Die vergessenen Rieselfelder von Güterfelde Stahnsdorf

13 Nov
Berliner Rieselfelder Güterfelde

Berliner Rieselfelder Güterfelde © gemeinfrei

Berlin 1871, der Krieg gegen Frankreich ist vorbei. Die 830.000 Bewohner zählende Stadt wird Reichshauptstadt. Das siegreiche Preußen feiert den Sieg. Ein Bevölkerungs- und Entwicklungsboom setzte ein und schon kurze Zeit später wurde klar, dass die hygienischen Zustände der neuen Hauptstadt zu entgleisen drohten.
Alle Abwässer der Stadt flossen noch überirdisch, in den so genannten Rinnsteinen, den Flüssen entgegen.
Eine Lösung mußte her, denn die fehlende Kanalisation stellte die Stadtväter vor enorme Probleme. Berlin erwarb 1889 daher große Felder, unter anderem nahe dem heutigen Güterfelde. Eigens für diesen Zweck entwickelte Pumpwerke beförderten die großen und kleinen „Geschäfte“ der Berliner aufs freie Land. Rund um Berlin gab es mehrere solche Rieselfelder, die per fast 600 Kilometer Rohr mit der Hauptstadt verbunden wurden.
Das Sickerwasser wurde so gereinigt, die Überreste als Dünger weiterverwendet. Die DDR ließ sich den Import der Westberliner Fäkalien natürlich genauso gut bezahlen, wie auch den Import des Mülls, den die Westberliner Jahr für Jahr produzierten. Jeder, der in der Nähe wohnte, oder von Potsdam zum Flughafen Schönefeld fuhr, kann sich heute noch an die Geruchsentwicklung errinnern.

1906 wurde in Stahnsdorf eine Kläranlage erbaut, die 1970 erweitert wurde.
Dennoch wurde erst 1989, nach der Wiedervereinigung, die Berieselung ganz beendet.

Heute bietet sich ein idyllisches Wandergebiet zwischen den parzellierten Feldern.