9. Armee Halbe Ausbruch aus Kessel zur Armee Wenck Beelitz Elsholz

28 Jul

Militärisch ist eine Einkesselung einer Armee die gefährlichste, die aussichtsloseste und die unberechenbarste Situation eines Kampf Kommandanten. Deutschland, 40 km südlich von Berlin bahnte sich in den letzten Kriegstagen 1945 genau diese Situation der 9.Armee, unter General Busse, an. Die Oderfront war bei Frankfurt/Oder durchbrochen und die Sowjetarmee setzte über. Zweck, die Deutsche Wehrmacht einzukesseln, wo es nur ging.  Viele Amerikanische LKW, die Studebaker US6, von den USA durch den sog. „Persischen Korridor“ an die UdSSR geliefert, wurden übergesetzt. Es entstand ein wandernder Kessel, ähnlich einer Blase, die von allen Seiten weiter zusammengedrückt und verengt wurde. Aus über 1000 Quadratkilometern wurden schnell ca. 80 Quadratkilometern im Raume Märkisch Buchholz, Spreewald. Die Versorgung wurde kritisch. Treibstoff und Munition, Verbandsmaterial und Nahrung gingen zu Ende.

Die Deutsche Wehrmacht :
Gesamt etwa 140.000 Mann, davon 50.000 Kampftruppen und 10.000 Mann Volkssturm 120 Panzer und 1000 Geschütze und Werfer.

Die Sowjetische Übermacht:  
Reichlich Munition und Treibstoff 1500 Flugzeuge, Bomber, 7400 Geschütze, 280 Panzer, und…..280.000 reine Kampftruppen. Die Zahl der Logistiktruppen ist uns nicht bekannt, aber es werden sicher weitere 100.000 Mann gewesen sein.

Fazit :
Gerät:  1120 gegen über 10.000  Verhältnis 1 : 10 eine aussichtslose Materiallage, zumal die deutsche Luftwaffe nicht mehr vorhanden war um Bomberangriffe auf den Kessel zu stören.
Kampftruppen etwa 1 : 5

Verteidigung ( Zeitzeugenaussagen )
Der Kessel wurde vielerorts von SS-Divisionen, darunter die 502te SS_Panzerabteilung
( aus Seelow kommend ), dann Infantriedivisionen , SS-Gebirgskorps ( aus Beskow kommend ) und Volkssturm verteidigt. Weiter der SS-Panzerdivision „Frundsberg“ im Süden, weitere Infantriedivisionen, Marine, Luftwaffe und viele weitere Einheiten. Trotzdem war der Kessel gegen die anrennenden UdSSR Truppen kaum zu halten.Die einzige Chance bestand in einem gewagten Ausbruch nach Westen. Eine ausbrechende Truppe muß sehr schnell und beweglich sein, hohe Feuerkraft besitzen und eine schnelle Logistik an den Tag legen.

Der Ausbruch
Am 28.April 1945, abends 18.00 Uhr befiehlt General Theodor Busse den Ausbruch. An der Spitze stehen die SS-Panzer Divisionen mit 14 verbleibenden Tiger II Panzern. Allerdings hatte die sowjetische Führung die Pläne der Deutschen schnell erkannt und in der Gemeinde Halbe ( Landkreis Dahme Spree ) eine Art Fangnetz aufgespannt. Russische Artillerie, Panzer und Truppen warteten auf die ausbrechende deutsche 9.Armee. Eine schwere Panzersperre am Ortseingang hielt die Wehrmacht auf und bot der roten Armee praktisch ein Tontaubenschießen. ( Auch Phosphor wurde verschossen. )
Mehr darüber : Flugplatz Brand/ Gemeinde Halbe, CargoLifter Halle, heute Tropical Islands

Ortseingang Halbe von Märkisch Buchholz kommend

Ortseingang Halbe von Märkisch Buchholz kommend

Hätte man die Falle umgehen können? Das fragen sich sicher schon Generationen, aber die Antwort ist relativ klar. Man hatte so gut wie keine Aufklärung mehr zu diesem Zeitpunkt und der Gegner besaß Luftbilder, sozusagen im Stundentakt. Ebenso gibt es in dieser Gegend Brandenburgs nur relativ wenige Ost-West Verbindungsstraßen.
Transport : Des weiteren muß erwähnt werden, dass den Kampfspitzen ein Heer an Personal, Flüchtlingen und Verwundete folgten. Diese vielen Menschen in einem derart engen Kessel nach Westen zu bringen scheint heute schier unmöglich.
Eine weitere Frage drängt sich einem auf. Warum so viele Opfer, warum hat man sich nicht ergeben? Zeitzeugen sagen fast geschlossen. Der roten Armee wollte sich keiner „anvertrauen“, man fürchtete Schlimmstes. Auch waren wichtigste Kampfeinheiten  der verbleibenden 9. Armee SS-Einheiten. Diese Spezialeinheiten wurden häufig sofort erschossen.

Zerschossene Fassade eines Bahnhofsgebäudes

Zerschossene Fassade eines Bahnhofsgebäudes

Zur rettenden 12.Arme unter General Walter Wenck, der zu diesem Zeitpunkt in Beelitz lag waren es noch gute 60 Kilometer.
Siehe:
12. Armee bei Ferch und Beelitz
Kurhaus Ferch: SS-Lazarett ab 15. April.1945

Erinnerungstafel am Friedhof Halbe

Erinnerungstafel am Friedhof Halbe

 

Kriegsgräber in Halbe

Kriegsgräber in Halbe


In den frühen Morgenstunden des 29.April 1945 gelang es der beinahe zusammengeschossenen deutschen 9.Armee die sowjetischen Stellungen am Ortseingang zu überrennen. Quellen sprechen von bis zu 8000 Opfern. Man sammelte sich am Forsthaus Massow, bereits westlich der Autobahn Dresden Berlin. Das Forsthaus ist heute verschwunden, in Massow war zu DDR Zeiten die Staatssicherheit stationiert. Da sich auf dem Gelände ein Schießplatz befindet ist es wahrscheinlich, dass die 9.Armee sich hier neu geordnet hat. ( Zeitzeugen )

Staatssicherheit Massow

Staatssicherheit Massow

Nach Neuformierung konnte der zweite Sperrring der roten Armee, an der B96 nördlich Baruth, gestürmt werden. Hier liegen ganz exakte Aussagen von Bewohnern Küchendorfs vor.
“ Die Deutschen trafen auf sehr viel Widerstand und sowjetische Panzer. Viele T34 Panzer wurden abgeschossen. 3 standen entlang der Hauptstrasse, zwei im Ortskern
( Kreuzung ). Waffen SS räumte das Dorf und die Armee kämpfte sich weiter Richtung Kummersdorf- Gut. Als alles vorbei waren spielten die Kinder in den zerschossenen Panzern“

Schlachtfeld westlich Müchendorf

Schlachtfeld westlich Müchendorf

Von Mückendorf  führt ein sandiger Waldweg Richtung Norden zu einem ehemaligen Walddorf. Seit dem Jahr 1945 hat sich hier so gut wie gar nicht verändert. Getarnt im Wald gelegen, diente das  Walddorf Wunder offenbar als Treffpunkt aller Verbände. Laut Zeitzeugen suchte eine Panzergruppe der roten Armee dort nach den Deutschen und verwüstete das Dorf vollkommen. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Heute erinnert nur noch ein Schild und eine Lichtung an „Wunder“.

Walddorf Wunder

Walddorf Wunder

Sowjetischer Ehrenfriedhof

Sowjetischer Ehrenfriedhof nördlich Baruth/Mark

In der Nacht zum 30.4.1945 stößt die 9.Armee erneut vor und erreicht Kummersdorf-Gut. Als Treffpunkt mit der 12.Armee wird Beelitz vereinbart. Am Morgen des 1.5.1945 erreichten lediglich noch 2 „Königstiger“ ( Tiger II Panzer ) Hennickendorf, 10 Kilometer vor Beelitz und südlich des Flugplatzes Schönhagen.
Über die Landstraße Dobbrikow-Rieben geht es durch den Wald unter Beschuss ( Trichter ) nach Schönefeld, kurz vor Beelitz. Jedoch muß am Pfefferfließ in Dobbrikow eine Panzersperre genommen werden. Siehe Kämpfe in Dobbrikow

Strasse nach Schönefeld

Strasse nach Schönefeld

Es galt hier die Brücke nach Zauchwitz zu sichern, wo bereits russische Artillerie stand und Beelitz beschoss. ( Zeitzeugen )
Hier wurde der vorletzte „Königstiger“ gegen 5 Uhr früh, 300m südöstlich der Schafbrücke, abgeschossen. Der Fahrer, ein SS Mann wird später in Stücken vernommen und gerät in Gefangenschaft. ( Foto: Panzer stand rechts 300m von der Brücke entfernt )

Schafbrücke bei Zauchwitz

Schafbrücke bei Zauchwitz

Am 1.5.1945 stehen die Spitzen an der Funkanlage Schönefeld ( heute eine Tierpension ). Der letzte Tiger II Panzer muß aus Benzinmangel hier mit Diesel betankt werden. Er schafft es noch entlang der Fischerstrasse nach Elsholz und überquert die B2 und Bahnlinie zur 12. Armee, die zu diesem Zeitpunkt die Ortschaft Elsholz hält.

Durchbruch an der B2

Durchbruch an der B2

Siehe :
12. Armee bei Elsholz, Treffpunkt 9. Armee
zuvor: 9. Armee an den Seelower Höhen
Rettung in Tangermünde

Die Front hielt bis zum 5.5.1945 und ermöglichte den Abzug von etwa 100.000 Soldaten und Flüchtlingen nach Westen.

Mehr darüber : Am 27.4.45. Eine riesige FW200 Condor will in Gatow landen stürzt aber in Wilhelmshorst in ein Wohngebiet

 

 

 

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