Deutsche Kriegsgefangene 1945 – Geschichte eines Flack Soldaten aus Bad Frankenhausen

17 Feb
Deutsche Kriegsgefangene 1945

Deutsche Kriegsgefangene 1945 © gemeinfrei

Nach dem Zusammenbruch der letzten Fronten um Berlin und der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Reiches, sowie der Auflösung der Wehrmacht wurden seit Kriegsbeginn etwa 11 Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft verbracht.
Mehr als 1,1 Millionen kamen in der Gefangenschaft ums Leben.

Nach Artikel 75 der Genfer Konvention von 1929 hatte „die Heimschaffung der Kriegsgefangenen binnen kürzester Frist nach Friedensschluss zu erfolgen“.

Allerdings erkannten die Alliierten die Kapitulation der Wehrmacht nicht als Beendigung des Kriegszustandes an, so das über den 8. Mai 1945 ( Kapitulation ) hinaus eine enorme Anzahl der Wehrmachtssoldaten festgehalten wurden. Am 20. September 1945 bestimmte die Kontrollratsproklamation ( Quelle Wikipedia ) , daß die deutschen Soldaten als Arbeitskräfte für die Siegermächte zu arbeiten hatten. Bereits auf der Konferenz von Jalta ( vom 04. bis 11.02.1945) wurde dies durch die Alliierten bestimmt.

Der World News Daily Report meldete :
Am Freitag, den 18. Juli 2014 wurde der letzte deutsche Kriegsgefangene aus dem Zweiten Weltkrieg freigelassen. Es handelte sich um den 84-jährige Reinhard Kunze der im Alter von 14 Jahren von den sowjetischen Truppen in der Schlacht um Berlin gefangengenommen und für 69 Jahre in verschiedenen sowjetischen und russischen Zwangsarbeitslagern inhaftiert.

deutsche Kriegsgefangene

Es folgt die historische Originalbeschreibung, die das Bundesarchiv aus dokumentarischen Gründen übernommen hat. Diese kann allerdings fehlerhaft, tendenziös, überholt oder politisch extrem sein. Die Mutter eines Kriegsgefangenen dankt Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer nach seiner Rückkehr aus Moskau am 14. 9. 1955 auf dem Flughafen Köln/Bonn für den erfolgreichen Abschluß seiner Verhandlungen mit der sowjetischen Führung. Dr. Adenauer hatte erreicht, daß bis Ende 1955 über 15.000 Kriegsgefangene, Internierte und Zivilverschleppte in die Bundesrepublik Deutschland entlassen wurden. ©CC BY-SA 3.0 de

Bad Frankenhausen

Bad Frankenhausen © gemeinfrei


Geschichte einer deutschen Kriegsgefangenschaft
Obwohl mein Großvater (geb. 1907) als Mitglied der inzwischen von Reichsinnenminister Wilhelm Frick verbotenen SPD weder ein Freund von Hitler noch seines Krieges war, musste er als Soldat in einer Flakbatterie seinen Dienst absolvieren. Mit dieser war er unter anderem in Berlin, Paris und Budapest stationiert. In Berlin erlebte er als Mitglied der Luftwaffe die Beerdigung von Ernst Udet, einem Fliegerass des 1. Weltkrieges, der in seiner Funktion als Generalluftzeugmeister für den Misserfolg bei der Luftschlacht um England verantwortlich gemacht wurde und sich darauf am17.11.1941 in Berlin das Leben nahm. Der Suizid wurde vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, die Beerdigung wurde von seinem ehemaligen Kameraden und inzwischen höchsten Vorgesetzten Hermann Göring angeführt, der mit seiner harschen Kritik Udet zum Selbstmord getrieben hatte. Meinem Großvater war besonders befremdet vom Auftreten des Reichsmarschalls, der mit seinem fülligen Körper in seiner auffälligen Uniform gezwängt und geschminkten Gesicht glatt einer Opernaufführung entsprungen sein könnte. Später bei einem Ausgang in den Straßen von Berlin wurde mein Großvater von einer Patrouille „aufgelesen“ und als Statist zu der berüchtigten Sportpalastrede (18.2.1943) Joseph Goebbels befohlen. Wie ein Fremdkörper fühlte er sich in mitten der fanatisch schreienden Menge („wollt ihr den totalen Krieg…?“).
Der totale Krieg führte schließlich im Frühling 1945 in die vollkommene Katastrophe, immer enger wurden die deutschen Truppen von den sowjetischen Streitkräften aus dem Osten und den westlichen Alliierten auf der anderen Seite in einen engen Korridor getrieben. Die Flakeinheit meines Großvaters befand sich zu dieser Zeit im Raum Leipzig, die Ordnung der Truppen zerfiel, die Soldaten hatten zumeist nur noch ein Ziel: den verlorengegangen Krieg zu überleben. Mit einem Abholschein für optische Geräte irrte er in der Gegend herum, bestrebt im Falle einer Gefangenschaft den Amerikanern in die Hände zu fallen. Das Ende schien nah, als seine Papiere von einem Feldgendarm (im Volksmund auch Kettenhund genannt) überprüft wurden. Mit erhobenen Händen und dem Rücken zugewandt rechnete er bereits mit dem Schlimmsten. Gerade in diesen Tagen gab es massenhaft Deserteure, welche unbarmherzig von den Kettenhunden exekutiert wurden.
Hitlers Parole: „Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben.“
Ein Schuss fiel, mein Großvater zuckte zusammen, aber zu seiner Überraschung war er unverletzt, Als er sich herumdrehte sah er den leblosen Körper des bei den Soldaten verhassten Feldgendarmen liegen. Ein anderer deutscher Soldat hatte ihn aus einem Gebüsch niedergeschossen, auch das war ein Teil dieser chaotischen Tage.

Mit anderen Soldaten erreichte mein Opa schließlich ein Anwesen auf dem die Mutter von Generalfelsmarschall Günther von Kluge wohnte. Dieser hatte sich am 19.8.1944 das Leben genommen, 3 Tage nachdem Hitler ihn des Postens enthoben hatte, weil der Sicherheitsdienst von Kluge in Verbindung mit den Attentätern des 20. Juli 1944 brachte.
Von ihrem Sohn sagte die Mutter: „Er hieß nicht nur Kluge, er war es auch!“.
Zu den Soldaten die nun auf ihrem Anwesen waren sagte sie: „Meine Herren, sie werden als Gentleman in Gefangenschaft gehen“ und besorgte den Männern Anzüge. Die kurz darauf anrückenden amerikanischen Soldaten waren jedoch vom Anblick der fein angezogenen Männern nicht begeistert. Sofort erging die Anweisung unverzüglich wieder die eigenen Uniformen anzuziehen. Die GI´s wollten wissen, mit wem sie es zu tun hatten.

Eingepfercht auf der Ladefläche eines LKWs ging es nun nach Westen. Immer näher führte die Route an seine Heimatstadt Bad Frankenhausen in Nordthüringen und tatsächlich bog das Fahrzeug an der entsprechenden Kreuzung ab, es ging durch die Heimatstadt!

Am Ortseingang stand ein ihm bekannter Bauer am Straßenrand und blickt den Soldaten auf der Ladefläche in die Gesichter und erkannte meinen Großvater! In einer spontanen Reaktion riss er seine Tagesration aus der Tasche und warf sie meinem Großvater entgegen, der durch die enge jedoch nicht die Arme nach oben bekam um das Geschenk zu fangen. Das Paket landete in seinem Gesicht, ein Geruch von frischer Leberwurst, dann wurde das Paket von anderen Gefangenen aufgerissen und in Sekunden verzehrt. Der Hunger war groß, so groß, daß bei kurzen Pausen die Soldaten Gras am Straßenrand zupften und aßen. Schließlich erreichte die Wagenkolonne ihr Ziel, ein großes umzäuntes Feld in der Nähe von Erfurt.
Tausende deutsche Soldaten waren hier auf offenen Gelände untergebracht, keine Gebäude geschweige sanitäre Anlagen. Wasser bekamen die Soldaten, indem ein amerikanischer Soldat mit einem Wasserschlauch über die Köpfe der Gefangenen spritzte, welche die Münder nach oben öffneten, um etwas abzubekommen. Viele starben vor Ort an der Ruhr oder Typhus.
Und wieder hatte mein Großvater Glück. Ein ihm bekannter deutscher Soldat hatte sich bei den Amerikanern als Lagergehilfe beworben und gab ihm einen Tipp, das an einer bestimmten Stelle zu einer bestimmten Zeit gefangene Soldaten entlassen werden.

Wenige Tage später stand ein abgemagerter aus Haut und Knochen bestehender Fremder in der Tür meiner Großmutter in Bad Frankenhausen. Zwei Brüder meines Großvaters hatten weniger Glück, sie kamen nicht aus dem Krieg zurück. Die Kleinstadt war einer Zerstörung entgangen, weil mutige Männer mit weißen Fahnen den anfliegenden Jagdbombern über das Feld entgegen gegangen waren. Diese klinkten ihre tödliche Fracht auf dem freien Feld vor der Ortschaft aus, nur ein verirrter Splitter surrte durchs Fenster des Hauses meiner Familie, welches am Stadtrand stand und blieb über dem Bett meiner damals einjährigen Mutter in der Wand stecken. Trotzdem gab es noch einige unbelehrbare, die meinten dem Führer bis zum Ende gehorchen zu müssen. Wahrscheinlich lagen sie in einem Graben und versuchten mit Panzerfäusten die anrückenden amerikanischen Panzer abzuwehren.
Ihre Gräber sind bis heute auf dem Friedhof von Bad Frankenhausen sichtbar.

Author : Thomas Heisig

Quellen : Bundesarchiv, Soldaten, Wikipedia

Der Kessel Spremberg 1945 WW2 Katastrophe bei Kausche Geisendorf Kampforte

8 Jul
Kausche Geisendorf

Kausche Geisendorf

Das mittelalterliche Spremberg war ( und ist ) ein wichtiger Verkehrsknoten der Reichstrasse 97, Dresden Richtung Cottbus. Im April 1945 galt es die schwache Front Cottbus-Spremberg zu verstärken und zu halten. Dafür wurden folgende Truppenteile eingesetzt.


1.) 10.SS-Panzerdivision ,,Frundsberg’’, Brigadeführers Heinz Harmel
2.) 344. Infanterie-Division, Generalmajors Jolasse
3.) Führer- Begleit-Division, General Remer
4.) Volksturm aus Spremberg

(der Schriftsteller Günter Grass war laut seinen Aussagen als 17jähriger in der 10.SS Panzerdivision auch in Spremberg )

Das Vorhaben scheiterte und die Divisionen wurden von der sowjetischen Armee am 19.April 1945 mit 3 Großdivisionen in der Stadt Spremberg eingeschlossen. 20.000 Mann saßen in der Falle. Gleichzeitig wurde die Stadt in der kommenden Nacht heftigst von Artillerie aus dem Süden beschossen und aus der Luft bombardiert.
Am 20.April waren die deutschen Truppen bei Kochsdorf ( westlicher Stadtteil ) zusammengedrängt, konnten aber den Kessel halten. In der Nacht auf den 21.April, eingegangene Führerbefehle missachtend, brechen die Reste der 10. SS Panzerdivision im Westen durch die russischen Linien aus. Die anderen Truppenteile sperren nach hinten und folgen den Panzerspitzen, zumeist mit Verwundeten und Zivilisten beladen. Sofort ziehen die sowjetischen Truppen in die Stadt, plündern, vergewaltigen und morden massenhaft. ( Zeitzeuge aus Kochsdorf )

Der Ausbruchstross steuert auf den Raum Kausche zu.
Kausche selbst war bereits besetzt, aber offenbar nicht verteidigt. Die sowjetischen Soldaten ahnten nichts von den herannahenden deutschen Divisionen. In verzweifelten Kämpfen wird Kausche zurückerobert. Auch hier wurde massiv vergewaltigt und gemordet.
Am 22.April in den frühen Morgenstunden rückt die Wehrmacht in Richtung Westen ab. Auf den Militärfahrzeugen fahren massenhaft Zivilisten. Bei den sich weit erstrechenden Wiesen Geisendorf und kurz vor der Bahnlinie warten bereits die Russen in den Wäldern. Die Deutschen müssen sich einnebeln um nicht einfach abgeschossen zu werden. Doch die rote Armee beschießt das Wiesengelände aus allen Rohren. Die Hälfte der fliehenden Deutschen überlebt diese „Todeswiesen“ nicht.

( Weder das Dorf Kausche und Teile von Geisendorf sind heute noch vorhanden. Der Braunkohle Abbau in der Niederlausitz hat das gesamte Gebiet des Ausbruchs vor 70 Jahren verschluckt )

Über den Verbleib der vollkommen aufgeriebenen deutschen Truppen ist nicht all zu viel bekannt. ( Neue Quellen u Aussagen werden gerade geprüft und ggf. ergänzt ) Viele versuchten über die Elbe zu kommen, wo bereits die Amerikaner lagen. Zeitzeugen aus diesen Tagen erzählen weiter, dass sich die Reste der SS Divisionen versucht haben über die Elbe zu retten in dem sie in sicherem Abstand den russischen Truppen folgten.
Mann kann sich heute fragen, ob einsofortiges Ergeben vielleicht mehr Leben gerettet hätte oder eventuell genau das Gegenteil bewirkt hätte. Die Nachhut, die im Dorf Kausche verblieb und einen erneuten Agriff der roten Armee abwehren konnte, dann aber keinerlei Munition mehr hatte, wurde praktisch vollkommen vernichtet.
Der Volkssturm hatte kaum Überlebende.

Siehe :
Ferch, letzter Angriff der Armee Wenck
Flucht der 9.Armee aus dem Kessel Halbe