. Bereits am 20.April 1945 gibt es vermehrt Feindkontakt – die Rote Armee rückt vor.
Am 24. April 1945 erobern die „Russen“ kampflos Zixdorf, südlich von Niemegk, an der Reichsautobahn Berlin Nürnberg. Die Bevölkerung erlitt furchtbare Qualen, besonders die Frauen.
Dem Kriegstagebuch des Kommandanten von Belzig ist folgender Satz zu entnehmen:
„Angriff von Zixdorf auf Niemegk um 14,45 Uhr, mit 4 Panzern und 80 Mann Infanterie.“
Die Hauptkampflinie  liegt jetzt direkt am Ort Niemegk, der mehrfach beschossen wird.

Ein Zeitzeuge : „Allerdings scheuten die Sowjets die Panzersperren am Ortseingang. Hier lag Volkssturm und Hitlerjugend.“

Am 25.April wird die Ortschaft Garrey geräumt. Nach Einmarsch der Roten Armee kommt es zu einer furchtbaren Denunzierung durch einen Nachbar. Daraufhin werden viele Männer abgeholt und in ein Arbeitslager bei Cottbus gebracht.

Am 26. April 1945 nehmen die einzelnen Divisionen der Armee Wenck ihre Angriffsformationen ein. Bereits am Abend erreichen sie Linthe ( nördlich von Niemegk ) und machte 18 km Geländegewinn.
Die, zwar schlecht bewaffnete und schlecht ausgebildete, Jungsoldaten-Armee hat eine entscheidenden Trumpfkarte. Sie wird hervorragend befehligt.
Nur dadurch sind die Erfolge der nächsten Tage gegen die unglaubliche Übermacht der Roten Armee zu erklären. Die Kämpfe zur Rettung der 9. Armee im Kessel von Halbe toben in den Wäldern um Beelitz bis Märkisch Buchholz.

Wieder ein Zeitzeuge :
“ Am 29. April 1945, beim Gegenangriff in Niemegk des 2. Regiments der  Infanteriedivision „Theodor Körner“ gab es nochmal furchtbare Verluste. Aber die Wehrmacht kam jetzt hier nicht mehr weiter. Die Übermacht war zu groß.“

Schon einen Tag später wurde der Rückmarsch offenbar befohlen und Niemegk endgültig von der Roten Armee besetzt.

 

 

Seelower Höhen, die Schlacht 1945

28 Okt
Seelower Höhen Gedenkstätte

Seelower Höhen Gedenkstätte

Der Ansturm beginnt.

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges braute sich auf der über 30 Kilometer langen Front entlang der Oder, mit 2,5 Millionen sowjetischen Soldaten im Anmarsch, eine vernichtende Zangenbewegung auf Berlin zusammen. Die 2. Weißrussische Front stand bei Stettin und sollte von hier aus über die Oder bis nördlich von Berlin vordringen. Die 1. Ukrainischen Front dagegen stand bei Forst/Cottbus und sollte den riesigen Kessel im Süden schließen. Marshall Georgi Schukow marschierte auf die Ostseite der Oder zu, bereit den Oderbruch und die Seelower Höhen mit 1. Millionen Soldaten im Eiltempo zu nehmen, Ziel Berlin. Seit Februar hatte die 9. Armee unter General Theodor Busse damit begonnen, die Seelower Höhen zur Stellung auszubauen.

Eine Höhe anzugreifen, die strategisch umrundbar gewesen wäre, um sie dann einzukesseln und abzusichern, macht zunächst keinerlei Sinn. Somit konnten die deutschen Truppen in Seelow den Ansturm der sowjetischen Truppen zwar stören, aber keinesfalls aufhalten.
Dennoch entschieden Stalin und Schukow diese Höhe anzugreifen um einen triumphalen Sieg über die Wehrmacht zum 1. Mai, einem hohen Feiertag in der UdSSR, melden zu können. Mensch und Material spielten hierbei offenbar keinerlei Rolle.

Tiger Panzer deutsche Wehrmacht 1945

Tiger Panzer und „Königstiger“ deutsche Wehrmacht 1945 © gemeinfrei

Schlacht Seelower Höhen

Leichter deutscher Panzer

16.April 1945

In den frühen Morgenstunden, begann die Operation. Schukow ließ das Vorfeld der Seelower Höhen, auf dem sich die ersten Deutschen Linien eingegraben hatten, massiv mit Artillerie unter Beschuss nehmen. Aber die Deutschen zogen sich schnell zurück. Sie hatten den Angriff erwartet und so feuerten die Granaten ins verlassene Gebiet vor den eigentlichen Höhen. Etwa 1 Millionen Soldaten der Roten Armee standen lediglich gut 100.000 Wehrmachtssoldaten gegenüber.  Jedoch war die sowjetische Taktik geradezu chaotisch und die angreifenden Truppenteile verloren den Kontakt zueinander. Während russische Panzerverbände noch an der Oder fest saßen, ließ Generaloberst Tschuikow bereits die Höhen stürmen. Um das Schlachtfeld übersichtlicher zu machen und die Deutschen zu blenden, hatte Schukow 143 Scheinwerfer aufstellen lassen. Die Nacht war kühl und feucht gewesen und Dunst und Rauchschwaden hingen über den Hängen. Der plötzliche Einsatz der Scheinwerfer wurde den anstürmenden Sowjets zur Falle. Der Nebel warf ihnen das Licht entgegen und machte eine Sicht auf die deutschen Stellungen unmöglich. Die Wehrmacht dagegen konnte die feindlichen Infanterie nun umso besser sehen. Scharf zeichneten sich die Gestalten, die durch den aufgeweichten und von russischen Granaten zerschossenen Hügel hinauf stapften, gegen den hellen Hintergrund ab. Das deutsche Sperrfeuer glich einem Tontaubenschießen. Eigentlich erwarteten Schukow und Stalin bereits für den Tag 1 der Operation einen Sieg der Roten Armee. Davon konnte allerdings keinerlei Rede sein, denn die Verteidigung des deutschen SS- und Panzer Korps war nicht überwunden worden.

Um 16:00 machte Marschall Schukow den zweiten bedeutsamen Fehler. Da er unbedingt mit seinen Spitzen als Erster Berlin erreichen wollte, befahl er den Einsatz seiner Panzerreserven. Dadurch entstand ein Chaos vor den Seelower Höhen und die deutsche Artillerie konnte hocheffektiv und mit verheerenden sowjetischen Verlusten eingesetzt werden.

17.April 1945

Am Morgen des zweiten Tages versuchte die Rote Armee sich neu zu gliedern und weitere Reserven an das Kampfgeschehen heranzuführen. Nun griff die Deutsche Luftwaffe mit über 2000 Flugzeugen den sowjetischen Brückenkopf an der Oder an. Allerdings standen ihnen fast die doppelte Anzahl von sowjetischen Maschinen gegenüber. Am Abend des 17. Aprils war allerdings die Front auf den Seelower Höhen noch intakt. Im Norden und Süden war die Wehrmacht dagegen bereits auf dem Rückzug und die Rote Armee konnte einiges an Geländegewinn verbuchen.

18.April 1945

Unter schwersten Verlusten der Roten Armee mußte sich die deutsche Wehrmacht auf eine Linie Wriezen-Freienwalde im Norden und Möglin- Bötzow im Süden zurückziehen.

19.April 1945

Nördlich von Seelow wurde die Front langsam brüchig und drohte die 9. Armee zu spalten. Um dies unter allen Umständen zu vermeiden mußte sich die 25. Panzergrenadierdivision bis nach Eberswalde zurückziehen. Die Stellungen auf den Seelöwen Höhen mußten geräumt werden. Die 9. Armee versuchte schnellstens nach Fürstenberg zu evakuieren. Zwischen der Roten Armee und Berlin war der Weg frei. 33000 Rotarmisten und 12000 Wehrmachtsoldaten hatte in diesen Tagen ihr Leben verloren.

Doch damit war die Schlacht um Berlin keinesfalls vorbei. Es sollte noch schlimmer kommen:
9. Armee eingeschlossen in Halbe
12. Armee ignoriert Befehl und kämpft sich der 9. Armee entgegen
Rettung in Tangermünde?
Desaster in Spremberg

Schlacht Seelower Höhen

Schlacht Seelower Höhen

Direkt nach der Schlacht gab Schukow den Befehl „an den ruhmvollen Weg“  seiner Truppen nach Berlin Denkmäler aufzustellen. Das Denkmal in Seelow wurde am 27. November 1945 eingeweiht. Siehe Bild ganz oben.

Quellen: Zeitzeugen, Wikipedia und das Buch Seelow 1945, Die Entscheidungsschlacht an der Oder v. Richard Lakowski, Bilder ©fotalia.de

 

Objekt Koralle, Dönitz Tierbunker in Brandenburg

6 Okt
Objekt Koralle Bernau

Objekt Koralle Bernau   Foto©gemeinfrei v. Trendy64

Nördlich von Lobetal 1939. Das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) beginnt mit den Bauarbeiten zum Tiefbunker „Koralle“.
Man rechnet mit alliierten Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt Berlin und beginnt Institutionen zu dezentralisieren.
Während der Flugbetrieb in Tempelhof vorübergehend sogar auf das Flugfeld in Rangsdorf verlegt wird, zieht auch das OKM 1943 in die gut getarnten und sichere Tiefbunker in Brandenburg um.
Schwer vorzustellen, das alle Befehle an die Deutschen U-Boote fast rund um den Erdball aus der Gegend von Bernau kamen. Der BdU ( Befehlshaber der U-Boote ), Großadmiral Karl Dönitz, Erfinder der Rudeltaktik, ließ die Befehle unter anderem über Nauen und Ferch/Glindow vermitteln, nicht ohne sie zuvor zu verschlüsseln, versteht sich.

Großadmiral Karl Dönitz

Großadmiral Karl Dönitz ©gemeinfrei

Doch am 19.April 1945 muss verlegt werden, die Rote Armee steht zum Endkampf um Berlin schon westlich der Oder.
Später wurde die Anlage gesprengt.

Quelle: Wikipedia und Augenzeugen ( U-Boot Kommandant ) aus Aumühle um 1990

 

Die Werft Teltow bei Potsdam, Teltowwerft

28 Sep
Werft Teltow Brandenburg

Werft Teltow Brandenburg

Schon lange werden hier keine Schiffe oder Boote mehr repariert, geschweige gebaut. Die alte Werft in Teltow ist ein LP, ein sogenannter Lost Place.
Ein Wanderweg entlang des Nordufers des Teltowkanals führt an der eingewachsenen Anlage vorbei, doch nur wenige Wanderer bemerken das alte Gebäude.
Wo einst eine Brücke über den Kanal war, endet das Gleis heute. ( Foto oben ) Das letzte Schiff wurde hier 1962 gewartet. Die Einschüsse in der Fassade zeugen von den schweren Kämpfen um Berlin 1945, als hier Volkstum und Hitlerjungen das Nordufer des Kanals zu halten versuchten. Unweit befindet sich die Badewitzbrücke mit ähnlichem Schicksal.

Teltowkanal Werft

Teltowkanal Werft