Mauerabschnitt Kleinmachnow Teltowkanal Operative Grenzschleuse des MfS

10 Feb
 Richtung Wolfswerder Kleinmachnow

Richtung Wolfswerder Kleinmachnow© Rudolf K. (Stralsund)

Etwa 500 m nördlich der Güst Kleinmachnow, im Abschnitt des GR-44 am Erlenweg 50, gab es die sogenannte OGS „Quartett“. Das war eine operative Grenzschleuse des MfS, über die IM der Hauptabteilung VIII (Ermittlung, Beobachtung, Festnahme) konspirativ von und nach Westberlin gelangen konnten. In den Zehlendorfer Heimatblättern ist ein Artikel über diese Grenzschleuse zu finden. ( Heimatbrief 56. Jg Nr. 1 März 2013 )
Über die dort zum Treff mit ihrem Führungsoffizier von West nach Ost und zurück geschleusten IM’s „Bubi Mahler“ (Kurier) „Arno Anders“ und Elisabeth Groß“ (aus dem Bezirk Cottbus stammende DDR-Übersiedlungs-IM der HA VIII (mittels fingierter Flucht über Jugoslawien in den Westen gekommen) ist weiteres zu finden unter: Angela Schmole: Hauptabteilung VIII. Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung,Festnahme (MfS-Handbuch). Hg. BStU. Berlin 2011. S. 62 ff.

Noch weiter nördlich im Bereich der Straße Wolfswerder hatten Westberliner Studenten in den 60er Jahren einen Fluchttunnel gebaut, der an die Stasi verraten wurde. Die hatten sich am Tag der Schleusung bereits postiert und wollten den Tunnel zusprengen, um den Fluchthelfern den Weg abzuschneiden. Die Sprengung, bei der es mit Sicherheit Opfer unter den noch im Tunnel befindlichen Personen gegeben hätte, wurde aber von einem bis heute nicht ermitteltn Stasi Mann verhindert, der bei der Verhaftungsaktion dabei war.

Grenzbereich GR-44, 1969 Kleinmachnow

Grenzbereich GR-44, 1969 Kleinmachnow © Rudolf K. (Stralsund)

Ein ehemaliger Grenzsoldaten berichtet von seiner Zeit in Kleinmachnow während des ‚Prager Frühlings 1968‘. Eine politisch extrem schwierige Situation war durch den in der Tschechoslowakei unternommenen Versuch, dem bestehenden Sozialismus ein „menschliches Antlitz“ zu verleihen und dessen gewaltsamer Niederschlagung durch Truppen des Warschauer Paktes entstanden.
Am 21.August 1968 rollten sowjetische Panzer durch Prags Straßen. Lange war behauptet worden, dass auch die NVA an dieser Aktion beteiligt war.
Jedoch verließ die 11. Motorisierte Schützen-Division und die 7. Panzerdivision, immerhin 18.000 Soldaten und gut 1000 gepanzerte Fahrzeuge ihre Bereitstellungsräumen nahe der CSR nicht.

„Es war wirklich eine gefährliche Situation. Zeitgleich mit mir waren meine beiden Cousins ebenfalls in Berlin Mitte an der Grenze. Grundlos, von westlicher Seite, wurde auf beide mit KK-Waffen geschossen“.

„Mit der grenznahen Bevölkerung gab es aus meiner Sicht keine Probleme. Einmal gesehen grüßte man sich und man brauchte auch keine Papiere mehr sehen. Zu Weihnachten nach Wachablösung, fingen uns sogar Leute ab und gaben uns Kuchen und auch einen Schnaps. Ich habe den Schnaps unerlaubt riskiert und wurden von den Leuten nicht angeschwärzt. Auf der westlichen Seite von Wolfswerder gab es einen ’schrägen Typ‘. Heute würde man sowas als Nazi oder ähnlich bezeichnen. Er zeigte sich oft mit einer großen Hakenkreuzfahne und belegte uns mit entsprechenden Parolen und Beleidigungen“.

Kleinmachnow 1968/69 Grenzabschnitt.

GR44 Kleinmachnow

GR44 Kleinmachnow © Rudolf K. (Stralsund)

„Ich habe von Mai 1986 – August 1988 im GR 42 gedient und war regelmäßig an dieser Brücke. Dort war die Trennlinie zum GR 44. Wenn ich als Stellvertreter KSiA mit dem Kübel im unserem Grenzabschnitt 4 unterwegs war, musste ich zu Dienstbeginn immer zu dieser Brücke über den Teltowkanal fahren und mit dem Kommandeur der Güst (meist Major oder Oberstleutnant) die Lage absprechen. Der Stelli vom GR 44 war, glaube ich, dann auch immer vor Ort. Der Güst-Kommandeur kam immer durch eine kleine Tür in den Grenzabschnitt“.

Bild : Dies war besagte Tür © unbekannt daher nur als Link.

„Einmal hat er mich angemotzt, weil ich im Frühdienst unrasiert war. Ich habe ihm gesagt, dass wir kurzen Wechsel hatte und vom Spät- in den Frühdienst gegangen sind und mal gerade 3 Stunden Schlaf hatten. Das hat er als Ausrede akzeptiert.
Leider konnte ich nie über die Brücke gehen, obwohl es nur ein paar Meter waren. Ich wollte dort immer mal das Vordere Sperrelement berühren. Habe ich mich aber nie getraut. Dort war ja kein K6 davor. Aber man war ständig in Beobachtung von zwei BTs“.

Ehrenwache am OdF-Platz

Ehrenwache am OdF-Platz © Rudolf K. (Stralsund)

 

Rammrathbrücke_Teltowkanal_Teltow

Rammrathbrücke Teltowkanal 2009 ©Lienhard Schulz CC BY-SA 3.0

Quellen: Grenzsoldaten als Zeitzeugen, Wikipedia, Unterlagen GR42/44, Die Welt, 

 

A 115 Dreilinden AVUS Grenzübergang. Die verlassene Autobahn RAB 51 Steinstücken

18 Nov
Dreinlinden AVUS Zubringer

Dreinlinden AVUS Zubringer RAB 51, Brücke über den Teltowkanal  © eigene

Eigentlich war die winzige Ortschaft Dreilinden zur Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts eine Wochenend-Siedlung am Stadtrand der Reichshauptstadt Berlin. Die Autoversuchsstrecke „AVUS“ verlief, in Nord-Süd Ausrichtung vom Messegelände kommend, direkt in eine lang gestreckte, ebene Umkehrkurve, um dann wieder zurück zum Messedamm zu führen.
Im Norden lag der Grunewald, im Süden der Teltowkanal. Ab 1933 wurde dieses Gebiet mit Wohnhäusern bebaut.
1940 wurde die Autobahn Lücke von der AVUS zum südlichen Berliner Ring durch den Zubringer Reichsautobahn 51 geschlossen. So konnte man aus Berlin kommend, an Dreilinden vorbei, über den Teltowkanal den südlichen Berliner Ring schnell erreichen und die Fahrzeit gen Süden verkürzte sich erheblich.
Direkt hinter der Brücke über den Kanal lag die kleine Autobahnraststätte.

Raststätte Dreilinden

Raststätte Dreilinden © eigene

Alte Trasse der Reichsautobahn 51

Alte abgetragene Trasse der Reichsautobahn 51

Nach der Teilung Deutschlands und Berlins in Sektoren blieb die Trasse bis 1969 in Betrieb. Die schwer zu bewachende Führung der ehemaligen Reichsautobahn 51 im Bereich westlich von Dreilinden war den Grenztruppen der DDR ein Dorn im Auge. Die kleine Exklave „Steinstücken“ südlich des Teltowkanals, umschlossen vom Gebiet der DDR, warf erhebliche Probleme auf. Rein und Raus ging es nur über einen winzigen Weg unter Bewachung der Grenztruppen. 3 Amerikanische Soldaten waren ebenfalls hier stationiert.
Von DDR Seite waren die doppelten Maueranlagen mit einem speziellen Signalzaun (GSZ 83) versehen, der in einem Kabelschacht verbaut war.
Dieser dienten gleichzeitig als Untergrabvorrichtung der Maueranlagen.

Steinstücken

Steinstücken © gemeinfrei

Um den Transitverkehr von diesem Abschnitt abzuziehen wurde 1969 ein direkter Autobahnabschnitt gelegt und der alte Abschnitt  ( RAB 51 ) stillgelegt.
Zunächst blieb die alte Autobahn ungenutzt. Doch dann erlebte sie noch einmal eine Wiederbelebung. Der Autobahnabschnitt wurde für die Filmkulisse zur Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ genutzt und ab dem Jahr 1999 renaturiert. Heute ist die Trasse Teil des Berliner Mauerwegs.

alte Reichsautobahn 51

alte Reichsautobahn 51 @eigene

Siehe auch:
Friedhofsbahn, Wannsee-Stahnsdorf.
13. August 1961 begann der Bau der Mauer
Grenzübergang Drewitz

Quellen:  Eingene, Zeitzeugen aus Steinstücken, Wikipedia

Geisterbahnhof Berlin Potsdamer Platz, direkt unter Todesstreifen 1945 1961 1989

29 Jul

Eigentlich war der Potsdamer Platz einst eine Megakreuzung mehrerer Straßen und unter ihm, einiger Bahnlinien. Er gehörte zu den verkehrsreichsten Plätzen weltweit. Da es ständig zu zum Teil schweren Unfällen kam, wurde auf dem Potsdamer Platz eine der ersten Ampeln eingeführt. Allerdings waren die Lichter, die heute noch die Gleiche Bedeutung haben, nicht vertikal sondern nebeneinander angeordnet. Bis 1945 war der Platz eines der Zentren Berlins, Kaufhäuser, Restaurants, oder Kneipen gab es allerorts.
In den verheerenden Bombennächten wurde auch der Potsdamer Platz stark beschädigt und damit alle seine Anlieger. Es blieb nach dem Krieg ein Ort zwischen den 3 Sektoren, die seit der Kapitulation die Stadt teilten.
Siehe auch : Armee Wenck, letzte Schlacht südlich von Berlin

Doch es kam schlimmer. 1961 wurde die „Mauer“, die Ostberlin fortan von Westberlin trennte, quer über den Potsdamer Platz errichtet. Somit war der einst beliebte Platz jetzt ein Geisterort oder militärisches Ost Gebiet. Es sollte bis zum 9.November 1989 dauern, bis sich diese Trennmauer wieder öffnen sollte. Bis dahin blieb der unterirdische Bahnhof, der angeblich einen direkten Zugang zur unmittelbar benachbarten Reichskanzlei in der Vossstrasse ( DDR Gebiet ) hatte, ein Geistesbahnhof. Züge durchquerten den Bahnhof doch hielten nicht. Solche Durchgangsbahnhöfe gab es viele, denn die Berliner S-Bahn, zunächst noch von der DDR Betrieben, unterfuhr im täglichen Betrieb ständig die Deutsch Deutsche Grenze.  Siehe S-Bahn Berlin, 57 Jahre bis zum Normalbetrieb

Die Situation des S-Bahn und U-Bahnnetzes in der Nachkriegszeit ist sicherlich einzigartig . Züge fuhren von Berlin West in Richtung Osten und bekamen Ansagen zu hören wie : „Letzter Bahnhof im amerikanischen Sektor.“ „Letzter Bahnhof im Westsektor.“ und später dann „Letzter Bahnhof in Westberlin.“
„Dit muß man sich so vorstellen.“
erzählt ein BVGler. ( BVG Berliner Verkehrs Gesellschaft)
„Die Bahn fuhr unterirdisch in die Ost-Zone ein und durfte hier aber nicht halten. Sie durchquerte einen oder mehrere Geistesbahnhöfe und fuhr dann wieder in den Westen. Auf diesen fast dunklen und gesperrten DDR Bahnhöfen standen Grenzsoldaten der DDR Truppen und wachten über die ganz langsam durchfahrenden Züge.“

1990 begann der Wiederaufbau des Potsdamer Platzes in den alten Grundrissen. Dabei titelte die Bildzeitung einige Jahre später, mitten während der Bauarbeiten im Untergrund:
„Führerbunker entdeckt.“

Wieder ein Zeitzeuge: “ Nach der Schlagzeile sind wir gleich zum Potsdamer Platz gefahren. Dort gingen wir über den ehemaligen Todesstreifen, der jetzt ein abgeräumter Erdstreifen war. Einige junge spielten an einem Haufenbund liefen weg, als sie uns kommen sahen. Wir passten sie auf der anderen Seite eines Hügels ab, boten ihnen eine Mark, schon wußte wir wo am Tag zuvor ein Loch in die Unterwelt entdeckt wurde.
Es lag direkt am Eingang  zum Bahnhof, Ecke Ebertstrasse,Leipziger Strasse. Die enge Treppe runter waren alte Schilder zu erkennen, etwas Wasser stand in den Gängen. Wir brachen ab, da wir Angst vor Gas hatten und keinerlei Taschenlampen. Am Folgetag waren wir zwar ausgerüstet, aber schon Stunden nach unserem ersten Besuch im Bunkereingang war eine schwere Betonplatte über den Eingang gelegt worden, der die nächsten Jahre auch dort liegen blieb.Ein weiterer Eingang lag noch bis zum Bau der Fall of Berlin auf einem Trümmergrundstück.“

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