1951 Massenabsturz 13 Ilyushin IL-10 bei Kemlitz

5 Mrz
Massenabsturz Ilyushin Il-10 bei Kemlitz 1951

Scene eines Absturzes.

Flugfeld Reinsdorf nahe Jüterbog,Brandenburg, 14.April.1951. 26 Männer der sowjetischen Luftwaffe rollen in ihren Flugzeugen auf die 1280m lange Grasstartbahn des ehemaligen „Arbeitsflugfeldes der Luftwaffenflugschule Gatow“.
Noch wenige Jahr zuvor waren hier deutsche Jäger zur „Reichsluftverteidigung“ stationiert  gewesen. Seit 1945 diente Reinsdorf als Dezentralisierungsflugplatz der sowjetischen Jagdflugzeuge aus Jüterbog.

An diesem Samstag im April 1951 ist es im Berliner Umland leicht bewölkt mit angesagten Schauern, als sich die 13 Maschinen zur Verbandsübung der sowjetischen 16. Luftarmee  in Bewegung setzen. Nach dem Start setzen sie wahrscheinlich Kurs auf das Zielgebiet in der Lieberoser Heide, dem 26 500 Hektar großen Bombenabwurf- und Schießübungsplatz, auf dem bis in die 1990ziger Jahren auf der sogenannten „Höhe 100“ tausende Tonnen an Munitionsresten abgeladen werden sollten. In seiner Ausdehnung ist die Gegend die größte wüstenartige Gegend Deutschlands.
Kurz vor der Autobahntrasse Berlin – Dresden liegt die Ortschaft Kemlitz. Beim Vorbeiflug kommt es zur bis heute ungeklärten Massenkatastrophe der Staffel. Trümmerteile verteilen sich über die gesamte Gegend und werden noch  Jahre später gefunden. Die sowjetische Armee birgt  26 tote Männer. Es gibt keine Überlebenden.

Doch warum kam es zu dem gleichzeitigen Absturz aller dreizehn  Ilyushin IL-10 Flugzeuge? Die Flugzeit von Reinsdorf nach Kemlitz beträgt nur wenige Minuten. Für die knapp 25 Kilometer lange Strecke entlang der B102 benötigt eine Ilyushin IL-10 nach dem Steigflug etwa 7 Minuten. Selbst wenn der Treibstoffverbrauch sehr hoch war, die technischen Unterlagen der IL-10 sind hier nicht eindeutig, so sind für diesen Flug etwa 10-30 Liter Treibstoff nötig. Das könnte etwa der Menge entsprechen, die sich ständig in den Treibstoff Leitungen befindet. Ist diese Menge verbraucht, kommt frischer Sprit aus den Tanks zum Motor.
Fazit : Es wäre möglich, daß sich ein falscher Treibstoff in den Tanks des mit „Superbenzin“ betriebenen Ilyushin IL-10 Motors befunden hat. Tankt man in diesem Fall z.B. JET Treibstoff, so kommt es zu dem gleichen Effekt, als würde man einen Ottomotor mit Diesel betanken.

Ilyushin Il-10

Ilyushin Il-10 in Nordkorea © gemeinfrei

Natürlich gibt es denkbar weitere Unfallursachen wie Sabotage, Staubwolken, zu enge Staffelung der Maschinen, Methangas oder ähnliche. Allerdings sind all diese Ursachen höchst unwahrscheinlich und würden den Gesamtverlust aller Flugzeuge nicht erklären.

Blick von der „Tribüne“ auf dem „Generalshügel“ in Richtung der ehemaligen Schießbahn des vormaligen sowjetischen (russischen) Truppenübungsplatzes Lieberose in der Lieberoser Heide bei Lieberose, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg, Deutschland. Von der „Tribüne“ aus verfolgten die militärischen Leitungskräfte den Ablauf der Schießübungen entlang der Schießbahn sowie die Manöver. Seit dem Abzug der Russen verfallen die Militärgebäude zunehmend bzw. wurden im Zuge der Konversion bereits abgerissen. Auch die Schießbahn ist in Folge der natürlichen Sukzession stellenweise bereits wieder recht dicht bewaldet. (Hinweis: Das Foto entstand während einer fachlich geleiteten Führung.)

Blick von der „Tribüne“ auf dem „Generalshügel“ in Richtung der ehemaligen Schießbahn des vormaligen sowjetischen (russischen) Truppenübungsplatzes Lieberose in der Lieberoser Heide bei Lieberose, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg, Deutschland. Von der „Tribüne“ aus verfolgten die militärischen Leitungskräfte den Ablauf der Schießübungen entlang der Schießbahn sowie die Manöver. Seit dem Abzug der Roten Armee verfallen die Militärgebäude zunehmend bzw. wurden im Zuge der Konversion bereits abgerissen. Auch die Schießbahn ist in Folge der natürlichen Sukzession stellenweise bereits wieder recht dicht bewaldet.

( Foto und Text: © J.-H. JanßenEigenes Werk
(Hinweis: Das Foto entstand während einer fachlich geleiteten Führung.)
( Lizenz : 
CC BY-SA 3.0 )

Quelle: eigene, Anwohner, robb Online – Lieberoser Heide.

 

 

Absturz über Michendorf 1943, Lienewitzsee, Stirling, Lancaster,Ju88

6 Apr
Short-Stirling Bomber

Short-Stirling Bomber © gemeinfrei

Michendorf, Nacht vom 31.August zum 1. September 1943. Um 23:30 wird der Alarm ausgegeben und erst um 03:00 aufgehoben.  Es steht schlecht um die deutsche Luftwaffe. Die ursprüngliche Überlegenheit in den ersten Kriegsjahren hatte sich erledigt.

Ju88A 1943 © gemeinfrei

Die Ju88 wurde in anderer Version als Nachtjäger eingesetzt ,1943 © gemeinfrei

Nur noch wenige Nachtjäger sind im Einsatz gegen die einfliegenden Amerikaner und Engländer. Vom Boden her schießt die Flak einen Sperrring rund um die Hauptstadt. In dieser Nacht fliegen britische Bomber einen Großangriff auf Berlin. Nach Abwurf über dem Zielgebiet fliegt der Verband eine Rechtskurve Richtung Potsdam, um dem deutschen Flakfeuer zu entkommen. Der „Short-Stirling“ Bomber mit der Kennung EE959 (BU-E) kommt kurz vor Michendorf einem Nachtjäger ins Fadenkreuz. Nach Angaben eines deutschen Piloten hatten man eine Angriffstaktik entwickelt, bei der der Angreifer unter den Rumpf des Gegners flog und mit möglichst nur einem Schuss das Flugzeug zum Absturz brachte.
Als in der Zelle der „Short-Stirling“ Feuer ausbricht, gibt der Kommandant den Befehl zum Absprung. Der Hauptteil der Trümmer fällt in den Lienewitz-See.

Lienewitz See bei Michendorf

Lienewitz See bei Michendorf

Von den 7 Mann Besatzung können sich 3 mit dem Fallschirm retten. Ein Feldwebel wird in Caputh tot aufgefunden. ( Luftlinie etwa 6-7 Kilometer bis Lienewitz.)
Die veraltete „Short-Stirling“ wird ab Ende 1943 nicht mehr zum Angriff auf Berlin eingesetzt.

 

„Lancaster“ Bomber werden nun vermehrt am Himmel registriert. Am 3.Januar 1944 greift ein Pulk von 383 Maschinen Berlin an. Kurz vor Michendorf erwischt es den Lancaster Bomber III DV 269 (SR-M) der 101. Squadron. Die Maschine stürzt über Michendorf ab. Hierbei handelt es sich um ein besonderes Flugzeug mit einer neuen Spezialausrüstung. Das wird nach der Sichtung schnell von deutschen Stellen erkannt und dementsprechend wird das Wrack gesichert.
Die toten Besatzungsmitglieder werden später auf den zentralen Friedhof an der Heerstrasse, Berlin überführt.

Berlin ist zerstört © gemeinfrei

Berlin ist zerstört © gemeinfrei

Besatzungsmitglieder der jeweils gegnerischen Parteien hatten großen Respekt vor einander.
„Meine zunächst zögerliche, dann herzliche Freundschaft zu einem britischen Navigator in den 1970’ziger Jahren, der Bremen und Lübeck bombardierte, ermöglichte mir einen Eindruck in die Stimmung der Besatzungen der RAF ( Royal Air Force ). Er äußerte häufig seine Zweifel an diesen Einsätzen“. ( Zitat: Flugkapitän )
Der Spielilm „Memphis Belle“  ( 1990 ) zeigt die enorme Belastung und die Angst der Crews.
Die deutschen Jagdbesatzungen hatten eben solche Zweifel, wußten sie doch um die hohe Zahl der Besatzungsmitgliedern in den Bombern.
„Dennoch galt es die deutschen Städte wenigstens einigermaßen zu schützen. Da wurden auch 3-4 Einsätze hintereinander geflogen“. ( Bericht Nachtjäger, Dt.)
Trotz hoher Abschußzahlen deutscher Jagdflieger  ( 352 Erich Hartmann ! ) war dem enormen Ansturm feindlicher Bomber zu wenig entgegenzusetzen. Allein Bomber des Typs Lancaster der britischen Firma Avro wurden über 3000 gebaut. ( weiteres Beispiel : US- Boeing B-17 Flying Fortress über 12700 Exemplare )

In den letzten Monaten kommt auch über Berlin noch der erste, serienmäßig von Messerschmidt gebaute, Düsenjäger ME262 zum Einsatz, doch die gebaute Stückzahl reicht nicht mehr aus um die Lage zu wenden.

ME262 Messerschmidt Düsenjäger

ME262 Messerschmidt Düsenjäger ( restauriert )

Insgesamt werden 1433 Exemplare gebaut. ( Wikipedia )
Die enorm hohe Geschwindigkeit der ME262 mit ihren 7000 PS war technisch ein enormer Durchbruch. Der General der Jagdflieger, Adolf Galland, bemerkte nach seinem Erstflug: „Es ist, als wenn ein Engel schiebt“. (Wikipedia )

Lancaster Bomber 1942

Lancaster Bomber 1942 ©gemeinfrei

Weiterführende Links:
Erbitterte Waldkämpfe Beelitz Ferch 1945

1951 Massenabsturz 13 Ilyushin IL-10 bei Kemlitz

Quellen: Wikipedia, Potsdam Neue Nachrichten, Anwohner und Zeitzeugen, Britischer Navigator, Deutscher Nachtjäger und ME262-Jagdflieger.
© Fotos: gemeinfrei oder eigene 

Abschuss des Lancaster Bombers über Klein Machnow

4 Jan
Avro_Lancaster_Bomber

Avro_Lancaster_Bomber©gemeinfrei

Am 2.Dezember 1943 fliegt die Royal Airforce weiterhin Luftangriffe auf die Hauptstadt Berlin. Auch die 460.Schwadron ist an diesen Angriffen beteiligt. 1000 Flugzeuge sind im Anflug. 90 werden den Angriff nicht überstehen. Pro Flugzeug sind 8 Mann Besatzung nötig. Eine der einfliegenden Maschinen ist die Lancaster mit der Seriennummer LM 316 und der Kennung AR-H2. Der Pilot ist der A.R.Mitchell, ein Australier und auch der norwegische Dichter und Kriegsberichterstatter Nordahl Grieg fliegt mit. (Grieg war angeblich Mitglied des englischen Geheimdienstes.)
Doch die Maschine kommt nicht bis Berlin. Vorm Machnower See erwischte die deutsche Flack das Flugzeug und es stürzte ans Nordufer des Sees im Teltowkanal.
Die Tragfläche klatsche ins Wasser. Alle Besatzungsmitglieder kommen ums Leben, die 460. verliert bei dem Einsatz 5 Lancaster.
Lange dient die Tragfläche den Kindern als Steg im Machnower See, andere kennen die Badestelle gar nicht, da das Wasser des Kanals als schmutzig galt. Dann war das Bauteil lange verschollen, bis es 2002 als Dach eines Schafstalls am Forsthaus wiederentdeckt wurde.
Dieses Tragflächenstück wird nachfolgend der Norwegischen Botschaft, Rauchstrasse Berlin, übergeben und wird dort ausgestellt.

Siehe auch:
Steinstücken
Schleuse Kleinmachnow

Quellen: Wikipedia, Verwandte, Zeitzeugen
Bild © gemeinfrei