Niemegk 1945 Einnahme durch Rote Armee

8 Nov
Kampf um Niemegk

Kampf um Niemegk ( nachgestellt )

Kaum etwas ist schwieriger, als eine schlecht dokumentierte Schlacht zu rekonstruieren. In allen Berichten, die wir bislang auf postconnections.com geschrieben haben, waren die besten Quellen die noch lebenden Zeitzeugen.
Die Kämpfe um Niemegk in Brandenburg sind ebenso aufwändig zu recherchieren.
Elementar für das Verständnis der Zusammenhänge sind folgende Artikel :

Die Schlacht um die Seelöwen Höhen
12.Armee stoppt die Rote Armee 
Ausbruch der 9. Armee aus Halbe

10. April 1945: Die 12. Armee unter General Wenck wird bei Beelitz neu formiert um in das Geschehen um Berlin einzugreifen. Ziel ist es bis zur Reichskanzlei vorzustoßen. Bereits am 20.April 1945 gibt es vermehrt Feindkontakt – die Rote Armee rückt vor.
Am 24. April 1945 erobern die „Russen“ kampflos Zixdorf, südlich von Niemegk, an der Reichsautobahn Berlin Nürnberg. Die Bevölkerung erlitt furchtbare Qualen, besonders die Frauen.
Dem Kriegstagebuch des Kommandanten von Belzig ist folgender Satz zu entnehmen:
„Angriff von Zixdorf auf Niemegk um 14,45 Uhr, mit 4 Panzern und 80 Mann Infanterie.“
Die Hauptkampflinie  liegt jetzt direkt am Ort Niemegk, der mehrfach beschossen wird.

Ein Zeitzeuge : „Allerdings scheuten die Sowjets die Panzersperren am Ortseingang. Hier lag Volkssturm und Hitlerjugend.“

Am 25.April wird die Ortschaft Garrey geräumt. Nach Einmarsch der Roten Armee kommt es zu einer furchtbaren Denunzierung durch einen Nachbar. Daraufhin werden viele Männer abgeholt und in ein Arbeitslager bei Cottbus gebracht.

Am 26. April 1945 nehmen die einzelnen Divisionen der Armee Wenck ihre Angriffsformationen ein. Bereits am Abend erreichen sie Linthe ( nördlich von Niemegk ) und machte 18 km Geländegewinn.
Die, zwar schlecht bewaffnete und schlecht ausgebildete, Jungsoldaten-Armee hat eine entscheidenden Trumpfkarte. Sie wird hervorragend befehligt.
Nur dadurch sind die Erfolge der nächsten Tage gegen die unglaubliche Übermacht der Roten Armee zu erklären. Die Kämpfe zur Rettung der 9. Armee im Kessel von Halbe toben in den Wäldern um Beelitz bis Märkisch Buchholz.

Wieder ein Zeitzeuge :
“ Am 29. April 1945, beim Gegenangriff in Niemegk des 2. Regiments der  Infanteriedivision „Theodor Körner“ gab es nochmal furchtbare Verluste. Aber die Wehrmacht kam jetzt hier nicht mehr weiter. Die Übermacht war zu groß.“

Schon einen Tag später wurde der Rückmarsch offenbar befohlen und Niemegk endgültig von der Roten Armee besetzt.

 

 

Seelower Höhen, die Schlacht 1945

28 Okt
Seelower Höhen Gedenkstätte

Seelower Höhen Gedenkstätte

Der Ansturm beginnt.

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges braute sich auf der über 30 Kilometer langen Front entlang der Oder, mit 2,5 Millionen sowjetischen Soldaten im Anmarsch, eine vernichtende Zangenbewegung auf Berlin zusammen. Die 2. Weißrussische Front stand bei Stettin und sollte von hier aus über die Oder bis nördlich von Berlin vordringen. Die 1. Ukrainischen Front dagegen stand bei Forst/Cottbus und sollte den riesigen Kessel im Süden schließen. Marshall Georgi Schukow marschierte auf die Ostseite der Oder zu, bereit den Oderbruch und die Seelower Höhen mit 1. Millionen Soldaten im Eiltempo zu nehmen, Ziel Berlin. Seit Februar hatte die 9. Armee unter General Theodor Busse damit begonnen, die Seelower Höhen zur Stellung auszubauen.

Eine Höhe anzugreifen, die strategisch umrundbar gewesen wäre, um sie dann einzukesseln und abzusichern, macht zunächst keinerlei Sinn. Somit konnten die deutschen Truppen in Seelow den Ansturm der sowjetischen Truppen zwar stören, aber keinesfalls aufhalten.
Dennoch entschieden Stalin und Schukow diese Höhe anzugreifen um einen triumphalen Sieg über die Wehrmacht zum 1. Mai, einem hohen Feiertag in der UdSSR, melden zu können. Mensch und Material spielten hierbei offenbar keinerlei Rolle.

Tiger Panzer deutsche Wehrmacht 1945

Tiger Panzer und „Königstiger“ deutsche Wehrmacht 1945 © gemeinfrei

Schlacht Seelower Höhen

Leichter deutscher Panzer

16.April 1945

In den frühen Morgenstunden, begann die Operation. Schukow ließ das Vorfeld der Seelower Höhen, auf dem sich die ersten Deutschen Linien eingegraben hatten, massiv mit Artillerie unter Beschuss nehmen. Aber die Deutschen zogen sich schnell zurück. Sie hatten den Angriff erwartet und so feuerten die Granaten ins verlassene Gebiet vor den eigentlichen Höhen. Etwa 1 Millionen Soldaten der Roten Armee standen lediglich gut 100.000 Wehrmachtssoldaten gegenüber.  Jedoch war die sowjetische Taktik geradezu chaotisch und die angreifenden Truppenteile verloren den Kontakt zueinander. Während russische Panzerverbände noch an der Oder fest saßen, ließ Generaloberst Tschuikow bereits die Höhen stürmen. Um das Schlachtfeld übersichtlicher zu machen und die Deutschen zu blenden, hatte Schukow 143 Scheinwerfer aufstellen lassen. Die Nacht war kühl und feucht gewesen und Dunst und Rauchschwaden hingen über den Hängen. Der plötzliche Einsatz der Scheinwerfer wurde den anstürmenden Sowjets zur Falle. Der Nebel warf ihnen das Licht entgegen und machte eine Sicht auf die deutschen Stellungen unmöglich. Die Wehrmacht dagegen konnte die feindlichen Infanterie nun umso besser sehen. Scharf zeichneten sich die Gestalten, die durch den aufgeweichten und von russischen Granaten zerschossenen Hügel hinauf stapften, gegen den hellen Hintergrund ab. Das deutsche Sperrfeuer glich einem Tontaubenschießen. Eigentlich erwarteten Schukow und Stalin bereits für den Tag 1 der Operation einen Sieg der Roten Armee. Davon konnte allerdings keinerlei Rede sein, denn die Verteidigung des deutschen SS- und Panzer Korps war nicht überwunden worden.

Um 16:00 machte Marschall Schukow den zweiten bedeutsamen Fehler. Da er unbedingt mit seinen Spitzen als Erster Berlin erreichen wollte, befahl er den Einsatz seiner Panzerreserven. Dadurch entstand ein Chaos vor den Seelower Höhen und die deutsche Artillerie konnte hocheffektiv und mit verheerenden sowjetischen Verlusten eingesetzt werden.

17.April 1945

Am Morgen des zweiten Tages versuchte die Rote Armee sich neu zu gliedern und weitere Reserven an das Kampfgeschehen heranzuführen. Nun griff die Deutsche Luftwaffe mit über 2000 Flugzeugen den sowjetischen Brückenkopf an der Oder an. Allerdings standen ihnen fast die doppelte Anzahl von sowjetischen Maschinen gegenüber. Am Abend des 17. Aprils war allerdings die Front auf den Seelower Höhen noch intakt. Im Norden und Süden war die Wehrmacht dagegen bereits auf dem Rückzug und die Rote Armee konnte einiges an Geländegewinn verbuchen.

18.April 1945

Unter schwersten Verlusten der Roten Armee mußte sich die deutsche Wehrmacht auf eine Linie Wriezen-Freienwalde im Norden und Möglin- Bötzow im Süden zurückziehen.

19.April 1945

Nördlich von Seelow wurde die Front langsam brüchig und drohte die 9. Armee zu spalten. Um dies unter allen Umständen zu vermeiden mußte sich die 25. Panzergrenadierdivision bis nach Eberswalde zurückziehen. Die Stellungen auf den Seelöwen Höhen mußten geräumt werden. Die 9. Armee versuchte schnellstens nach Fürstenberg zu evakuieren. Zwischen der Roten Armee und Berlin war der Weg frei. 33000 Rotarmisten und 12000 Wehrmachtsoldaten hatte in diesen Tagen ihr Leben verloren.

Doch damit war die Schlacht um Berlin keinesfalls vorbei. Es sollte noch schlimmer kommen:
9. Armee eingeschlossen in Halbe
12. Armee ignoriert Befehl und kämpft sich der 9. Armee entgegen
Rettung in Tangermünde?
Desaster in Spremberg

Schlacht Seelower Höhen

Schlacht Seelower Höhen

Direkt nach der Schlacht gab Schukow den Befehl „an den ruhmvollen Weg“  seiner Truppen nach Berlin Denkmäler aufzustellen. Das Denkmal in Seelow wurde am 27. November 1945 eingeweiht. Siehe Bild ganz oben.

Quellen: Zeitzeugen, Wikipedia und das Buch Seelow 1945, Die Entscheidungsschlacht an der Oder v. Richard Lakowski, Bilder ©fotalia.de

 

Objekt Koralle, Dönitz Tierbunker in Brandenburg

6 Okt
Objekt Koralle Bernau

Objekt Koralle Bernau   Foto©gemeinfrei v. Trendy64

Nördlich von Lobetal 1939. Das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) beginnt mit den Bauarbeiten zum Tiefbunker „Koralle“.
Man rechnet mit alliierten Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt Berlin und beginnt Institutionen zu dezentralisieren.
Während der Flugbetrieb in Tempelhof vorübergehend sogar auf das Flugfeld in Rangsdorf verlegt wird, zieht auch das OKM 1943 in die gut getarnten und sichere Tiefbunker in Brandenburg um.
Schwer vorzustellen, das alle Befehle an die Deutschen U-Boote fast rund um den Erdball aus der Gegend von Bernau kamen. Der BdU ( Befehlshaber der U-Boote ), Großadmiral Karl Dönitz, Erfinder der Rudeltaktik, ließ die Befehle unter anderem über Nauen und Ferch/Glindow vermitteln, nicht ohne sie zuvor zu verschlüsseln, versteht sich.

Großadmiral Karl Dönitz

Großadmiral Karl Dönitz ©gemeinfrei

Doch am 19.April 1945 muss verlegt werden, die Rote Armee steht zum Endkampf um Berlin schon westlich der Oder.
Später wurde die Anlage gesprengt.

Quelle: Wikipedia und Augenzeugen ( U-Boot Kommandant ) aus Aumühle um 1990

 

Die Werft Teltow bei Potsdam, Teltowwerft

28 Sep
Werft Teltow Brandenburg

Werft Teltow Brandenburg

Schon lange werden hier keine Schiffe oder Boote mehr repariert, geschweige gebaut. Die alte Werft in Teltow ist ein LP, ein sogenannter Lost Place.
Ein Wanderweg entlang des Nordufers des Teltowkanals führt an der eingewachsenen Anlage vorbei, doch nur wenige Wanderer bemerken das alte Gebäude.
Wo einst eine Brücke über den Kanal war, endet das Gleis heute. ( Foto oben ) Das letzte Schiff wurde hier 1962 gewartet. Die Einschüsse in der Fassade zeugen von den schweren Kämpfen um Berlin 1945, als hier Volkstum und Hitlerjungen das Nordufer des Kanals zu halten versuchten. Unweit befindet sich die Badewitzbrücke mit ähnlichem Schicksal.

Teltowkanal Werft

Teltowkanal Werft

 

Berliner Reichstag Sehenswürdigkeit Berlin

21 Aug
Reichstag, Berlin

Berliner Reichstag

Der Berliner Reichstag, Top 10 Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt, Zeitzeuge der keimenden Demokratie nach dem 1.Weltkrieg, des Zusammenbruchs in den Bombennächten des 2. Weltkriegs, Bau der Berliner Mauer und Wiedervereinigung nach 1989.

Nach seiner Fertigstellung 1894 zogen zunächst die Abgeordneten des „Reichstags des Deutschen Kaiserreiches“ ein, nach dem verlorenen Weltkrieg war das monströse Gebäude im Stadtteil Mitte Sitz des „Reichstag der Weimarer Republik.“
Nach 1933 kam es zum, bis heute nicht ganz, geklärten Reichstagsbrand, bei dem unter anderem der Plenarsaal ausbrannte.
Die Abgeordneten mußte in die Krollhaare ausweichen und das Gebäude blieb bis nach dem 2. Weltkrieg wenig saniert. Während der Kämpfe um Berlin war der Reichstag u.a. Lazarett.
Das stark zerstörte Bauwerk, dicht am ebenso zerstörten Brandenburger Tor gelegen, wurde nach der Kapitulation sich selbst überlassen. Das gesamte Areal zwischen Reichstag, Siegessäule und Potsdamer Platz war eine einzige Wüstenei. Der Tiergarten zerstört oder abgeholzt, wurde nach 1945 zur Ackerfläche der Berliner. Hier wurden durch die Notleidende Zivilbevölkerung Lebensmittel angebaut.
Erst 1955 machte die Westdeutsche Regierung einen Plan zum Wiederaufbau des Reichstags. 1973 stand eine „Billigversion“ des ursprünglichen Gebäudes. Allerdings wurde ein großer Plenarsaal eingebaut, in dem laut Willen der Alliierten aber keine Parlamentssitzungen stattfinden durften, so zog ein Museum ein.
Die Berliner Mauer lief vom Brandenburger Platz kommend auf der Westseite des Brandenburger Tores entlang und dann direkt zur Hinterseite des Reichstages. Das Gebäude der heutigen Parlamentarischen Gesellschaft lag also bereits im Osten.
Auf einer Bootstour auf der Spree passiert der Besucher genau diese Stelle.

Am 4. Oktober 1990 fand erstmals nach 57 Jahren wieder eine Parlamentssitzung im Reichstag statt. Am 20.Juni 1991 erhitzen sich die Gemüter im Bonner Wasserwerk. Es ging um den Sitz des Deutschen Bundestag im wiedervereinten Deutschland. Die Stadt Bonn machte massiv mobil gegen die Hauptstadt. Mit Plakaten „Bock auf Bonn“ schwanden die Chancen für Berlin zusehends. Wolfgang Schäuble, der heutige Finanzminister, überzeugte in einer beeindruckenden Rede den Bundestag von der Rolle Berlins in den nachfolgenden Jahren. Damit wurde Berlin schließlich zum Regierungssitz gewählt.
Es begann eine gewaltiger Umbaumarathon. 1999, nach der Sommerpause trat der Bundestag dann im fertigen Reichstag zusammen.

Siehe auch :
Neue Orangerie in Potsdam
Kaiser Wilhelm Blick
Nikolaikirche in Potsdam

Quellen. Eigene Erinnerungen und,
wer es noch genauer wissen möchte: Wikipedia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12. Armee Wenck rettet sich nach Tangermünde 1945

11 Aug

 

12.Armee Wenck Tangermünde

Es waren die letzten entscheidenden Tage, die die Rettung der 12. Armee bringen sollten. Nachdem General Wenck den Befehl Hitlers, nach Berlin einzumarschieren, nicht mehr befolgen konnte und bei Ferch/ Schwielowsee ein anderer Plan verfolgt wurde, hieß es erst einmal Zeit zu gewinnen. Die Sowjetarmee hatte Berlin eingeschlossen und die 9. Armee bei Halbe ebenfalls.

Bitte lesen Sie zunächst diese beiden Artikel auf die hier aufgebaut wird:
12. Armee Wenck vor Berlin 
9. Armee eingeschlossen in Halbe, Aufbruch zur Armee Wenck

Bis zum 7. Mai 1945 verteidigte sich die Armee Wenck zusammen mit den Resten der 9. Armee, im Schlepptau viele Zehntausende Flüchtlinge und Verwundete, an der Tangermünder Elbbrücke. Die Sowjetarmee hatte die Reichsstrassen besetzt und man hatte es zuletzt per Schleichweg oder Kahn über die Havel bis hierher geschafft. Noch schlimmer kam es am 2. Mai 1945, als russische Panzereinheiten bei Havelberg durchbrachen. Doch die Armee Wenck konnte sich bis zum 3. Mai 1945 nach Tangermünde evakuieren.

Auf der Westseite der Elbe standen Truppen der US-Amerikanischen-Truppen, dem Ziel des deutschen Trosses aus den Resten mehrerer Armeen und Einheiten. Viele Tausende waren in den letzten Tage gefallen oder wurden einfach abgeschlachtet. Doch Organisation und Logistik funktionierten noch.
Für General Wenck war nun der Zeitpunkt gekommen, vor der US-Armee ehrenvoll zu kapitulieren und ihren Feinden die Lage der Armee, der Zivilisten und der Verwundeten u.a. aus Beelitz Heilstätten klar zu machen.

Wehrmacht Tangermünde

Im Rathaus von Stendal wurde am 4. Mai 1945 darüber verhandelt, wer, wie und was die Elbe über die, bis auf einen Holzsteg, zerstörte Brücke passieren durfte.
Dabei gab es 4 Punkte zu klären:
Übernahme der deutschen Verwundeten ( Wehrmacht ),
Evakuierung der deutschen Flüchtlinge,
Evakuierung der deutschen Soldaten,
Deutsche Verbände kommen in US Gefangenschaft.
Besonders dramatisch wurde es , als die Amerikaner die Flüchtlinge nicht über die Elbe lassen wollten, doch am 5.Mai1945 könnte an mehreren Stellen das Übersetzen beginnen. Parallel dazu hatten sich die deutsche Armeen während der ganzen Zeit weiter gegen die Rote Armee versucht zu verteidigen. Und dies in fürchterlichen Kämpfen, bis hin zu Kämpfen Mann gegen Mann.
Offenbar hatten die Verbände der US-Armee und die Rote Armee keinen Kontakt zueinander.
Schlimmer noch: Die amerikanischen Verbände leisteten den deutschen Soldaten, auch den Zivilisten keinerlei Hilfe.
Nach Angaben des Generals Wenck setzten 100.000 Soldaten und 300.000 Flüchtlinge innerhalb der nächsten 2 Tage über, während die Rote Armee verzweifelt versuchte dieses Manöver zu unterbinden. (Heute noch gut bekannte ehemalige deutsche Soldaten, Dieter Hildebrand und Hans-Dietrich Genscher, überlebten dadurch dieses Inverno.)

Entgegen der Stendaler Abmachungen, wurden später wahrscheinlich etwa 10.000 deutsche Soldaten an die Rote Armee ausgeliefert.

Tangermünde Armee Wenck 1945

Tangermünde Armee Wenck 1945

 

Stendal Übergang Armee Wenck

Stendal Übergang Armee Wenck

Quellen: SZ.de, Recherche im Rathaus Tangermünde/ Stendal/ Zeitzeugen, Fotos Fotalia

Heiliggeistkirche Potsdam

10 Aug

 

Bundesarchiv, Bild 170-153 / Max Baur / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Heiliggeistkirche in Potsdam  Foto:Bundesarchiv, Bild 170-153 / Max Baur / CC-BY-SA [CC BY-SA via Wikimedia Commons

Diese wundervolle Kirche findet der Besucher heute nicht mehr. Sie überlebte die Potsdamer Bombennacht 1945, fiel dann aber beim Einmarsch durch die Rote Armee in Potsdam, beim Kampf um Berlin, den Flammen zum Opfer.

Das, was diesen Brand überstand, lag bis 1960 als Ruine an der Havel. Es wurde der noch nicht zusammengefallene Rest des Kirchenschiffs abgerissen. Der noch verbliebene Turmstumpf wurde 1974 gesprengt und abtransportiert. Aus einem Teil der Mauersteine, wurden nach dem Reinigen vier Klassenräume an die zu erweiternde Schule in Wilhelmshorst errichtet.

Die Kirche wurde von 1726 bis 1728 auf Wunsch Königs Friedrich Wilhelm I. an den Platz der ehemaligen slawischen Burg „Poztupini“ erbaut. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Turm. Dieser Turm wurde 1734 errichtet. Er war 87m hoch und überragte somit die Nikolaikirche.  Der untere Teil war gemauert und der obere Teil war ein mit Kupfer beschlagenes Holzkonstukt. Das Kupfer wurde später von Soldaten teilweise gestohlen und wurde mit verzinktem Eisenblech ersetzt. Johann Sebastian Bach gab in der Heiliggeistkirche am 8.Mai 1747 ein beeindruckendes Orgelkonzert.

In der Besatzungszeit durch Napoleon I. wurde die Kirche dann als Pferdemagazin genutzt.

Heute steht an Stelle der Heiliggeistkirche die 1997 erbaute Seniorenresidenz „Heilig-Geist-Park“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilig-Geist-Kirche_%28Potsdam%29

Flugplatz Berlin Tempelhof. Ein historischer Ort wird abgewickelt.

3 Aug
Berlin - Airport Tempelhof

Berlin – Flughafen Tempelhof

Innerhalb weniger Minuten war man da. Per Taxi, per Bus, Auto oder zu Fuß. Am Zentralflughafen Tempelhof, damals, 1923, als es hier los ging mit dem Flugbetrieb. Zuvor war das Gelände als Flugfeld und davor als Militärgelände genutzt worden. Um 1930 war Tempelhof die Nummer 1 des europäischen Luftverkehrs.
Im 3. Reich wurden die Infrastruktur, sowie Hallen neu gebaut und erweitert
( Ernst Sägebiel ) um für etwa 6 Millionen Passagiere pro Jahr Platz zu haben. Gleichzeitig war der Flugplatz Ort der Reichsflugschauen und Reichsflugtage.
( Film Ernst Udet “ Wunder des Fliegens „)
Bis zur Schließung, im Jahr 2008 ( politische Bewertung sparen wir uns ), hat sich die Konstruktion des überdachten Vorfelds enorm bezahlt gemacht. Hier konnten die Passagiere zu Fuß zu den Flugzeugen gelangen ohne nass zu werden, die Flugzeuge konnten aber ebenso trocken stehen, ohne dass sie später vor dem Start teuer enteist werden mussten, sobald die entsprechende Wetterlage herrschte.
Zu Kriegsende wurde der Flugplatz durch die rote Armee kampflos eingenommen. Es gibt vielerlei Gerüchte was unter dem Flugplatz sein könnte. Fest steht, dass er erheblich unterkellert ist und im 3. Reich und im kalten Krieg ein „wichtiger“ Standort war.
http://berliner-unterwelten.de/flughafen-tempelhof.319.0.html

Am 4. Juli 1945 übernahmen die Amerikaner den Flugplatz und nutzten ihn bald darauf als Militärflugplatz. 1948 kam es zur sogenannten Berlin-Blockade von Berlin. Grund hierfür war die Einführung der West Mark. Nahrungsmittel, Medikamente und Heizmaterial, sowie alle Arten von Versorgungsgütern konnten nicht mehr durch die SBZ (Sowjetische Besetzungszone), spätere DDR, gebracht werden. West-Berlin war abgeschnitten. Vom 24. Juni 1948 bis zum 27. August (Berlin-Blockade endete am 12. Mai 1949) wurden in einer unglaublichen Aktion alle Güter durch die westalliierten Besatzungsmächte durch die sogenannte Luftbrücke eingeflogen. ( Flugplätze : Tempelhof Tegel und Gatow )

1962 wurde der Passagierbetrieb wieder aufgenommen, 1975 wurde Tempelhof für den Passagierverkehr geschlossen, da der neue Flughafen Tegel fertig wurde.  Jedoch wurde er 1985 wieder für Passagierflüge genutzt und nach der Wiedervereinigung boomte der Flugbetrieb mit 400.000 Passagieren pro Jahr wieder.

Seit den Anfang 2000 Jahren gab es in Berlin einiges Geschacher um die Schließung des Flugplatzes. Auch gab es wohl einige Manöver, die ein Volksbegehren aushebeln sollte. Eine sehr unwürdige Geschichte für den legendären Flugplatz. Dazu mehr unter Wikipedia.

Tempelhof Hauptstadtflughafen

Tempelhof Hauptstadtflughafen

Flugplatz Sperenberg, der neue BER ?
Flugplatz Welzow
Letzte Schlacht um Berlin
EDAZ Fliegen in Berlin

 

9. Armee Halbe Ausbruch aus Kessel zur Armee Wenck Beelitz Elsholz

28 Jul

Militärisch ist eine Einkesselung einer Armee die gefährlichste, die aussichtsloseste und die unberechenbarste Situation eines Kampf Kommandanten. Deutschland, 40 km südlich von Berlin bahnte sich in den letzten Kriegstagen 1945 genau diese Situation der 9.Armee, unter General Busse, an. Die Oderfront war bei Frankfurt/Oder durchbrochen und die Sowjetarmee setzte über. Zweck, die Deutsche Wehrmacht einzukesseln, wo es nur ging.  Viele Amerikanische LKW, die Studebaker US6, von den USA durch den sog. „Persischen Korridor“ an die UdSSR geliefert, wurden übergesetzt. Es entstand ein wandernder Kessel, ähnlich einer Blase, die von allen Seiten weiter zusammengedrückt und verengt wurde. Aus über 1000 Quadratkilometern wurden schnell ca. 80 Quadratkilometern im Raume Märkisch Buchholz, Spreewald. Die Versorgung wurde kritisch. Treibstoff und Munition, Verbandsmaterial und Nahrung gingen zu Ende.

Die Deutsche Wehrmacht :
Gesamt etwa 140.000 Mann, davon 50.000 Kampftruppen und 10.000 Mann Volkssturm 120 Panzer und 1000 Geschütze und Werfer.

Die Sowjetische Übermacht:  
Reichlich Munition und Treibstoff 1500 Flugzeuge, Bomber, 7400 Geschütze, 280 Panzer, und…..280.000 reine Kampftruppen. Die Zahl der Logistiktruppen ist uns nicht bekannt, aber es werden sicher weitere 100.000 Mann gewesen sein.

Fazit :
Gerät:  1120 gegen über 10.000  Verhältnis 1 : 10 eine aussichtslose Materiallage, zumal die deutsche Luftwaffe nicht mehr vorhanden war um Bomberangriffe auf den Kessel zu stören.
Kampftruppen etwa 1 : 5
Die rote Armee verlor in Halbe etwa 300 Panzer.

Verteidigung ( Zeitzeugenaussagen )
Der Kessel wurde vielerorts von SS-Divisionen, darunter die 502te SS_Panzerabteilung
( aus Seelow kommend ), dann Infantriedivisionen , SS-Gebirgskorps ( aus Beskow kommend ) und Volkssturm verteidigt. Weiter der SS-Panzerdivision „Frundsberg“ im Süden, weitere Infantriedivisionen, Marine, Luftwaffe und viele weitere Einheiten. Trotzdem war der Kessel gegen die anrennenden UdSSR Truppen kaum zu halten.Die einzige Chance bestand in einem gewagten Ausbruch nach Westen. Eine ausbrechende Truppe muß sehr schnell und beweglich sein, hohe Feuerkraft besitzen und eine schnelle Logistik an den Tag legen.

Der Ausbruch
Am 28.April 1945, abends 18.00 Uhr befiehlt General Theodor Busse den Ausbruch. An der Spitze stehen die SS-Panzer Divisionen mit 14 verbleibenden Tiger II Panzern. Allerdings hatte die sowjetische Führung die Pläne der Deutschen schnell erkannt und in der Gemeinde Halbe ( Landkreis Dahme Spree ) eine Art Fangnetz aufgespannt. Russische Artillerie, Panzer und Truppen warteten auf die ausbrechende deutsche 9.Armee. Eine schwere Panzersperre am Ortseingang hielt die Wehrmacht auf und bot der roten Armee praktisch ein Tontaubenschießen. ( Auch Phosphor wurde verschossen. )
Mehr darüber : Flugplatz Brand/ Gemeinde Halbe, CargoLifter Halle, heute Tropical Islands

Ortseingang Halbe von Märkisch Buchholz kommend

Ortseingang Halbe von Märkisch Buchholz kommend

Hätte man die Falle umgehen können? Das fragen sich sicher schon Generationen, aber die Antwort ist relativ klar. Man hatte so gut wie keine Aufklärung mehr zu diesem Zeitpunkt und der Gegner besaß Luftbilder, sozusagen im Stundentakt. Ebenso gibt es in dieser Gegend Brandenburgs nur relativ wenige Ost-West Verbindungsstraßen.
Transport : Des weiteren muß erwähnt werden, dass den Kampfspitzen ein Heer an Personal, Flüchtlingen und Verwundete folgten. Diese vielen Menschen in einem derart engen Kessel nach Westen zu bringen scheint heute schier unmöglich.
Eine weitere Frage drängt sich einem auf. Warum so viele Opfer, warum hat man sich nicht ergeben? Zeitzeugen sagen fast geschlossen. Der roten Armee wollte sich keiner „anvertrauen“, man fürchtete Schlimmstes. Auch waren wichtigste Kampfeinheiten  der verbleibenden 9. Armee SS-Einheiten. Diese Spezialeinheiten wurden häufig sofort erschossen.

Zerschossene Fassade eines Bahnhofsgebäudes

Zerschossene Fassade eines Bahnhofsgebäudes

Zur rettenden 12.Arme unter General Walter Wenck, der zu diesem Zeitpunkt in Beelitz lag waren es noch gute 60 Kilometer.
Siehe:
12. Armee bei Ferch und Beelitz
Kurhaus Ferch: SS-Lazarett ab 15. April.1945

Erinnerungstafel am Friedhof Halbe

Erinnerungstafel am Friedhof Halbe

 

Kriegsgräber in Halbe

Kriegsgräber in Halbe


In den frühen Morgenstunden des 29.April 1945 gelang es der beinahe zusammengeschossenen deutschen 9.Armee die sowjetischen Stellungen am Ortseingang zu überrennen. Quellen sprechen von bis zu 8000 Opfern. Man sammelte sich am Forsthaus Massow, bereits westlich der Autobahn Dresden Berlin. Das Forsthaus ist heute verschwunden, in Massow war zu DDR Zeiten die Staatssicherheit stationiert. Da sich auf dem Gelände ein Schießplatz befindet ist es wahrscheinlich, dass die 9.Armee sich hier neu geordnet hat. ( Zeitzeugen )

Staatssicherheit Massow

Staatssicherheit Massow

Nach Neuformierung konnte der zweite Sperrring der roten Armee, an der B96 nördlich Baruth, gestürmt werden. Hier liegen ganz exakte Aussagen von Bewohnern Küchendorfs vor.
“ Die Deutschen trafen auf sehr viel Widerstand und sowjetische Panzer. Viele T34 Panzer wurden abgeschossen. 3 standen entlang der Hauptstrasse, zwei im Ortskern
( Kreuzung ). Waffen SS räumte das Dorf und die Armee kämpfte sich weiter Richtung Kummersdorf- Gut. Als alles vorbei waren spielten die Kinder in den zerschossenen Panzern“

Schlachtfeld westlich Müchendorf

Schlachtfeld westlich Müchendorf

Von Mückendorf  führt ein sandiger Waldweg Richtung Norden zu einem ehemaligen Walddorf. Seit dem Jahr 1945 hat sich hier so gut wie gar nicht verändert. Getarnt im Wald gelegen, diente das  Walddorf Wunder offenbar als Treffpunkt aller Verbände. Laut Zeitzeugen suchte eine Panzergruppe der roten Armee dort nach den Deutschen und verwüstete das Dorf vollkommen. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Heute erinnert nur noch ein Schild und eine Lichtung an „Wunder“.

Walddorf Wunder

Walddorf Wunder

Sowjetischer Ehrenfriedhof

Sowjetischer Ehrenfriedhof nördlich Baruth/Mark

In der Nacht zum 30.4.1945 stößt die 9.Armee erneut vor und erreicht Kummersdorf-Gut. Als Treffpunkt mit der 12.Armee wird Beelitz vereinbart. Am Morgen des 1.5.1945 erreichten lediglich noch 2 „Königstiger“ ( Tiger II Panzer ) Hennickendorf, 10 Kilometer vor Beelitz und südlich des Flugplatzes Schönhagen.
Über die Landstraße Dobbrikow-Rieben geht es durch den Wald unter Beschuss ( Trichter ) nach Schönefeld, kurz vor Beelitz. Jedoch muß am Pfefferfließ in Dobbrikow eine Panzersperre genommen werden. Siehe Kämpfe in Dobbrikow

Strasse nach Schönefeld

Strasse nach Schönefeld

Es galt hier die Brücke nach Zauchwitz zu sichern, wo bereits russische Artillerie stand und Beelitz beschoss. ( Zeitzeugen )
Hier wurde der vorletzte „Königstiger“ gegen 5 Uhr früh, 300m südöstlich der Schafbrücke, abgeschossen. Der Fahrer, ein SS Mann wird später in Stücken vernommen und gerät in Gefangenschaft. ( Foto: Panzer stand rechts 300m von der Brücke entfernt )

Schafbrücke bei Zauchwitz

Schafbrücke bei Zauchwitz

Am 1.5.1945 stehen die Spitzen an der Funkanlage Schönefeld ( heute eine Tierpension ).
Es handelt sich um die “ Funkkontrolle Messdienst Beelitz „. Die Gebäude wurden 1931 errichtet und dienten ursprünglich als Empfangsstelle für den „Drahtlosen Überseeverkehr“. Die Entsprechende Sendestelle stand / steht in Nauen.
(„Drahtlosen Überseeverkehr“ —–>  Befehle an die U-Boot Flotte im Indischen Ozean.)

Die benachbarte Flakbatterie ist mit 12,8cm Kanonen ausgestattet. Inwieweit diese Batterie den Rückzug der 9. Armee hat decken können ist unklar.
Im letzten großen Angriffskamp der Wehrmacht auf Lauban wurde erfolgreich 8,8cm Flak für den Bodenkampf genutzt.

12,8 Flak

Die Schräg gestellten Fundamente stammen von einer befestigten Höhenflakstellung, die bis 14,8km Höhe schießen konnte……

 

Tiger II Königstiger

Bundesarchiv, Bild 146-1975-102-14A / Hamann CC BY-SA 3.0 de

Der letzte Tiger II Panzer muß aus Benzinmangel hier mit Diesel betankt werden. Er schafft es noch entlang der Fischerstrasse nach Elsholz und überquert die B2 und Bahnlinie zur 12. Armee, die zu diesem Zeitpunkt die Ortschaft Elsholz hält.

Durchbruch an der B2

Durchbruch an der B2 – hinter den Bäumen liegt der Bahndamm

Siehe :
12. Armee bei Elsholz, Treffpunkt 9. Armee
zuvor: 9. Armee an den Seelower Höhen
Rettung in Tangermünde

Die Front hielt bis zum 5.5.1945 und ermöglichte den Abzug von etwa 100.000 Soldaten und Flüchtlingen nach Westen.

Mehr darüber : Am 27.4.45. Eine riesige FW200 Condor will in Gatow landen stürzt aber in Wilhelmshorst in ein Wohngebiet

 

 

 

Wilhelmshorst 27.April 1945 Flugzeugabsturz einer FW200 Condor

24 Jul

Es ist der 27.April 1945. Tage vorher war das Wetter sehr schlecht. Sturm, Schnee und starker Wind. Der Freitag ist besser. Es zeigt sich der Vollmond. Die 9.Armee ist in Halbe/Spreewald eingekesselt und der Krieg ist eigentlich verloren. Der Oberbefehlshaber  dieses sinnlosen Krieges sitzt in seinem Bunker in Berlin und versucht verzweifelt das Rad der Geschichte doch noch zu wenden. Er mobilisiert alle militärischen Reste, die ihm noch geblieben sind. Seine Offiziere flüchten aus dem eingekesselten Berlin und versuchen ihre Habe zu retten.

Focke-Wulf_Fw_200 © gemeinfrei Bundesarchiv

Focke-Wulf_Fw_200 © gemeinfrei Bundesarchiv

An diesem Tag startet eine  Focker-Wulf 200Condor der Marine mit 19 Mann Besatzung in Richtung Berlin . Sie sollen entweder die eingekesselte Wehrmacht unterstützen oder Offiziere aus der eingekesselten Stadt ausfliegen. Der Flug sollte nach Gatow gehen. Als die Maschine dort landen will, ist der Flugplatz bereits von der Roten Armee besetzt.

Der Treibstoff neigt sich dem Ende und die Maschine kreist über Berlin und Potsdam, um doch noch einen Platz zum Landen zu finden. Dabei gerät sie unter Beschuss der Flugabwehr der Roten Armee und wird über Potsdam getroffen. Der Pilot kann die Maschine nicht mehr halten. Aber kein Flugplatz in der Nähe. Der Pilot wählt den Wald südlich von Potsdam für eine Notlandung. Ob er Wilhelmshorst im Schein des Vollmondes sah und mit diesem großen Flieger nicht auf den Wohnort fallen wollte oder Wilhelmshorst nicht sah, wird nicht mehr zu klären sein.

Die Maschine gleitet an der nordwestlichen Grenze Wilhelmshorsts in den Wald und reist mit dem Flügel den Dachstuhl und den in Richtung Wald liegenden Teil der oberen Etage des am dichtesten am Wald stehenden Hauses weg und bleibt in diesem Waldstück liegen. Neun Insassen (2 Offiziere und 7 Soldaten) überleben diese Landung nicht. Der Rest der Besatzung wird zum Teil verletzt, von der Roten Armee, die gerade Wilhelmshorst besetzt hat, gefangen genommen oder kann fliehen. Leider ist auch ein Opfer in dem zerstörten Haus zu beklagen. Es ist ein 8-jähriges Mädchen aus Berlin, das im Haus zu Besuch war und im ausgebauten Dach schlief. Sie wurde verschüttet und getötet.

Am nächsten Tag, ein Samstag, werden die 9 Opfer aus der Focker-Wulf auf dem Friedhof in einem Grab, abgedeckt mit Reisig und Fallschirmseide bei strömendem Regen beigesetzt. Das Mädchen bekommt ihr eigenes Grab. Im Archiv der Kirchengemeinde sind die Namen der Getöteten verzeichnet. Auf dem Friedhof gibt es seit dem 8.Mai 1995 einen Gedenkstein. Ein damaliger junger Matrose, der diesen Absturz Überlebendte, Eginhard Schmiechen hielt zur Einweihung als Superintendent i.R. eine Andacht.

Friedhof in Wilhelmshorst

Friedhof in Wilhelmshorst

Das teilweise zerstörte Haus wird nach dem Krieg wieder aufgebaut, aber nicht im ursprünglichen Stil. Die obere Etage wird niedriger und statt dem Spitzdach bekommt das Haus nur ein flaches Dach.

Haus nach dem Wiederaufbau

Haus nach dem Wiederaufbau ca. 1962 (Ursula und Uwe Friedrich)

1959 wechselt das Haus seinen Besitzer. Neuer Besitzer ist die Familie Friedrich. Sie bewohnen erst die obere Etage. Dann, als die Mieter der unteren Etage ausziehen, wechselt die Familie nach unten und in der oberen Etage ziehen die Eltern (Georg und Marie Wendt) von Frau Friedrich ein.

1988 wechselt das Haus wieder seinen Besitzer. Bis heute ist die alte Ansicht des Hauses nicht wiederhergestellt.

So um 1971 findet der damalige Bewohner einen der Motoren der Focker-Wulf im hinteren Garten unter den Wurzeln eines Pflaumenbaums und bringt ihn zur Schrottannahmestelle. Auch später werden immer mal wieder einzelne kleine Teile der Maschine im Waldboden gefunden. Das Meiste der Maschine wurde wohl fortgeschafft. Die Ziegel des Daches liegen noch hinter dem Grundstück vom Waldboden bedeckt.

Absturzstelle heute

Absturzstelle heute

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