Salzbrunn, Groß-Funkstation und Kriegsschauplatz 1945

18 Feb
Salzburg ist einfach niedlich

Salzbrunn Dorfkirche

Salzbrunn
In den im 16.Jahrhundert entdeckten Salzquellen ist auch die Namensgebung des kleinen Orts südlich von Beelitz begründet. 1748 ordnet Friedrich II, König von Preußen in Potsdam an, den Landstrich zu besiedeln. Etwa 12 Familien wurden damals heimisch im heutigen Salzbrunn.
Wahrscheinlich hat sich der Ort in den letzten Jahrhunderten nur sehr wenig verändert, die Karten von damals ähneln dem heutigen Ort sehr.

Frontverlauf 1945
Nach der letzten Schlacht um Berlin  und der durch die 12. Armee Wenck errichtete Schutzfront zur Evakuierung von Beelitz Heilstätten  sowie der 9. Armee unter General Busse, verlief die Verteidigungslinie direkt an der Bahnlinie Beelitz – Treuenbrietzen. Mit letzter Kraft schaffte es die in Halbe ( Spreewald ) eingekesselte 9. Armee nach Beelitz Schönefeld und von dort aus mit dem letzten Tiger II  Panzer, Lastwagen und  tausenden Zivilisten über die Bahndämme bei Elzholz und Wittbrietzen nach Salzbrunn.

Tiger II mit dem abgerundeten Porsche-Turm

Tiger II mit dem abgerundeten Porsche-Turm © CC BY-SA 3.0 de

Funkstation Schönefeld Salzbrunn
Im Jahr 1928 baute die Firma Telefunken in Beelitz Schönefeld und an der Bahnlinie nahe Salzbrunn eine Übersee-Empfangsstation der damals schon weltbekannten Großfunkstation Nauen errichtet.
Von hieraus konnten Funkgespräche und sogenannte Bildtelegramme ( heute Fax ) in weit entfernte Regionen der Welt gesandt und von dort empfangen werden. Unterstellt waren diese Außenstationen dem Haupttelegraphenamt Berlin (HTA) und dem Überseesender Nauen. Ab 1929 zog die Funkstation von Geltow ( nahe Werder ) nach Schönefeld und ein neuer Telefunken Großempfänger in Betrieb genommen. Auch die Firma Siemens war an der Installation beteiligt.

Telefunken Großempfänger mit Siemens Anschlüssen

Telefunken Großempfänger mit Siemens Anschlüssen

Weltweite Empfangsstationen :
New York, Kairo, Buenos Aires, Batavia, Rio de Janeiro, Manila, Bangkok, Santiago de Chile, Osaka, Mexiko, Teheran und Shanghai. Bald kamen weitere Stationen dazu.
(Sender: QuelleWikipedia)

Die Langwellen Antennenanlage erstreckte sich bis zu den Wiesen naher der heutigen Total Tankstelle am nördlichen Ortseingang von Beelitz bis nach Dobbrikow mit einer Masthöhe von 75m. Schon bald bekam die Gegend den Ruf:
„Beelitz das deutsche Ohr zur Welt“.
Zu DDR Zeiten wurde die Anlage zunächst von der Post weiter genutzt. Gegenstationen wie  Moskau, Peking, Shanghai, Kairo, Helsinki, Budapest, Belgrad, Ulan Bator, Pjöngjang und Havanna wurden bedient, sowie der Seefunk der DDR durchgeführt.
(Sender: QuelleWikipedia)
1991 wurden die Stationen nach und nach abgebaut.

Einer der 75m hohen Sendemasten nahe Salzbrunn

Einer der 75m hohen Sendemasten nahe Salzbrunn

Außenstation der Sendestelle Schönefeld

Außenstation der Sendestelle Schönefeld

Heute ist die Großfunkstelle Nauen weltweit die älteste noch bestehende Sendeanlage. Bereits 1906 begannen hier die Bauarbeiten. Die Anlage wurde stetig weiter erweitert. Die heutigen schwenkbaren Masten wurden 1997 in Betrieb genommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage hauptsächlich zur Befehlsübermittung an getauchte U-Boote verwandt. 1945 sprengte die rote Armee die bestehenden Masten und demontierte die Anlage. Das Areal viel in einen Dornröschen Schlaf und eine LPG baute hier landwirtschaftliche Erzeugnisse an. Ab 1955 begann die DDR Kurzwellensender zu stationieren und die Einrichtung in die Post der DDR einzugliedern.

Schirmantenne Nauen

Schirmantenne Nauen ©gemeinfrei

Weitere Links zum Thema :
Sender von Königswusterhausen !!!
Katastrophe von Königswusterhausen

Kammerode bei Ferch, Brandenburg

19 Nov
Der idyllische Ort Ferch

Der idyllische Ort Ferch/Kammerode

Erstmals wurde der Frecher Ortsteil Kammerode 1267 erwähnt. Wie auch der Ort Ferch selbst wurde Kammerode 1452 vom Kloster Lehnin als lehnspflichtig erworben. Die durch die Eiszeit geprägte, hügelige Waldlandschaft am Südende des Schwielowsee zeichnet sich durch dünenartige, bewaldete Hügel aus, die um 1540 als Weidefläche für Schafe genutzt wurde, die so genannte Cammerodische Heide.

Erst gut hundertfünfzig Jahre später begann die zögerliche Besiedlung.

Kamerode Brandenburg

Bauernhaus bei Kammerode © gemeinfrei

Später wurde ein Teil dieses Gebietes als „Kemnitzer Heide“ vom Gut Kemnitz in der Nähe von Werder übernommen und um 1750 zur Forstfläche entwickelte.
Im 20. Jahrhundert, als Ferch an das Straßennetz angeschlossen wurde, sowie der Bahnhof Lienewitz den Betrieb aufnahm, kamen die ersten Touristen und Wochenendausflügler aus Berlin und Potsdam. Kammerode selbst blieb fast ausschließlich von Forstarbeitern und Bauern bewohnt.

Am 10. April 1945 wurde die 12. deutsche Armee unter Oberbefehlshaber Walther Wenck bei Beelitz neu formiert, mit Angriffsziel Berlin. Kriegsschauplatz sind die Wälder von Beelitz bis Ferch und südlich von Beelitz, die Bahnlinie bei Elsholz.

Siehe zuvor : Schlachtfeld bei Ferch im 2. Weltkrieges.

Nach der Evakuierung der 9. Armee aus dem Kessel von Halbe war die Uferstrasse in diesem Gebiet Hauptrückzugstrasse in Richtung Tangermünde.

Siehe zuvor :  Evakuierung der 9. Armee aus Halbe

Etwas östlich der Ortschaft wurden Stellungen ausgebaut um den Rückzug vor den nachdrückenden sowjetischen Truppen zu sicher. Am heutigen Radwanderweg R1, von Calais in Südfrankreich bis nach  St. Petersburg verlaufend, sind heute noch die Gräben und Verschanzungen der Infanterie zu erkennen.

Stellungen Kamerode 1945

Stellungen Kammerode 1945

Im Westen der kleinen Ortschaft erstrecken sich idyllische Obstplantagen, die Vorboten der riesigen Anbaugebiete um Werder. In wenigen Minuten ist der Schwielowsee erreicht und die Anleger von Ferch und dem „Haus am See“, wo sich einst der Berliner Flugzeugingenieur Alfred Mehlhemmer, ein Widerstandskämpfer im 3.Reich, eingemietet hatte. In einem spektakulären Mordfall wurde selbiger später in Petzow ermordet.

Siehe : Der Fall Mehlhammer

Auch japanisches gibt es in der Umgebung. Der Bonsai Garten von Ferch liegt nur wenige Autominuten vom Kammerode:  Bonsai Haus Ferch

Der Hafen Ferch bietet kleine Motorboote zu günstigen Preisen sowie einen praktischen Imbiss. Haltestelle „Ferch, Strandbad“

Auch Geocacher kommen hier auf ihre Kosten, beginnen doch in der Umgebung gleich zwei schwierige „trails“.

Beide Ortsteile sind mit dem BUS 607 aus Werder und Potsdam gut zu erreichen.

Ferch in Brandenburg

Ferch in Brandenburg © gemeinfrei

Quelle : Eigene / Bürger