Bunkeranlage Seewerk Falkenhagen N-Stoff Sarin Bunker

19 Feb
Bunker Seewerk Falkenhagen

Bunker Seewerk Falkenhagen © BEG CC BY 3.0

In Falkenhagen wurde ab 1939 eine unterirdische Bunkeranlage gebaut. Die Planungen des „Seewerkes“  wurde unter der Führung der Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH (MONTAN) durchgeführt.
( 1916 gegründet und in Besitzt des Deutschen Reiches ).
Die MONTAN hatte die Aufgabe wichtige  Anlagen im Auftrag und mit Mitteln des Reiches zu erwerben und zu unterhalten.

Quelle Dr. H. Hofmann zu den Bezeichnungen des Werks:
Muna Ost/Buswerk Falkenhagen/M.O.,
Falkenhagen/Seewerk,
Falkenhagen/Firma Allchemie,
Turon GmbH/MONTURON Seewerk,
Falkenhagen-Briesen/N-Stoff-Werk/Großanlage Sarin II.

Gedacht als Fertigungsstätte von Raketentreibstoff, befanden sich auch weitere Laboreinrichtungen in den unterirdischen Geschossen. Nach unbestätigten Angaben, hatte die IG Farben, die wohl die Labors betrieb, dort den Auftrag, auch ein geruchloses unsichtbares Giftgas zu entwickeln. Es gelang die Herstellung von Sarin. Mitte 1945 sollte die großangelegte Produktion beginnen.

Im September 1943 übernahm die IG Farben das Werk Falkenhagen von der MONTAN.
Die „Turon GmbH“ mit Sitz in Ludwigshafen wurde gegründet und gehörte fortan zu  50% MONTAN und 50% IG Farben, der Firmensitz wechselt 1944 nach Briesen/Mark.

Der Ärger mit der WaffenSS begann ebenfalls 1944. Laut Albert Speers Aufzeichnungen geht es um die ersten Tage im Juni 1944. Hitler wollte die weitere Erprobung, sowie die Produktion des N-Stoffes der SS unter der Leitung von SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Otto Schab, deutscher Ingenieur, und Experte für Wehrwissenschaften übergeben. Zuvor hatte das  Heer der Übernahme des N-Stoffes eine Absage erteilt. Speer äußerten Bedenken und schlug stattdessen vor, daß die Produktion innerhalb der chemischen Produktion verbleiben sollte.
Daraufhin änderte Hiltler den Plan. So hatte der Reichsführer SS Himmler zunächst die Erprobung  des N-Stoffes vorzunehmen um später zu entscheiden, ob die Produktion zur SS geht oder innerhalb der MONTURON verbleibt.

Albert Speer Falkenhagen Seewerk

Bundesarchiv, Bild 183-B22744 © CC BY-SA 3.0 de

Aktenvermerke der MONTAN vom 25.07.1944:
Befehl Hitlers vom 07.07.1944 Übernahme des N-Stoff-Werkes durch die Waffen-SS.
23.07.1944  Die Waffen SS erscheint im Seewerk und verlangt die Übernahme des Werks auf Grund des Führerbefehls.
Ablehnung Speer an Himmler im Schriftwechsel vom 26.07.1944

Ende August 1944  kam es im „Schloß Glau“ zur klärenden Konferenz zwischen der WaffenSS, der  MONTURON und der IG Farben.

Ergebnis : „Falls der N-Stoff den Erwartungen entspricht, übernimmt die SS auch die kaufmännische Leitung der N-Stoff-Anlage“.

(Quelle: Florian Schmaltz, Kampfstofforschung, Major Edmund Tilley (Enemy Exploitation Section, FIAT), Report in Chemical Warfare, Based on Interrogation and Written Reports by Jürgen E. von Klenck, 6.12.1945, Bl. 13, PRO [NA, Kew] London, FO 1031/97. Himmlers Versicherung an Speer, 31.7.1944, BA Berlin, NS 19/3910, fol. 85 )

Nach dem Ende des II.Weltkrieg blieb das Areal militärisches Sperrgebiet. Die Legenden über die Nutzung zwischen 1945 und 1965 sind verschieden. Sie reichen von der Schweinezucht, Lazarett und Heilstätte bis KFZ-Instandsetzungsbetrieb. Bereits 1960 begann durch Spezialkräfte der NVA der Umbau der Bunkeranlagen. Danach soll der Bunker als Führungstelle der sowjetischen Streitkräfte genutzt worden sein. Und später dann als Gefechtsstand für die Lenkung der Truppen des Warschauer Vertrags. Es wurden aber bisher keine bestätigenden Quellen gefunden. Es bleiben also Rätsel offen.

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte wurde das Gelände an das damalige Bundesvermögensamt übergeben, 2003 wurde es dann an einen Berliner Investor verkauft. Dieser ging Konkurs. Es wurden dann noch 2 Paintball-Großveranstaltungen ohne behördliche Genehmigung durchgeführt. Im Dezember 2012 war dann auch damit Schluß. Aus Sicherheitsgründen wurde der Zutritt zu dem 35 ha großen Gebiet gesperrt.

Weitere Quellen: Wikipedia, Zeitzeugen der NVA

 

 

 

Versuchsstelle Gottow, Heeresversuchsstelle Kummersdorf-Gut

20 Jul
Sperrgebiet, Nicht betreten !

Sperrgebiet, Nicht betreten !

Versuchsstelle Gottow

Versuchsstelle Gottow

Im Wald bei Schönefeld und Gottow, unweit des alten Bahnhofs Schönefeld, befand sich die Anfang der 1930ziger Jahre eingerichtete Anlage der Versuchsstelle Gottow. Die Forschungsabteilung gehörte zur HWA, Heereswaffenamt. Ein etwa 850m mal 350m großer Gebäudekomplex aus Laboren und Prüfständen wurde nahe der Landstrasse im Wald errichtet. Unter anderem gab es hier später ein  Referat für Atomphysik ( 15.06.1939 ), Sprengphysik oder Ähnliche, deren Aufgabe es war, Experimente zur Waffenentwicklung durchzuführen. So wurden a.u. Raketentriebwerke getestet, mit Schallwellen experimentiert oder neuartige Kampfstoffe entwickelt. Hierzu gehörte besonders der N-Stoff, eine hochaggressive Fluorverbindung, die selbst schwer brennbare Gegenstände entzünden konnte. Zur weiteren Produktion dieses Stoffes wurde später eine unterirdische Produktionsstätte bei Falkenhagen eingerichtet.

Weiter wurde in der Versuchsstelle an einem ( wahrscheinlich dem ersten ) Atomreaktor experimentiert. ( Uranwürfel-Anordnung im Zylinder )

Versuchsstelle

Versuchsstelle 2015

 

Sprengtechnik und Uranmaschine

Sprengtechnik und Uranmaschine

Selbstverständlich ist der Zugang zu dem Gelände verboten. Die hier gezeigten Bilder haben uns per e-mail erreicht und kommen von einem Forstbediensteten, der Zutritt zu dem Gelände hat. Warntafeln weisen den Eindringling darauf hin, dass mit erheblichen Gefahren durch Munitionsreste zu rechnen ist. Glaubt man einigen Filmaufnahmen, so ist offenbar auch die radioaktive Strahlung an einigen Stellen erhöht.

Eine sehr gute Fotosammlung über die Versuchsstelle Gottow finden Sie hier.
http://arche-foto.com/kummersdorf-gut_gottow.html

Durch Gottow zogen im April 1945 die Reste der 9.Armee aus dem Kessel von Halbe in Richtung Armee Wenck bei Beelitz. Hier mehr.

Übersicht : Letzte Armee, die Armee Wenck im Angriff auf Berlin.

In Gottow selbst gab es beim Durchziehen der 9.Armee erbitterte Kämpfe mit der Roten Armee. Es gab 600 Tote, die auf der Kriegsgräberstätte beigesetzt wurden. Allerdings wurden bei Bauarbeiten an Wegen und Strassen, viel später, noch einige Soldatenleichen geborgen.

Bahnhof Schönefeld

Bahnhof Schönefeld

Weitere Links :
Fläming Skate durch Gottow
Altes Lager Jüterbog